Seelbach Endlich wieder ins kühle Nass!

Einstimmig hat der Seelbacher Gemeinderat der Öffnung des Freibads am Montagabend zugestimmt. Spätestens am 11. Juli können Badegäste dann zwar wieder ins kühle Nass springen – müssen aber auch mit einigen Einschränkungen rechnen.

Seelbach . Bürgermeister Thomas Schäfer war am Morgen nach der Gemeinderatssitzung vor allem eines: überrascht. Und zwar darüber, dass die Ratsmitglieder einstimmig für die Öffnung des Freibads votiert hatten. Noch vergangene Woche war ein solch eindeutiges Ergebnis nicht vorhersehbar. Wie sie abstimmen, war für die Fraktionen am Freitagnachmittag größtenteils unklar (wir berichteten).

Die Eröffnung des Freibads war in den vergangenen Wochen das beherrschende Thema in Seelbach gewesen. Entsprechend groß war das Interesse an der Entscheidung des Gemeinderats. Nun kam also die gute Nachricht: Das Freibad wird spätestens am 11. Juli wieder öffnen. Falls der Probebetrieb gut laufe, könne auch schon ein früherer Sprung ins kalte Nass möglich sein. Das hänge jedoch vom Gesundheitsamt ab. Umgekehrt wäre aber auch eine Verlängerung der Saison über dem 13. September hinaus ohne weiteres machbar – insofern das Wetter im Herbst mitspielt.

Das sagen die Fraktionen: In der Fraktionsrunde wurde relativ schnell deutlich, dass es eine breite Zustimmung für die Öffnung in etwa vier Wochen gibt.

Martina Schweiß (SPD) befürwortete eine Öffnung aus mehren Gründen. Sie nannte positive Auswirkungen im sozialen Bereich, etwas mehr Normalität im Alltag und eingeschränkte Möglichkeiten für einen Urlaub.

Joseph Schwörer (CDU) stimmte seiner Vorrednerin zu. Es habe in der Fraktion im Vorfeld zwar eine Diskussion gegeben. "Als Tourismusgemeinde sind wir verpflichtet, aufzumachen."

Albert Himmelsbach (Freie Bürgerliste) erklärte, dass es in seiner Fraktion keine einheitliche Meinung gegeben habe. "Das Herz sagt ja, der Verstand sagt nein." Der soziale Aspekt gab dann aber den Ausschlag, dass der Gemeinderat geschlossen dafür stimmte das Bad zu öffnen. Das sagt der Bürgermeister: Schäfer bezeichnete die Entscheidung für die Öffnung "als ein gutes Zeichen für die Familien". Er wisse allerdings auch, dass es Menschen gibt, die in dieser Saison auf einen Besuch im Familienbad verzichten.

"Wir sind gespannt, wie das Freibad angenommen wird". Denn eines ist sicher: ein normaler Badebetrieb wird diese Saison nicht möglich sein. Erst 2014 wurde die Anlage in Seelbach generalsaniert. Dieses Jahr müssen Gäste durch die Corona-Auflagen aber mit etlichen Einschränkungen rechnen (siehe Info). "Wir präsentieren den Badegästen quasi ein anderes Produkt", drückte es Schäfer aus. Kein normaler Badebetrieb: Die Regelungen im Familienbad beruhen auf der Corona-Verordnung für Sportstätten vom 6. Juni. Die Gemeinde hat vorgeschlagen, dass jeweils 360 Besucher in zwei Schichten das Bad besuchen können. Zum Vergleich: In den vergangenen Tagen tummelten sich an besonders heißen Tagen bis 2500 Gäste im kühlen Nass.

Aufgrund der Größe des Bades könnten etwa 750 Gäste das Bad besuchen. 580 haben auf der Wiese, 180 im Wasser genügend Raum. Die Verwaltung empfiehlt, dass die Zahl der Gäste "auf das Doppelte der nach der Wasserfläche zulässigen Besucherzahl begrenzt wird". Das sind 360 Personen.   Defizit von 85 000 Euro: Da der Betrieb später beginnen wird und die Zahl der Gäste deutlich begrenzt ist, wird es in diesem Jahr ein höheres Defizit geben. Kämmerer Wolfgang Mech schätzte in der Sitzung, dass es bei der geschätzten Auslastung von 60 Prozent in der Saison von nur zwei Monaten und zusätzlichen Ausgaben für Personal (Sicherheit und Reinigungskräfte) einen Verlust von etwa 95 000 Euro geben würde. Der Kämmerer erklärte, dass das bei einer Nichtöffnung dennoch Kosten entstehen. Unter dem Stricht betrage diese Differenz nur etwa 10 000 Euro. Einige Vorschläge aus den Reihen der Räte, wie diese Verluste verringert werden könnten, erwiesen sich als nicht realisierbar. Karten werden teurer: Eintrittskarten gibt es nur online im Voraus zu kaufen, spontane Besuche sind dadurch nicht möglich. Dauer- und Punktekarten gibt es in der Saison 2020 nicht.

Nach einer kurzen Diskussion stimmte der Rat mit einer Enthaltung zu, dass die Eintrittspreise um drei Prozent angehoben werden. Das sind bei Tickets unter zwei Euro fünf Cent mehr, bei den anderen sind es zehn Cent. Außerdem müssen Kurgäste dieses Jahr ebenfalls Eintritt bezahlen. "Jeder kommt rein, aber jeder muss zahlen", begründete Schäfer diese Entscheidung.

Abstand und getrennte Einstiege: Bademeister Igor Kindle stelle vor, wie Schwimmer das Becken nutzen können. Es wird verschiedene Bereiche für Schwimmer und Nichtschwimmer geben. Dabei gibt es eine Einbahnregelung und getrennte Ein- und Ausstiege. Die Breitwellenrutsche und das Planschbecken dürfen benutzt werden, solange sich alle da an die Abstandregeln halten.

Die anderen Attraktionen – Schwall- und Nackendusche, Schaukelbucht und Strömungskanal – sind nicht in Betrieb. Auch Duschen und Schließfächer bleiben in dieser Saison geschlossen. Trotzdem rechnet Kindle mit Problemem im Betriebsablauf geben .  Neue Öffnungszeiten: Wegen der Corona-Auflagen wird ein Schicht-System eingeführt. Das Bad öffnet Mittwoch bis Sonntag von 9 bis 14 und von 15 bis 20 Uhr. Montags und dienstags bleibt das Bad am Vormittag geschlossen. Die Pausen werden für Reinigung und Desinfektion genutzt.

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