Neuried "Verlorenes Jahr" für die Jugend

Juze-Leiter aus Neuried, Christian Messerschmidt Foto: Privat

Neuried - Einiges lief im Jahr 2020 anders, als geplant. Doch nicht nur für Firmen, Vereine und Organisationen war der Umgang mit dem Corona-Virus schwer, auch die Jugend hatte damit zu kämpfen. Das gemeinsame Miteinander blieb auf der Strecke. Christian Messerschmidt, Leiter des Jugendzentrums in Neuried, erzählt was für die Kinder und Jugendlichen besonders schwer war und wohin sich die Kinder trotz Lockdown wenden können.

Herr Messerschnmidt, ein Blick auf das Jahr 2020. Waren Sie mehr gefordert, als die Jahre zuvor?

Ja, insbesondere im Lockdown im Frühjahr, in dem unser Juze ein Vierteljahr schließen musste, war Kreativität bei den Angeboten gefragt. Vieles war in dieser Zeit nicht mehr möglich und dabei haben sich auch ganz neue Ideen entwickelt, die in die Folgezeit nach der Wiedereröffnung, übernommen werden konnten. Dazu gehören zum Beispiel die Beratungsgespräche, die früher zwar schon im Rahmen des Offenen Treffs im Juze-Büro stattfanden, dann aber auch außerhalb dieser Gruppen-Öffnungszeiten angeboten wurden.

Wie geht es den Jugendlichen derzeit, was ist Ihre Einschätzung?

Die Jugendlichen und auch die Grundschulkinder, die unsere Juze besuchen, gehen zum ganz, ganz großen Teil vernünftig mit der Situation um, zeigen sich verantwortungsvoll, solidarisch und nehmen sie sehr ernst. Meine Erfahrungen im Jugendzentrum waren, dass sich die Jugendlichen und Grundschüler an die Auflagen wie Abstand halten, Maske tragen und Hygienemaßnahmen gehalten haben und damit wesentlich dazu beigetragen haben, dass wir nach dem ersten Lockdown durchgehend geöffnet haben konnten.

Ich habe die Zuversicht und große Hoffnung, dass wir in absehbarer Zeit wieder öffnen können – voraussichtlich ab dem 11. Januar. Die Arbeit in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit bleibt wichtig, da nicht nur, aber gerade in Corona-Zeiten Kinder und Jugendliche Orte brauchen, an denen sie Begleitung und Unterstützung finden können, sich nicht allein gelassen fühlen und auch die Familien entlastet werden.

Die Jugendzentren sind zudem eine wichtige Vermittlungsinstanz für die Corona-Regeln und können Verordnungen altersgerecht an die Jugendlichen weitergeben. Wir tragen damit zur Akzeptanz und zum Verständnis dieser bei.

Wo könnten Probleme entstehen?

Ein Lockdown bedeutet ja auch, dass man sich überwiegend zu Hause aufhält. Da werden vermutlich auch Konflikte nicht ausbleiben

Wo können sich Jugendliche Hilfe einholen?

Wir wollen auch in der jetzigen Zeit des zweiten Lockdowns die Jugendlichen nicht im Stich lassen und bieten deshalb bei dringendem Bedarf, wenn sie Sorgen haben oder ihnen "die Decke auf den Kopf fällt", Beratungs- und Zuhör-Gespräche am Telefon, im Juze oder im Rahmen eines Waldspaziergangs an – selbstverständlich sowohl unter Beachtung der erforderlichen Abstandsgebote und Hygienevorschriften, als auch mit einem absoluten Verschwiegenheitsversprechen.

Die Jugendlichen können uns über unser Diensthandy (0151/68 18 78 43) telefonisch oder per WhatsApp kontaktieren. Das Diensthandy bleibt auch in den Ferien angeschaltet!

Gibt es weitere Anlaufstellen oder Angebote für Jugendliche?

Ja, die gibt es. Neben unseren persönlichen Beratungsgesprächen kann ich zum Beispiel die "Nummer gegen Kummer" www.nummergegenkummer.de empfehlen. (Telefon 0800/1 11 03 33) Die "Nummer gegen Kummer e.V." ist die Dachorganisation des größten telefonischen und kostenfreien Beratungsangebotes für Kinder, Jugendliche und Eltern.

Zudem gibt es seit 2008 das "Kinder- und Jugendtelefon", das unter der europaweit einheitlichen Rufnummer 116 111 zu erreichen ist.   

Jugendliche sollen sich wieder ausleben können 

Juze-Leiter Christian Messerschmidt wünscht sich für 2021, dass es gelingen wird, die Pandemie einzudämmen, "sodass die Jugendlichen wieder die Chance bekommen, ihr Jugendalter auszuleben". Corona habe ihnen 2020 die Gelegenheit dazu genommen. "Meiner Meinung nach war es eine Art ›verlorenes Jahr‹ für die Jugendlichen", sagt er.

In einem Offenen Treff im Juze habe er die Besucher gefragt, wie ein Selfie von ihnen aussehen würde, dass sie in dem Augenblick machen würden, in dem sie erfahren, dass die Pandemie vorbei ist. "Alle Antworten, die ich erhielt, waren Antworten, die ein Gefühl der Befreiung zum Ausdruck brachten."

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