Schwanau Gotteshäuser haben viel zu erzählen

Unter anderem haben die Radler die Kirche in Ottenheim angesteuert. Foto: Stude Foto: Lahrer Zeitung

Drei Riedgemeinden, drei Kirchen: Zahlreiche Menschen sind der Einladung des "Arbeitskreises Kultur in der Kirche" gefolgt und sind gemeinsam zu den Gotteshäusern in den Gemeinden gefahren.

Altenheim/Meißenheim/Ottenheim (red/ng). Jürgen Stude vom Altenheimer "Arbeitskreis Kultur in der Kirche" begrüßte rund 25 Radler vor der Altenheimer Kirche zu der "Radtour zu den Kirchen im Ried". Da die Tour im Rahmen der Riedwoche angeboten wurde, hat der Arbeitskreis je eine Kirche aus den drei Riedgemeinden Neuried, Meißenheim-Kürzell und Schwanau ausgewählt.   Altenheimer Kirche: Bevor man sich auf die Räder schwang, besichtigte die Gruppe die im "Weinbrennerstil" gehaltene Altenheimer Kirche. "Friedrich Weinbrenner gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Klassizismus", erläuterte Stude und stieg damit in den geschichtlichen Abriss der Kirche ein. Als Großherzoglich-Badischer Oberbauerdirektor nutzte Weinbrenner seinen Einfluss, um den Klassizismus für Jahrzehnte zum alleinigen Stil bei öffentlichen Bauten wie Kirchen, Rathäuser und Verwaltungsgebäuden in Baden durchzusetzen. Auch am Bau der 1813 eingeweihten Altenheimer Kirche war er beteiligt, teilte aber diese Arbeit mit seinem Schüler und Kollegen Wilhelm Frommel. Am 3. April 1945 wurde das Gotteshaus durch französischen Artilleriebeschuss in Brand gesetzt. Von den Teilnehmenden der Führung wurde begrüßt, dass man sich bei der Renovierung am klassizistischen Raumkonzept Weinbrenners orientierte. Ottenheimer Kirche: Nach der Führung durch die Altenheimer Kirche machten sich die Radler auf den Weg nach Ottenheim. Schon von weitem wies der steil in den Himmel ragende Nadelspitzturm der evangelischen Kirche Ottenheims den Weg. Dort wartete bereits Ernst Matthis, der als Messner bestens mit seiner Kirche und ihrer Geschichte vertraut ist. Anschaulich berichtete er von der schwierigen Zeit des Simultaneums, als sich die evangelische und die katholische Gemeinde die Kirche teilen mussten. Die Zerstörung der Kirche am 12. Februar 1945 durch alliierte Granatenangriffe markiere auch das Ende des Zustands ständiger Ärgernis und Streiterei. Die katholische Gemeinde errichtete sich eine neue Kirche; als mitgliederstärkere Gemeinde übernahm die evangelischen Gemeinde die Brandruine und baute sie 1949 als Michaelskirche wieder auf – allerdings reichte das Geld nicht für die Wiedererrichtung des Turmes in alter Größe, sondern nur für ein gedrungenes Pyramidendach. Es w ar ein großer Tag für Ottenheim, als er 16. August 2015 dank der Initiative "Historischer Kirchturm" wieder seine ursprüngliche Höhe von 61 Metern erhielt.   Meißenheimer Kirche: Weiter ging die Fahrt nach Meißenheim, wo sich die Barockkirche mit dem Turm über das Fachwerkdorf erhebt. Lebendig und gewürzt mit einer Prise Witz führte der Meißenheimer Pfarrer Heinz Adler die Gruppe durch das barocke Gesamtkunstwerk, bei dem fast alle Teile noch aus der Erbauungszeit stammen. Erbaut wurde die evangelische Kirche weitgehend von katholischen Handwerkern und Künstlern, lediglich der wertvollsten Ausstattungsgegenstand, die Orgel von 1776, stammt aus der Werkstatt des Protestanten Johann Andreas Silbermann. Die Silbermannorgel und die gute Akustik der Kirche sind einer der Gründe, weshalb in ihr häufig geistliche Konzerte aufgeführt werden. Zur Aufführung des Baus hatte die Meißenheimer Gemeinde den aus Tirol stammenden Bauunternehmer Michael Schnöller gewonnen, die wertvollen Deckengemälde schuf sein Landsmann Johann Pfunner. An den Wänden erinnern drei großformatige Rokokokartuschen an das elsässische Adelsgeschlecht von Wurmser, die früheren Grundherren Meißenheims und Pfarrer und Gemeinderäte unter deren Dienstzeit die Kirche erbaut worden war.

Die schönen Eindrücke, die die Radler beim Besuch der drei Kirchen gewonnen hatten, ließen sie sich auch nicht von dem Platzregen nehmen, der pünktlich einsetzte, als sie die Meißenheimer Kirche verließen.

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