Seelbach Vor allem der Nordflügel ist marode

Einige Wände und Decken liegen teils schon frei, Umzugskartons stehen in so mancher Ecke. Der Umbau des Rathauses wirft seine Schatten voraus. Bevor es im Januar losgeht, hat die Verwaltung bei einem Rundgang erklärt, was alles geplant ist.

Seelbach. In knapp eineinhalb Wochen steht für die rund 20 Verwaltungsmitarbeiter der große Umzug in die Eisenbahnstraße 20 an. Dann, ab Januar, wird den Bauarbeitern der Klosterkomplex für die nächsten zwei Jahre überlassen. Den Zeitpunkt für das Großprojekt hält Bürgermeister Thomas Schäfer nicht nur für günstig, weil das Städteförderungsprogramm 2021 auslaufen wird, sondern auch für notwendig und sinnvoll für die Seelbacher. "Wir werden aber maßvoll agieren. Alles, was gemacht wird, ist notwendig." Das heißt auch im Umkehrschluss: Die Sanierungsmaßnahmen der näheren Vergangenheit, dazu gehören viele Fenster oder auch der Großteil des Daches, bleiben unverändert. Im Zentrum der Maßnahmen stehen, das machte auch Architekt Christoph Wussler noch einmal klar, die Barrierefreiheit, der Brandschutz und die Neuordnung, durch die sämtliche Anlaufstellen für die Bürger ins Erdgeschoss gelegt werden. Ein Überblick: Erdgeschoss: Hier verändert sich am meisten. Der Eingangsbereich wird vergrößert, von dort erreicht man nach dem Umbau Kultur- und Tourist-Info und die Postagentur. Ein Aufzug wird vor dem jetzigen Zugang zu den Toiletten installiert. Die Bücherei bleibt an Ort und Stelle. Der neue Bürgersaal mit der angeschlossenen Ausstellung der Lützelhardt-Funde entsteht im Westflügel, dort wird es einen extra Eingang geben. Dieser wird ebenerdig sein, da das Niveau des Außengeländes angehoben wird. Der Kreuzgang wird wieder hergestellt, er kann ebenso kulturell bespielt werden wie auch der Innenhof. Die denkmalgeschützte Treppe im Nordflügel bleibt unangetastet. In direkter Nachbarschaft wird stattdessen eine neue Treppe errichtet, die den aktuellen Brandschutzrichtlinien entspricht. In die Räume der jetzigen Metzgerei zieht die Postagentur. "Sie ist ein Alleinstellungsmerkmal für unsere Gemeinde", sagte Schäfer. Dahinter gibt es dann noch Platz für Lagerräume. Gerade an dieser Stelle, wo die Decken bereits geöffnet wurden, ist der marode Zustand dieses Gebäudeteils ersichtlich, der auch das Dach betrifft, das dort neu gemacht werden muss. "Dieser Zustand und die umfangreichen Arbeiten machen einen längeren Verbleib des Geschäfts einfach nicht möglich", sagte Schäfer.

Erstes Obergeschoss: Die Räume der Verwaltung werden neu geordnet, auch das nahezu barrierefrei. "Durch die Vielzahl an Höhenunterschieden war das eine sehr anspruchsvolle Aufgabe", so Architekt Wussler. "Wir brauchten mehrere Anläufe", so Schäfer. In diesem Stockwerk wird auch die neue Technikzentrale Platz finden. Ähnlich dem Kreuzweg wird auch hier eine Ringstruktur erschlossen, die auch die Fluchtwege verbessert und Wege verkürzt. Neben den Ämtern, dem Bürgermeisterbüro und dem Archiv werden im jetzigen Bürgersaal ein Besprechungsraum sowie ein Sozialraum eingerichtet.

Zweites Obergeschoss: Bis in dieses Stockwerk wird auch der Aufzug führen. Das WC wird neu gemacht. Die Vereinsräume bleiben unverändert. Hinzu kommen noch Brandschutzmaßnahmen. Die Dachräume bleiben ungenutzt. "Sie müssen brandlastfrei bleiben", sagte Wussler.

Technik: Stefan Buderer und Katrin Hallmann von der Firma Vertec erläuterten, dass die Brandmeldeanlage komplett erneuert wird. Auch hörbehinderte Menschen könnten alarmiert werden. Bei der neuen EDV-Anlage könnten viele Kupferleitungen gespart werden. Das neue Beleuchtungssystem wird weniger Strom verbrauchen. Das Rathaus wird an das neue Nahwärmenetz angeschlossen sein. Nötig werden neue Leitungsnetze, ein neuer Anschluss ans Wasser und vielerorts neue Heizkörper, die im Moment noch "aus unterschiedlichen Epochen" sind.

Begonnen wird mit dem Umbau im Südflügel (Richtung Klosterplatz), nach und nach wird dann auch die Arbeit im Westflügel (Richtung Klostergarten), im Nordflügel (Metzgerei) und zuletzt im Ostflügel (Richtung Hauptstraße) aufgenommen.

Einstimmig ist am Montag bei der Gemeinderatssitzung das erste Ausschreibungspaket beschlossen worden. Zu den vergebenen Gewerken zählen unter anderem die Rohbauarbeiten, die Elektroarbeiten, der Personenaufzug oder auch die Zimmererarbeiten. Gesamtwert des Pakets: rund 1,86 Millionen Euro. Die Ausschreibung der Heizungsarbeiten wurde verschoben. Bei einzelnen Gewerken gab es konjunkturbedingt Kostensteigerungen. Insgesamt beläuft sich diese auf 3,3 Prozent. Für die Gemeinde ergeben sich daraus Mehrkosten von rund 85 000 Euro. Insgesamt kostet der Umbau rund fünf Millionen Euro.

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