Rust Ruster Bürgerinitiative will gegen Folgen des Tourismus vorgehen

Aus Sicht der neuen Ruster BI ein Zeichen "exzessiver Bebauung": der Wasserpark des Europa-Parks. Foto: Europa-Park

Rust - Weil ihnen der Tourismus und seine Folgen zu viel geworden sind, haben Ruster und Einwohner von Nachbargemeinden eine Bürgerinitiative gegründet. Ihr Name: "Jetzt langt’s!"

Klagen über Verkehr und Lärm sind in Rust nichts Neues. Es ist kein Geheimnis, dass nicht wenige Einwohner des 4300-Seelen-Orts seit geraumer Zeit unter den Belastungen leiden, die der Europa-Park und seine mehr als fünfeinhalb Millionen Besucher mit sich bringen. Nun bekommt der Protest einen offiziellen Klang: Unter dem Namen "Jetzt langt’s! – Bürgerinitiative zum Erhalt unserer lebenswerten Region" haben sich Menschen aus Rust und Umgebung zusammengetan, um sich gegen "exzessive Bebauung, Tourismus und Verkehr und den Folgen" zur Wehr zu setzen, heißt es im Gründungsprotokoll der BI.

26 Unterstützer sollen schnell mehr werden

"Im Ort und darüber hinaus brodelt es schon lange", erklärt Normand Bellemare, einer von zwei BI-Sprechern gegenüber der LZ. Derzeit sei man eine lose Vereinigung aus 26 Unterstützern, nicht nur aus Rust, sondern auch aus Kenzingen, Herbolzheim, Rheinhausen und Ringsheim. Bellemare ist sich sicher, dass die Zahl steigen wird, wenn die im Juni aus der Taufe gehobene Initiative erst mal Bekanntheit erlangt hat. "Der Tourismus führt zu einer ständigen Minderung unserer Lebensqualität. Das wollen wir nicht länger mitanschauen."

Aus losen Gesprächen sei im Frühjahr die konkrete Idee gereift, sich zu einer Bürgerinitiative zusammenzuschließen. Der Auslöser: die Vision von Europa-Park-Chef Michael Mack, eine Seilbahn ins Elsass zu bauen. Weil Naturschützer sich um Flora und Fauna des Taubergießens sorgten und laut protestierten, zogen Park und Gemeinderat wenige Tage nach Bekanntwerden der Pläne im November vergangenen Jahres die Notbremse; legten das Projekt für fünf Jahre auf Eis.

Bellemare und seine Mitstreiter sind skeptisch. "Wir befürchten, dass im Hintergrund die Planungen weitergehen und wir irgendwann vor vollendete Tatsachen gestellt werden", sagt der Ruster. Man werde das Vorhaben "mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern". Bellemare betont: "Wir sind gesprächsbereit, aber wenn es sein muss, schrecken wir vor einem öffentlichkeitswirksamen Protest nicht zurück." Eine Warnung auch an die Politik, die – wie die BI findet – im Angesicht der Seilbahn-Pläne zu schnell und zu euphorisch Bravo rief.

"Die wenige noch verbliebene ›Restnatur‹ muss absolut tabu sein", lautet das "Jetzt-langt’s"-Credo. Deshalb fordert die Bürgerinitiative von den Entscheidungsträgern, insbesondere Gemeinderäten und Bürgermeistern, "künftig kritischere und umsichtigere Entscheidungen auch für nachfolgende Generationen".

Doch hat die Gemeinde das Problem nicht erkannt? Stichwort "Masterplan Verkehr", dessen Umsetzung die Belastung durch Busse und Individualverkehr reduzieren soll. "Die Infoveranstaltung dazu glich mehr einer Präsentation als einem Dialog", sagt Bellemare. "Man hat nicht das Gefühl, dass der Bürger viel ausrichten kann." So sei es schon beim Wasserpark gewesen. Die BI ist der Meinung, dass das Mack’sche Megaprojekt wegen des "immensen Wasserverbrauchs so nicht hätte genehmigt werden dürfen".

Wurde es aber, im November ist Eröffnung. "Mittlerweile herrscht bei vielen ein Gefühl der Ohnmacht", sagt Bellemare. Des Geldes wegen werde den Rustern das Recht abgesprochen, sich zu beschweren. Der BI-Sprecher weiß, dass es der Gemeinde und vielen Bürgern dank des Parks finanziell gut geht. "Aber nur weil man davon leben kann, heißt das nicht, dass man auch damit leben kann."

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