Oberschopfheim Landwirtschaft: Geringere Ernte durch Sonnenbrand

An den Rebstöcken hängen viele vertrocknete Trauben. Foto: Bohnert-Seidel

Oberschopfheim - Bedingt durch starken Sonnenbrand der Trauben werden die Winzer in diesem Jahr eine geringere Ausbeute zu verschmerzen haben. Von bis zu 30 Prozent ist die Rede.

Freunde der Friesenheimer und Oberschopfheimer Weine dürfte mit dem Jahrgang 2019 recht zufrieden sein.

"Der Jahrgang hat genug Säure, was bei frischen und fruchtigen Weinen gut zur Geltung kommt", sagt Frank Erb, Vorsitzender der Winzergenossenschaft Oberschopfheim. Die Qualität der Weine dürfte somit dem herausragenden Jahrgang 2018 in nichts nachstehen.

In Bezug auf die Menge haben die Winzer jedoch das Nachsehen. Von einem Ernteausfall bis zu 30 Prozent ist die Rede. Weil im Jahr 2018 das Weinjahr überdurchschnittlich gut war und die Weinstöcke den maximalen Ertrag eingefahren haben, hängen in diesem Jahr zudem weniger Trauben in den Beständen.

Hänge zeigen sich von ihrer besten Seite

Mit dem ersten Blick sieht die Welt in den Weinbergen auch für den Winzer recht rosig aus. Gepflegt zeigen sich die Hänge von ihrer besten Seite und die Trauben leuchten zwischen den Drähten heraus. Erst beim näheren Hinschauen sind verstärkt eingetrocknete Früchte zu erkennen. "In diesem Jahr haben wir allein durch den Sonnenbrand der heißen Julitage mit bis zu 40 Grad Hitze einen Schaden von 10 bis 15 Prozent", erklärt Frank Erb.

Sein Kollege von der Winzergenossenschaft Friesenheim geht sogar noch weiter. "Je nach Lage und Sorte haben wir bis zu 20 Prozent Verlust", erklärt Richard Kopf gegenüber der Lahrer Zeitung. Erwartet wird demnach ein durchschnittlicher Herbst 2019, der dem Winzer noch gut 120 Kilo pro Ar ernten ließe. Die Gescheine, das sind die länglichen, rispenartigen Blütenstände der Weinrebe, zeigten sich in diesem Jahr nicht ganz so üppig, so Kopf.

Lockerbeeriges Wachstum ist die Folge und damit sinke auch die Infektionsgefahr. Dem Winzer fehle das Traubengewicht, das sich in diesem Jahr, im Vergleich zum Weinjahr 2018 final um 20 bis 25 Prozent reduzieren dürfte.

Im Juli erreichte die Hitze mit 40 Grad den Höhepunkt und ließ die Trauben förmlich am Stock verkochen. Traubenhaut ist vergleichbar der Menschenhaut. Beide brauchen eine behutsame Gewöhnungsphase. Allmählich passt sich die Traube an die Hitze an, indem der Winzer das Laub zum richtigen Zeitpunkt im Frühjahr nach entfernt. Gegen die Rekordhitze von 40 Grad war jedoch keine Traube gewappnet. "Dieser Hitze konnten wir nicht mehr trotzen", erklärt FErb. Ausgemergelt, vergleichbar komplett vertrockneten Rosinen, hängen die Trauben am Stock. Gnadenlos habe die Hitze zugeschlagen. Die trockenen Früchte lassen sich nicht mehr zu Wein verarbeiten, müssen sogar bei der Handlese teilweise herausgeschnitten werden.

Die starke Sonneneinstrahlung hat nicht nur die Weintrauben, sondern auch deren Stiele verbrannt. In der Konsequenz stirbt die komplette Traube ab. "So etwas haben wir bislang noch nicht erlebt", sagt Kopf. An der Qualität des Weins wird diese Trocknung nichts ändern. Es dürfte ein sehr guter Wein 2019 demnächst in den Fässern reifen.

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