Seelbach Mehr Sicherheit, weniger Vereine

Tausende Besucher, volle Straßen und ein weitgehend friedliches Fest: Der Katharinenmarkt war wieder ein voller Erfolg. Trotzdem befindet sich der Markt im Wandel. Für manche Vereine wird es schwieriger, die Aufgabe zu stemmen.

Seelbach. Eine Neuerung in diesem Jahr betraf das Sicherheitskonzept. Türsteher sorgten vor den Buden dafür, dass es nicht zu voll wurde. Zudem waren Polizei und ein Sicherheitsdienst im Einsatz. Die Verwaltung zeigte sich auf Nachfrage zufrieden. "Das Sicherheitskonzept wurde im Vorfeld mit der Polizei entwickelt und abgestimmt", sagt Bürgermeister Thomas Schäfer. Grundlage waren die Analysen der vergangenen Jahre. Auch die Budenbetreiber waren bei den Planungen dabei. "An der Sicherheit der Besucher können wir nicht sparen", sagt Schäfer. Für die Betreiber der Buden sei das zwar eine finanzielle Mehrbelastung, die sich aber für die Sicherheit der Besucher und der Betreiber auszahlte.

Die Rückmeldungen von Sicherheitskräften und einzelner Vereine sei positiv gewesen. Dies bestätigen auch der FSV Seelbach und die Eulenzunft, die im Gegensatz zum TV Seelbach zum ersten Mal Türsteher hatten. Oberzunftmeister Hanjo Bolanz spricht von guten Erfahrungen mit den Sicherheitsleuten. "Dies hat die Sicherheit insgesamt erhöht." Diese Erfahrung habe auch der FSV in der Kickerstube gemacht, so Vorsitzender Stephan Klumpp. "Alles blieb friedlich, da hatten wir auch schon andere Jahre."

Trotzdem wird es dabei bleiben, dass es das letzte Mal war, dass der FSV die Kickerstube betrieben hat. An ihre Stelle soll laut Klumpp etwas Neues treten. Zu diesem Schritt kam es, da für die Kickerstube der Aufwand, die Kosten und der Ertrag in "keinem Verhältnis mehr standen", so Klumpp. Zudem wurde es immer schwieriger, genügend Helfer zu mobilisieren, von denen der FSV in diesem Jahr 75 benötigte.

Dieses Problem teilt sich der FSV mit vielen der Seelbacher Vereine. Der Schützenverein und auch der Awo-Ortsverein waren deshalb in diesem Jahr schon gar nicht mehr beim Katharinenmarkt vertreten –­ im Fall der Awo nach mehr als 50 Jahren. "Ich war sehr wehmütig", sagt die Vorsitzende Helga Kubina. "Wir sind nicht der jüngste Verein", sagt sie zur Begründung. "Es wurde immer schwieriger, Helfer zu finden." 18 Leute pro Tag seien notwendig gewesen, um den Betrieb des beliebten Stands am Laufen zu halten. "Die finanziellen Einbußen werden nicht ganz zu kompensieren sein", sagt Kubina weiter.

Die Probleme kennt auch Bürgermeister Schäfer, der den Ursprung in den demografischen und gesellschaftlichen Veränderungen sieht. "Diesen Veränderungen müssen sich die Vereine stellen, was auch vielfach gelingt. Natürlich ist es für jeden Verein, der nicht mehr am Markt teilnehmen kann, schade." Er weiß, wie wichtig die Vereine für den Katharinenmarkt sind. Deshalb leiste die Gemeinde schon heute ihren finanziellen und personellen Beitrag, der den Vereinen und Marktbeschickern nicht berechnet wird. Er glaubt, dass sich der Katharinenmarkt – wie auch jetzt schon – den geänderten Rahmenbedingungen weiter anpassen wird.

Ob die Awo noch einmal mit einem Stand vertreten sein wird, daran glaubt Helga Kubina im Moment nicht. Eine Idee, die das ändern könnte, sind Kooperationen unter den Vereinen, das gemeinsame Betreiben von Ständen oder Lauben. "Da müsste man mal überlegen, ob das in Zukunft möglich ist. Anregen sollte man das", sagt Kubina. Auch Schäfer wäre für solche Anfragen "jederzeit" offen. Hanjo Bolanz von der Eulenzunft ist aber skeptisch. "Die Vereine sind die Nabelschnur des Katharinenmarkts", sagt er. Dazu gehören auch die einzelnen Stände und Lauben, die oft direkt dem Verein zugeordnet werden könnten. "Durch ein Mischmasch könnte ein Teil der Identifikation verloren gehen", sagt der Oberzunftmeister. Stattdessen würde sich Bolanz noch mehr Entlastung von der Gemeindeverwaltung wünschen.

Die Gemeinde Seelbach beteiligt sich an den Kosten, die für die Vereine am Katharinenmarkt entstehen. Die Kosten für den allgemeinen Sicherheitsdienst würden zum Teil von der Gemeinde übernommen, zum Teil in die Standpauschale eingerechnet. Für die Einlasskontrollen bei den sieben großen Buden übernimmt die Gemeinde ebenfalls zum Teil die Kosten (für zwei von sieben Türstehern). Die Vereine entrichten für ihre Beteiligung am Katharinenmarkt eine Pauschale, in der neben den Kosten für Sicherheit jene für Toiletten oder die Gema enthalten sind.

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