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Schuttertal Sabotage geplant?

 Foto: Braun

Ein Einbruchsversuch in das Windrad auf dem Weißmoos ist an der Panzertür gescheitert. Der Täter ist unbekannt, doch Georg Hille, Geschäftsführer der Ecovision, hat einen Verdacht.

 

Schweighausen. "Ich kann es natürlich nicht beweisen, aber ich glaube, dass es fanatische Windkraftgegner waren", sagte Hille auf Nachfrage unserer Zeitung. "Was kann man dort stehlen außer einigen speziellen elektrischen Steuerungen? Das Kupfer der Leitungen bekommt man ohne Bagger jedenfalls nicht", so die Begründung des Chefs der Ecovision Freiburg/Stuttgart, die die Betriebsführung für das Windrad macht.

Außerdem gibt es eine Vorgeschichte, ist doch bereits am 19. und 23. März 2015 ein Einbrecher in die Anlage auf dem Bergrücken in Schweighausen eingedrungen. Beim ersten Einbruch wurde ein Computer fachgerecht ausgebaut, sodass kein Alarm ausgelöst wurde. Beim zweiten Einbruch hat der Täter die Bergmann-Ausrüstung mitgehen lassen, mit der die Kanzel in 140 Metern Höhe erklommen werden kann. Vor allem aber wurde bei beiden Einbrüchen über den Nothalt-Schalter die Anlage abgestellt, sodass der Rotor zum Stillstand kam. Hille ist sicher, dass damals jemand am Werk war, der sich mit Windkraftanlagen gut auskennt – und kein Anhänger der Windenergie ist.

Trotz der Diebstähle ist Hille überzeugt, dass hinter den Einbrüchen ein anderes Motiv steckte –­ nämlich ein politischer Hintergrund. Dem Täter sei es darum gegangen, das Windrad zu stoppen. Weil Windkraftanlagen Abstände zu Wohnhäusern einhalten müssen, konnte der Unbekannte nachts unbeobachtet ans Werk gehen.

Die Drei-Megawatt-Windkraftanlage produziert nach Angaben von Hille Strom für 5000 bis 7000 Euro am Tag; der SWE Bürgerwind in Emmendingen gingen durch die Sabotage-Aktionen im März 2015 also beträchtliche Erträge verloren. Als Reaktion darauf hat der Betreiber die Sicherheitsvorkehrungen massiv verstärkt. Eine 9000 Euro teure Panzertür wurde eingebaut, außerdem ist eine Überwachungskamera installiert worden.

Von dem jüngsten Einbruchsversuch, der Anfang der Vorwoche verübt wurde, hat die Kamera allerdings keine Bilder aufgezeichnet. Der Täter näherte sich der in dreieinhalb Metern Höhe montierten Kamera außerhalb ihres Blickfelds und drehte das Objektiv dann mit einem Hilfsgerät nach oben, sodass er unbeobachtet war, als er sich an der Stahltür zu schaffen machte. Obwohl der Einbrecher das Schloss mit brachialer Gewalt zu knacken versuchte, war dort dann aber für ihn Endstation. Die Tür hielt stand, muss aber repariert werden. Der von dem Einbrecher angerichtete Schaden beträgt laut Hille mehrere Tausend Euro.

Immerhin ist es dem Täter diesmal nicht gelungen, das Windrad lahmzulegen. Trotzdem musste ein Team des Herstellers Enercon Instandsetzungsarbeiten ausführen.

Hille vermutet, dass Windkraftgegner am Werk waren – und ist empört. "Diese kriminelle Energie ist ein Anschlag nicht nur auf die vielen Bürger, die sich beteiligt haben, sondern auch auf die Mehrheit der Bevölkerung, die sich für eine klimafreundliche Stromerzeugung für ihre Kinder und Enkel entschieden hat", schreibt er in einer Mitteilung an unsere Zeitung.

Hille will die Alarmvorrichtungen am Windrad weiter ausbauen und hofft, dass der Verantwortliche für die Einbrüche erwischt wird, wofür er eine ungewöhnliche Belohnung aussetzt: Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, werden vom Betreiber mit einer Auffahrt in die Gondel auf 138 Metern Höhe belohnt. Hinweise nimmt die Lahrer Polizei unter Telefon 07821/27 70 entgegen.

INFO

Windrad auf dem Weißmoos

In der Windkraftanlage steckt das Geld vieler. Beteiligt sind 600 Menschen in zwei Genossenschaften, 17 Privatpersonen und über die Stadtwerke Emmendingen indirekt auch die 20 000 Einwohner der Stadt. Sie haben sich zur SWE Bürgerwind zusammengeschlossen, die das Windrad betreibt. Ans Netz gegangen ist die Anlage am 8. November 2013. Dabei ersetzte sie zwei ältere, leistungsschwächere Anlagen auf dem Bergrücken. Das Windrad hat eine Gesamthöhe von 186 Metern, der Rotor einen Durchmesser von 101 Metern.

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