Rust "Nicht meckern, sondern machen!"

Musik, Ballett und ein neuer Imagefilm – all das war beim Ruster Neujahrsempfang zu erleben. Dazu hörten die rund 250 Besucher in der Rheingießenhalle eine Rede des Bürgermeisters, die vor allem eins war: ein flammender Appell für die Demokratie.

Rust. Für Ohren- und Augenschmäuse während des rund zweistündigen Empfangs sorgten der Ruster Schulchor und Kinder des Vereins Fit und Aktiv. Während es für viele Nachwuchssänger und -tänzer eine gelungene Premiere war, ist der Auftritt der Musikkapelle beim Neujahrsempfang schon Tradition. Doch auch da gab es einen Einstand zu feiern: den von Dirigent Stefan Faulhaber. Der neue musikalische Leiter überzeugte. Und schaffte es am Ende sogar, dass sich die Ruster und ihre Gäste erhoben, um inbrünstig das Badnerlied zu schmetterten.

Vor diesen fröhlichen Klängen hatte Rathauschef Kai-Achim Klare ernste, nachdenkliche Töne angestimmt. Er streifte "große kommunale Projekte" wie den Neubau der Rheingießenhalle, die Sanierung des Rathauses und die Veränderungen in der Bildungslandschaft, vor allem aber schlug er gekonnt eine Brücke vom Ende des Ersten Weltkriegs ins Hier und Jetzt. Ein Loblied auf die Demokratie.

Treffender Vergleich mit der Urlaubsplanung

"In Zeiten, in denen manche unser Grundgesetz infrage stelle, konnte ich einfach nicht anders", verriet Klare nach dem offiziellen Teil im Gespräch mit der Lahrer Zeitung. Unkonventionell, aber trefflich hatte er die Demokratie mit der Wahl des Urlaubsziels einer Familie verglichen: Hier wie da gelte es "zwischen vielen unterschiedlichen Interessen einen Ausgleich zu finden". Immer wieder – und vor allem: im Kleinen. Klare nahm nicht nur die Weltpolitik in den Blick, sondern auch seine Gemeinde: In Rust gebe es viele, die sich uneigennützig für das Gemeinwohl einbringen würden, denen aber oft die verdiente Anerkennung versagt bliebe. "Lassen Sie uns denjenigen, die immer nur die Leistungen anderer schlechtreden und scheinbar alles besser wissen offen entgegentreten und sie auffordern: Nicht meckern, sondern machen!"

Eine Devise, die auch für den Klima- und Naturschutz gelte. Klare: "Uns ist wohl allen klar, dass das Wachstum auf unserem Planeten nicht unbegrenzt voranschreiten kann." Jeder Einzelne habe sein Handeln immer wieder zu hinterfragen. Etwa so wie es der Ruster Gemeinderat tat, als er mit dem Europa-Park entschied, die Pläne für eine Seilbahn ins Elsass erstmal auf Eis zu legen. Dass Klare die wütenden Proteste der Naturschützer gegen das Projekt verschmitzt als "angeregte Diskussionen" bezeichnete, dürften allerdings nicht wenige im Saal als etwas euphemistisch empfunden haben.

Apropos Europa-Park: Natürlich blieb der Großbrand im Mai nicht unerwähnt. "Der hat uns alle ins Mark getroffen", sagte Klare ernst. Umso schöner sei es, dass der Wiederaufbau laufe "und gute Hoffnung besteht, dass bereits in diesem Jahr die ersten Attraktionen wieder zugänglich sein werden".

Jahresanfang gleich Ehrungszeit – das gilt auch in Rust, Bürgermeister Klare hatte viele warme Worte parat. Lebensretter: Michael Gartner, Reiner Metzger, Thomas Ludihuser und Michael Trutt retteten im vergangenen April einen Jungen, der mit seinem Tretroller mit einem Auto zusammengestoßen war. Die Männer reagierten geistesgegenwärtig – sicherten die Unfallstelle, hoben den Wagen an, befreiten Kevin und leisteten erste Hilfe. Auch um die Autofahrerin kümmerten sie sich. Brandbekämpfer und Ersthelfer: Ohne sie hätte es eine echte Katastrophe werden können: Als es am 26. Mai im Europa-Park brannte, leisteten Feuerwehr und DRK einen großen Beitrag dazu, dass am Ende fast nur materieller Schaden zu beklagen war.

Sportsmann: Die große Leidenschaft von Leo Link ist der SV Rust. Von 1971 bis 1985, saß er im Vorstand, davon zwölf Jahre als Spielausschussvorsitzender und von 1979 bis 1985 als stellvertretender Vorsitzender. Von 1991 bis 2017 war er zudem Platzkassierer. Für seine Verdienste wurde er 1993 zum Ehrenmitglied ernannt. Darüber hinaus organisiert der Geehrte Reisen für Kranke, die ins französische Lourdes pilgern möchten – in diesem Jahr bereits zum neunten Mal.

"Pflegerinnen": Hermine Sattler wurde stellvertretend für die vielen Freiwilligen geehrt, die sich für den Erhalt von Kulturgütern – Kapellen und Wegkreuze – im Ort einsetzen.

Blutspender: Ella Leibing vom DRK hielt die Laudatio auf die fleißigen Blutspender. Einer ist besonders hervorzuheben: Antonio Hellmann ließ sich bereits 100 Mal pieksen und dürfte damit bereits einige Leben gerettet haben. Die weitere Geehrten: Stefan King und Hans-Joachim Rother (50 Spenden), Michael Gruninger, Heinz Gruninger und Sven Hellmann (25), Thomas Moog, Michele Neumann und Frieda Sobnin (10).

  • Bewertung
    2