Seelbach Neues Kapitel der Energieversorgung

Hansjörg Vollmer vor der Firma WTS (von links), Volker Kienzlen von der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg, Staatssekretär­ Andre Baumann, Bürgermeister Thomas Schäfer und der Erste Landesbeamte­ Nikolas Stroermer gaben am Freitag offiziell den Startschuss der Holzhackschnitzelanlage im Bauhof. Foto: Kiryakova Foto: Lahrer Zeitung

Der neue Seelbacher Biomasse-Wärmeverbund ist mit einem Festakt im Bürgerhaus offiziell gestartet. Das Projekt der Gemeinde zeigt, wie auf kommunaler Ebene Energie gespart werden kann.

Seelbach. "Der Klimawandel ist in vollem Gang. Wir müssen handeln", sagte Staatssekretär Andre Baumann vom Umweltministerium in Stuttgart in seiner Festrede. Das vorbildliche Projekt in Seelbach zeige, wie lokales Handeln auf kommunaler Ebene die Energieeffizienz und den Klimaschutz weiter voranbringen könnten. An dem Festakt nahmen neben zahlreichen Bürger und Vertretern des Gemeinderats die grüne Landtagsabgeordnete Sandra Boser, der Erste Landesbeamte des Ortenaukreises Nikolas Stoermer, Volker Kienzlen und Christoph Thomsen von der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA) sowie Hansjörg Vollmer von der Firma WTS Oberkirch teil.

Manfred Uhl, Bau- und Umweltamtsleiter in Seelbach, stellte das Klimaprojekt vor. Die Entscheidung, nachhaltige, ökologische Energie zu erzeugen, sei Teil der laufenden Sanierung und Modernisierung des Ortskerns. Mit dem Bau eines Nahwärmenetzes schlage die Gemeinde ein neues Kapitel in der Energieversorgung auf, ergänzte Bürgermeister Thomas Schäfer in seinem Statement.

Die Vorteile des Nahwärmenetzes liegen auf der Hand: Gegenüber den Einzelheizungen werden in den Gebäuden rund 350 Tonnen Kohlendioxid jährlich eingespart. Die verwendeten Holzhackschnitzel werden aus regionalen Ressourcen gewonnen und sind ein nachwachsender Rohstoff, dessen Verbrennung umweltfreundlicher ist als Öl.

Zudem ist auf den Bau eines separaten Heizhauses verzichtet worden. Genutzt werden der Bauhof sowie vorhandene Heizräume­ im Bürgerhaus und in der Schule. Das Projekt wurde mit Hilfe eines sogenannten Contractors realisiert: Die Firma WTS aus Oberkirch kümmert sich in vollem Umfang um Aufbau, Vertrieb und Service des Netzes. Sie trägt auch das finanzielle Risiko. Die Laufzeit beträgt 20 Jahre.

Seelbach ist eines von 28 Projekten in der Initiative Energiespar- und Energieliefer-Contracting (InEECo), so der Projektleiter Christoph Thomsen von der KEA, die das Projekt begleitet hat. Mit dem Projekt, klimafreundlich zu heizen und Strom zu erzeugen, sei die Gemeinde mutig neue Wege gegangen, ergänzte Stoermer. "Klimaschutz ist unsere wichtigste Zukunftsaufgabe".

In Seelbach sind zehn kommunale, kirchliche oder private ­Liegenschaften zu einem Biomasse-Wärmeverbund zusammengeschlossen worden. Die Wärme wird größtenteils in einem Holzhackschnitzelkessel erzeugt. Unterstützung bringt ein Blockheizkraftwerk, das zusätzlich Strom produziert. Außerdem hat die Gemeinde zwei Lüftungsanlagen in Sporthalle und Bürgerhaus saniert und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Schule installiert. Die Gesamtinvestition von rund 1,1 Millionen Euro wurde größtenteils über einen externen Contractor finanziert, der auch für die Wartung und Instandhaltung, das Energiemanagement und den störungsfreien Betrieb zuständig ist. Künftig können auch andere Gebäude ans Nahwärmenetz angeschlossen werden.

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