Schuttertal Kanadier vermisst Käsespätzle

Die Welt ist klein und voller Zufälle. Diese Weisheit kann die LZ-Mitarbeiterin Claudia Dach aus Schuttertal voll unterschreiben. Sie traf fernab der Heimat einen echten Lahr- und Schuttertal-Fan.

Schuttertal/Kanada. Eine Geschichte, wie sie nur das Leben schreibt, kann unsere freie Redaktionsmitarbeiterin Claudia Dach nach ihrem jüngsten Kanada-Urlaub erzählen. Die Schuttertälerin ist, wie auch ihr Mann Axel, leidenschaftlich in das nordamerikanische Riesenland verliebt. Kein Wunder: Als vor 30 Jahren rund 15 000 Kanadier in Lahr stationiert waren, hatte fast jeder direkten und persönlichen Kontakt zu Kanadiern. Claudia Dach beispielsweise ging bei einigen Familien als Babysitterin ein und aus.

In einer Kleinstadt namens Listowel kommt es zur Überraschung

Nun, Jahrzehnte später, besuchten die Dachs Freunde in Moorefield Ontario. Claudia Dach war dort mit dem Auto unterwegs, als sie in einer Kleinstadt namens Listowel in einem Drogeriemarkt Halt machte und einkaufte. Neben ihr auf dem Parkplatz hielt plötzlich ein Wagen mit zwei Männern. "Es war warm, sowohl ich als auch die beiden Männer hatten die Scheiben heruntergekurbelt", erinnert sich die Schuttertälerin.

Sie beobachtete die beiden Fremden im Wagen nebenan, als einer von beiden nach einem Feuerzeug für seine Zigarette suchte. Erfolglos, denn kurz darauf sprach er Claudia Dach an und bat um Feuer. Ihr Sohn Timo konnte aushelfen und gab dem Unbekannten Feuer. Und schnell brannte nicht nur die Kippe, sondern loderte auch eine Unterhaltung. Der Kanadier fragte, wo sie herkämen. "From Germany", sagten Dachs. "Da begann sein Gesicht zu strahlen und er erzählte freudig, dass er auch schon in Deutschland gelebt habe, Anfang der 90er-Jahre.

Und wo genau? Die Antwort des Mannes war dann für die Kanada-Urlauber ein Aha-Erlebnis erster Güte: In Lahr im "Black Forest" habe er gelebt, entgegnete der Mann stolz. Er begann zu erzählen, dass er Anfang der 90er einige Jahre dort bei der Armee stationiert gewesen sei und er sehr gerne in Lahr gelebt habe.

Lieblings-Gasthäuser waren "Schutterblick" und "Zum Sod-Karle"

Damit nicht genug. "Er wollte wissen, ob ich das Gasthaus Schutterblick in Schuttertal kennen würde", erinnert sich Claudia Dach. Denn dort gebe es "the best Käsespätzle", schwärmte der Kanadier. "Er konnte das Wort Käsespätzle tatsächlich richtig gut aussprechen, das ›Schutterblick‹ sei damals eines seiner Lieblingsrestaurants gewesen."

Claudia Dach, verblüfft und erfreut zugleich, versicherte dem Mann, dass die Käsespätzle dort noch genauso gut schmecken würden wie seinerzeit. Dann schwärmte er von einer anderen Lieblingskneipe seiner Lahr-Zeit: "The Sod-Karle at Seelbach in the Marktstraße" und überhaupt von der einzigartigen Gastronomie in Lahr und im Schuttertal.

Die Dachs hätten sich gern noch länger mit dem Schuttertal-Fan unterhalten, aber Lonnie Tompkins, wie der Mann heißt, musste weiter. Namen wurden ausgetauscht, später auf Facebook Kontakt geknüpft und gegenseitig versichert, dass man sich mal wieder in Lahr treffen müsse. Noch heute, ein gutes halbes Jahr nach diesem Treffen mitten in der kanadischen Pampa, kann es Claudia Dach kaum fassen: "Da fliegen wir einmal im Leben nach Kanada und lernen auf einem Parkplatz im Nirgendwo einen Ex-Lahrer kennen, der uns vom Schuttertal, den Käsespätzle des ›Schutterblicks‹ und dem Sod-Karle vorschwärmt!"

Vielleicht gibt es im Sommer kommenden Jahres ein Wiedersehen. Dann in Lahr. Mitglieder der Deutsch-Kanadischen Gesellschaft wurden von der Stadt Lahr eingeladen, im Juli in die Stadt zu kommen. Sie sollen die Spuren der Kanadier in Lahr erleben und die noch immer sehr lebendige Freundschaft zwischen Lahrern und Kanadiern. Geplant ist neben vielen anderen Aktivitäten auch ein Festakt im "Haus zum Pflug". Das Treffen, so wird versprochen, soll ein "sehr ungewöhnliches kanadisches Wochenende" werden. Und vielleicht gibt’s ja auch irgendwo Käsespätzle.

Die einst in Europa stationierten Soldaten aus Kanada halten auch über Facebook Kontakt zueinander und zu ihrer früheren Heimat. Zu finden sind sie unter anderem über die Gruppe "Der Kanadier CFB Lahr".

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