Schwanau Leitungen verlegen, ohne zu graben

Das neue Verfahren hat sich bereits in Pilotprojekten bewährt. Hier der erfolgreiche Durchbruch bei einem Test in Borken. Fotos: Herrenknecht AG Foto: Lahrer Zeitung

Graben war gestern: Die Firma Herrenknecht hat ein umweltschonendes Verfahren für die Verlegung von Erdkabeln entwickelt. Die neue Technologie wurde direkt für den "Bauma-Innovationspreis" nominiert.

Schwanau (red/ma). Das "E-Power Pipe" ist ein grabenloses Verfahren für die wirtschaftliche und umweltschonende Verlegung von Erdkabeln. Die grabenlose Technologie bietet laut Herrenknecht gegenüber der konventionellen offenen Bauweise deutliche Vorteile. Das innovative Verfahren schließe eine technische Lücke, weil es Vortriebe kleinen Durchmessers mit zehnfach größeren Haltungslängen, geringerer Tiefenlage sowie hoher Präzision und Geschwindigkeit ermögliche.

Herrenknecht will am Netzausbau verdienen

Mit "E-Power Pipe" hat das Schwanauer Tunnelbau-Unternehmen ein neues Verfahren entwickelt, um Kabelschutzrohre kleineren Durchmessers über lange Strecken von über einem Kilometer im Untergrund zu installieren. Durch das grabenlose Verlegeverfahren reduzieren sich die Erdbewegungen auf die Stellen an denen später Kabel verbunden werden müssen. Dies könne auf die gesamte Trasse bezogen eine Reduktion um etwa 90 Prozent bedeuten. Der Einsatz von Baumaschinen und LKWs werde auf diese Weise ebenso wie die Lärm- und Emissionsbelastung erheblich verringert.

Im Rahmen des geplanten Netzausbaus in Deutschland mit Gesamtinvestitionen von etwa 50 Milliarden Euro ergibt sich in Deutschland ein Bedarf an 3050 Kilometern Netzverstärkungen an vorhandenen Trassen und rund 2400 Kilometern neuer Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-Leitungen (HGÜ). Diese sollen vorrangig als Erdkabel verlegt werden. Der Personalaufwand sei im Vergleich zur offenen Verlegung deutlich geringer. So könne mit gleichem Personaleinsatz mehrere Trassenabschnitte gleichzeitig bearbeitet werden. Diese Zeit- und Kostenersparnis steigere die Effizienz erheblich, wirbt das Unternehmen. Das Verfahren habe bewährte Bohrtechnologien weiterentwickelt, sodass Erdkabel zukünftig in zwei bis vier Metern Tiefe mit minimalem Eingriff in die Landschaft verlegt werden können. Herzstück sei die komplett ferngesteuerte Vortriebsmaschine, die mit einem Bohrdurchmesser von knapp 50 Zentimetern für Längen von mehr als 1000 Metern ausgelegt ist. Die Maschine könne den geplanten Streckenverlauf einhalten und so bestehende Infrastrukturen wie Rohrleitungen, Straßen, Schienen oder kleinere Gewässer sicher unterqueren. Einzelne Bohrungen könnten, so Herrenknecht, in einem geringen Abstand von ein bis zwei Metern realisiert und so mehrere Leitungen parallel verlegt werden.

Am Startpunkt werde laut dem Tunnelbauer eine neu entwickelte Vorschubeinheit installiert, mit der Vortriebsrohre und Vortriebsmaschine entlang der Trasse in Richtung des Zielpunkts gedrückt werden. Das Bohrloch bleibe hierbei permanent durch die Maschine gestützt. Nach dem Durchstich am Zielpunkt wird die Vortriebsmaschine von den Rohren getrennt. Im Anschluss wird das vorgefertigte Schutzrohr über die Vorschubeinheit im Startschacht eingezogen. Der finale Einzug der Erdkabel erfolgt durch spezialisierte Unternehmen.

Die Entwicklung des Verfahrens wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft gefördert und von Herrenknecht in Zusammenarbeit mit der Firma Amprion und der RWTH Aachen durchgeführt.

Das neue Verfahren wurde für den "Bauma Innovationspreis" in der Kategorie "Maschine" nominiert. Der Preis wird Mitte April in fünf Kategorien vergeben. Eine Fachjury bewertet Praxisrelevanz, wirtschaftliches Potenzial und Beitrag zum Umweltschutz. Der Preis wird gemeinschaftlich vergeben vom Verband "Deutscher Maschinen- und Anlagenbau", der Baumaschinen-Messe Bauma und den Spitzenverbänden der deutschen Bauwirtschaft.

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