Ringsheim Ein seltener Hörgenuss in Ringsheim

Adelbert Mutz
Ein imposantes Bild mit einer grandiosen Mozart-Aufführung boten der Freiburger Oratorienchor und das Barockorchester München mit vier jungen Solisten in Ringsheim. Foto: Mutz Foto: Lahrer Zeitung

Konzert: Freiburger Oratorienchor begeistert Publikum mit Mozarts letztem Werk

Ringsheim. Das Mozart-Konzert in der Ringsheimer St.-Johannes-Kirche darf gut und gerne als ein musikalischer Höhepunkt in der Geschichte des Gotteshauses, das zu Lebzeiten Mozarts (1756 bis 1791) erbaut wurde, bezeichnet werden.

Der Freiburger Oratorienchor, das Barockorchester L’arpa festante (festliche Harfe) sowie ein junges Solistenquartett gastierten in Ringsheim mit Mozarts "Requiem KV 626" und dem weniger bekannten "Miserere Mei Deus" (Erbarme dich meiner, o Herr) aus der Feder von Gregorio Allegri (1582 bis 1652). Die musikalische Leitung hatte Bernhard Gärtner, der seit zehn Jahren den Freiburger Chor dirigiert.

Eine außergewöhnliche Konstellation stellte zu Beginn der A-capella-Vortrag "Miserere mei dar". Der neunstimmige Satz ist für zwei Chöre vorgesehen. Den fünfstimmigen Hauptchor stellten die rund 80 Sänger des Oratorienchorer dar, die vier Solisten Judith Spiesser (Sopran), Julia Werner (Alt) Philipp Nicklaus (Tenor) und Konstantin Krimmel (Bass) interpretierten in beeindruckender Weise die lateinischen Textteile von der Empore herab.

Legenden ranken sich um die ergreifende Psalmvertonung Allegris, 250 Jahre lang fester Bestandteil der Liturgie der Karwoche in der Sixtinischen Kapelle, ehe Mozart das Stück 1770 aus dem Gedächtnis aufschrieb. Ein Übertragungsfehler hatte zur Folge, dass ein Abschnitt des Werks eine Quarte zu hoch notiert wurde, mit der Folge, dass die Sopranstimme das dreigestrichene C singen darf, und das gleich mehrmals. Julia Spiesser schaffte dies mühelos. Das Zusammenspiel der Gregorianik und des mehrstimmigen Chorgesangs beider Chöre stellte sich als wahrer Hörgenuss dar.

Kraftvoller Einsatz von Chor und Orchester

Den zweiten Konzertteil mit dem "Requiem in d-Moll" bestritten Chor und Solisten zusammen mit dem Barockorchester, das auch mit historischen Instrumenten agierte. Es war Mozarts letzte Komposition vor seinem Tod im Jahr 1791, die der Komponist nicht vollenden konnte. Franz Xaver Süßmayr, ein Schüler Mozarts, ergänzte die Fassung.

Der Begriff "Requiem", kommt aus dem Lateinischen und lässt sich mit dem Wort "Ruhe" übersetzen. Es verbergen sich genau genommen zwei Inhalte dahinter, einerseits der Ritus der Totenfeier, aufgebaut auf der Liturgie, und andererseits eine Komposition, die in die Sparte der Kirchenmusik fällt. Abweichend von der sonst üblichen Messgestaltung bildet das Requiem eine besondere Form und richtet als Totenmesse eine besondere Ehrung an Gott und ist indirekt auch eine Ehrerbietung für den Verstorbenen. Bewusst ist das Requiem in Moll gehalten, um der Bedeutung der Messe gerecht zu werden – es soll nicht zu fröhlich klingen. Die verschiedenen Teile des Requiems, beginnend mit dem Introitus (Eingang) bis hin zum Schlusssatz Communio (das ewige Licht leuchte Ihnen), sind innere Zustandsbeschreibungen, die textlich und besonders musikalisch umgesetzt werden.

So auch in Ringsheim, zum Beispiel in der Sequenz "Dies irae" (Tag des Zorns, jener Tag, der die Welt in Asche auflösen wird). Der kraftvolle Einsatz von Chor und Orchester gaben dieser Vision Bedeutung. Chor und Orchester agierten auf hohem Niveau. Die Fugen in verschiedenen Abschnitten, immer schon eine Herausforderung für Chöre, wurden geschmeidig intoniert. Das junge, hochkarätig besetzte Solistenquartett überzeugte auch im Requiem mit gutem Einfühlungsvermögen und hervorragenden Stimmen.

Am Ende der Aufführung spendete das Publikum in Ringsheim verdienten lang anhaltenden Applaus für die Interpreten, die auf Eintritt verzichteten und lediglich um Spenden baten.