Ringsheim Feuerwehr kommt an die Kahlenberghalle

Seit gestern Abend steht fest: Das neue Ringsheimer Feuerwehrhaus wird bei der Kahlenberghalle gebaut. Der Gemeinderat beantwortete die lange diskutierte Standortfrage eindeutig.

Ringsheim. Die Bedeutung, die das Thema im Ort hat, ließ sich an der schieren Zahl der Zuhörer ablesen. Gut 50 Ringsheimer hatten – trotz Corona-Einschränkungen – den Weg in die Kahlenberghalle gefunden, in der der Gemeinderat bei einer Sondersitzung zu befinden hatte, wo die örtliche Feuerwehr ihr neues Zuhause erhält. Gesprächsbedarf hatten die Zuhörer auf der Tribüne, die normalerweise Fans der Handballer des TuS Ringsheim füllen, indes nicht. Die Frageviertelstunde endete ohne Wortmeldung.

Im Ort hatte die seit Jahren andauernde Diskussion, die Bürgermeister Pascal Weber zu Beginn der Sitzung noch einmal ausführlich beleuchtete, in jüngster Vergangenheit hörbar Fahrt aufgenommen. Nach einem Suchlauf mit ursprünglich zwölf Standorten waren am Ende drei übrig geblieben: an der alten B 3 (Höhe Weglänge), im nördlichen Grasweg und die freie Fläche südlich der Kahlenberghalle. Als sich Letzterer als Favorit von Feuerwehr und Verwaltung herauskristallisierte, wurde der Ton der Kritiker schärfer: Künftige Nachbarn fürchten mehr Lärm und Verkehr und – daraus folgend – eine Wertminderung ihrer Grundstücke. Doch nicht nur direkt Betroffene erhoben ihre Stimme. Nicht wenigen Ringsheimern sind die hohen Kosten für den Bau einer Rampe als Zufahrt ein Dorn im Auge. Rund eine Viertelmillion Euro, so die Prognose der Planer, würden fällig, um den Höhenunterschied zwischen Hauptstraße (Bahnbrücke) und Gerätehaus auszugleichen.

Rathauschef-Weber betonte noch einmal die "intensive Bürgerbeteiligung", die die Standortfindung begleitet habe. Illusionen habe er sich dennoch von Anfang an keine gemacht: "Uns war klar, dass wir keinen Platz in der Gemeinde finden, mit dem alle zu 100 Prozent zufrieden sind. Doch ich denke, dass wir unter Abwägung aller Aspekte die bestmögliche Lösung für die Allgemeinheit gefunden haben." Er sollte sich später nach langem Abwägen von Für und Wider für die Kahlenberghalle aussprechen.

Auch Kommandant Christian Feist war es nach eigenen Worten wichtig, "dass das Verfahren transparent und offen" abgelaufen sei. Noch einmal erläuterte er die Vorteile des Standorts südlich der Kahlenberghalle aus Sicht der Feuerwehr, darunter vor allem die gute Erreichbarkeit.

Florian Broßmer (FW) eröffnete die Wortmeldungen des Gemeinderats – und sprach sich gegen den Platz an der Halle aus. Seine Argumente unter anderem: mangelnde Planungssicherheit (Stichwort: Bahnausbau), die hohen Kosten für die Rampe sowie eine steigende Belastung für die Anwohner.

Martin Weber (CDU), selbst aktiver Feuerwehrmann, betonte die Wichtigkeit der Lage des Feuerwehrhauses: "Aus Verkehrsgründen müssen wir an eine Hauptstraße." Und weil er an der alten B 3 eher Wohnbebauung sehe, plädierte er für die Kahlenberghalle. Ähnlich argumentierte seine Fraktionskollegin Tina Zepezauer: "Aus feuerwehrtaktischer Sicht ist es hier am besten." Klaus Weber (FW) und Thomas Maurer (CDU) sprachen sich nach "langem Überlegen" beziehungsweise einer "eingehenden Analyse" für die Kahlenberghalle aus. Ruth Volz (SPD) verwehrte sich gegen "falsche Vorwürfe" gegen die Gemeinderäte in der Öffentlichkeit, Anja Biehler (FW) betonte, "dass die Feuerwehr einen Anspruch auf ein adäquates Gerätehaus" habe. Beide plädierten für die Kahlenberghalle.

Am Ende stimmte der Gemeinderat mit 9:1 für die Kahlenberghalle. Manfred Weber (CDU) war als Anwohner befangen.

Nachdem die Standort-Frage beantwortet war, gerieten die damit vebundenen weiteren Entscheidungen zur Formsache: Nach dem Willen des Gemeinderats soll das Architekturbüro Mathis und Jägle aus Kippenheim die Planung des Feuerwehrhauses übernehmen und die notwendige Änderung des Bebauungsplans auf den Weg bringen. Mit dem Bau der Rampe wurde das Büro Keller aus Riegel beauftragt, das schon für die Machbarkeitsstudie zum Standort an der Kahlenberghalle geschrieben hatte. Die Verwaltung hofft auf einen Landeszuschuss für das Projekt. Ein entsprechender Antrag muss bis Februar kommenden Jahres gestellt werden. Im Haushalt sind beziehungsweise werden in den Planungsjahren 2020 und 2021 je 25 000 Euro eingestellt. 2022 soll es dann ernst werden – auch finanziell: 1,5 Millionen Euro sind in diesem Jahr für das Großprojekt Feuerwehrhaus eingeplant.

Wie sattelfest ist der Beschluss des Gemeinderats zum Standort des neuen Feuerwehrhauses? Der Ringsheimer Joachim Pfeffer hat bereits im Mai gegenüber der LZ angekündigt, gegen eine Entscheidung pro Standort Kahlenberghalle einen Bürgerentscheid anzustoßen – und zwar direkt am Tag danach. 2017 hatte er mit dem gleichen Verfahren einen Bürgerentscheid zum damals geplanten Flüchtlingsheim in die Wege geleitet. Für ein erfolgreiches Bürgerbegehren sind laut Gesetz die Unterschriften von sieben Prozent der Wahlberechtigten. Das wären in Ringsheim gut 140. Ob er die schon zusammen hat, war am Dienstag nicht zu erfahren, Pfeffer für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

  • Bewertung
    0