Rust Kirche laufen Kosten aus dem Ruder

Den Pfarrgemeinden der Seelsorgeeinheit Rust laufen die Kosten für die Unterhaltung ihrer Gebäude davon. Dies ist die Erkenntnis einer Gemeindeversammlung, zu der mehr als 70 Gläubige kamen.

Rust. Über die bauliche Situation der Gebäude in Kappel, Grafenhausen, Ringsheim und Rust (Kirchen, Gemeinde- und Pfarrhäuser und Kindergärten) referierte Joachim Berger vom erzbischöflichen Bauamt Freiburg. Über die Finanzsituation der Seelsorgeeinheit gab Martina Walter von der Verrechnungsstelle in Lahr Auskunft. Daneben ging es bei der Versammlung auch darum, dass Gemeindemitglieder den Bedarf an Räumlichkeiten benannten, der für ein lebendiges kirchliches Leben notwendig ist.

Keine leichte Kost waren die Infos zu den Finanzen der vergangenen drei Jahre. Zwischen 1,6 und 1,8 Millionen standen jährlich zur Verfügung. Die Mittel generieren sich aus drei Töpfen: Eigenkapital, Sonderposten und Rückstellungen für die Erhaltung der Bausubstanz. Aus 2017 stünden noch 1,3 Millionen Euro zur Verfügung, so Walter. "Vom Franziskusheim in Kappel mussten wir uns trennen", sagte Pfarrer Gartner, die Kosten seien zu hoch gewesen, alle Fakten hätten für einen Verkauf gesprochen.

Dass es dabei wohl nicht bleiben wird, zeigten die harten Fakten, die Joachim Berger vom Bauamt servierte. "Von einem Teil des Gebäudebestands müssen wir uns trennen", weil die Betriebs- und Unterhaltungskosten aus dem Ruder liefen. "Forstet euren Gebäudebestand durch", wandte sich Berger eindringlich an die Gemeindemitglieder. Die Situation würde zusätzlich durch geringere Steuereinnahmen und ein veralteter Gebäudebestand, überwiegend auf dem Niveau der 1970er-Jahre, erschweren. Gefährdet seien die Pfarrhäuser in Kappel und Grafenhausen, für deren Renovierung jeweils rund eine halbe Million Euro fällig würde.

Die Betriebs- und Unterhaltungskosten für alle Gebäude der Seelsorgeeinheit (vier Kirchen, vier Pfarrhäuser, zwei Pfarrheime, ein Pfarrsaal, zwei Kindergärten, ein ehemaliges Schwesternhaus und vier Kapellen) lägen bei rund einer Million Euro. Pfarrgemeinderat Alexander Sandhaas brachte es auf den Punkt: "Wir können uns das nicht mehr leisten." Man werde neue Wege gehen und sich dabei auf das Wesentliche konzentrieren müssen.

Brisantes Thema sachlich diskutiert

So war dann die Aufgabenstellung für die Gemeindemitglieder, die sich in vier Gruppen aufteilten, herauszuarbeiten, was die Seelsorgeeinheit unter Berücksichtigung der Finanzen, des aktuellen Gebäudebestands und des pastoralen Bedarfs an Räumen noch Lösungen zu suchen. "Es gibt keine Tabus", stellte Gartner klar. Konkrete Lösungen wurden nicht erwartet, sondern Impulse dazu (siehe Info).

Von den Gemeindemitgliedern kamen auch mahnende Worte. "Ich habe das Gefühl es findet hier ein Ausverkauf statt", bedauerte eine Besucherin. Besonders die Gemeindemitglieder von Kappel forderten eine konkrete Lösung, was Pfarrer Gartner genauso sah. Am Ende der Versammlung blieb festzuhalten: Trotz des brisanten Themas wurde zwar emotional, aber dennoch sachlich argumentiert und diskutiert.

Die wichtigsten Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen:

Kirche muss in allen Gemeinden präsent bleiben

mögliche Fremdnutzung durch Aufteilung des Kirchenraums  Verkauf von Grundstücken der Diözese und von Pfarrhäusern nur eine Sommerkirche (Heizkosten sparen) Werktagsgottesdienste in kleineren Räumen Finanzgeflecht der Kirche zu kompliziert

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