Neuried Nutzvieh muss früher geschlachtet werden

Anhaltende Trockenheit und Hitze machen auch den Bauern in Schwanau und Neuried zu schaffen. Vor allem den Milchbauern geht das Futter für ihre Kühe aus. Entsprechend muss nun die Zahl der Tiere auf den Bauernhöfen verringert werden.

Schwanau/Neuried. Das Futter für Rinder, aber auch für andere Nutztiere, wird immer knapper. Wenn sich die Großwetterlage nicht ändert, müssen die viehhaltenden Bauern Frühschlachtungen vornehmen, und es dro hen vor allem erhebliche finan­zielle Einbußen. Am Donnerstag hat Julia Klöckner (CDU), die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, den Landwirten 340 Millionen Euro von Bund und Ländern zugesagt.

Klaus Haas vom Bio-Milchviehbetrieb Haas und Zinsel berichtet der Lahrer Zeitung: "Auch bei uns hat die anhaltende Trockenheit dazu geführt, dass das Futter für unser Milchkühe, Rinder und Jungkälber knapp geworden ist." Auf dem Biolandhof in Altenheim leben derzeit 85 Milchkühe und 80 Jungkühe. Der 54-jährige Landwirt berichtet, dass aufgrund der Knappheit Alt-Kühe früher geschlachtet werden müssen, weil auch Futtermangel für den kommenden Winter drohe. Haas zeigt auf trockene Felder, wo kaum noch Gras wächst.

Tochter Caroline Zinsel merkt an: "Im vergangenen Jahr hatten wir so viel Futter, dass wir es kostenlos an andere Landwirte weitergegeben haben." Die hätten vielleicht auch weniger Probleme als sie, weil sie über Maisflächen verfügen, meint Haas. Er zeigt das im Vergleich zu den vergangenen Jahren kaum gefüllte Futtersilo: "Im April, Mai und Juni hat alles noch gepasst, weil es da noch viel geregnet hat. Nun warten wir hier sehnlichst auf einen Sommerschauer", teilt er mit.

Weniger betroffen sind die Hühnerhöfe

Kaum von der Futterknappheit betroffen ist Zellers Hühnerhof. Georg Zeller stellt die Lage so dar: "Wir verfüttern hauptsächlich Kornfutter und Kornmais aus eigenem Anbau. Die Ernte reicht zum Füttern unserer rund 4000 Hühner. Das einzige Defizit ist, dass wir weniger Futter zum Verkaufen haben." Was die Trockenheit betrifft, verweist Zeller auf seine Streuobstwiese: "Äpfel fallen schon sehr früh von den Bäumen. Unser Steinobst vertrocknet."

Martin Armbruster vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) beruft sich auf die Aussage von Ministerin Klöckner: Demnach können landwirtschaftliche Betriebe bei einem Ertragsverlust von mindestens 30 Prozent einen Antrag auf Unterstützung stellen.

"Dieses Jahr zählt jeder Tropfen Wasser", mahnt Thomas Frenk von Frenks Lindenhof in Nonnenweier. Auf seinem Bauernhof leben derzeit 40 Milchkühe, 40 Jungtiere, 40 Mastbullen und 48 Schweine. Neben der Nutztierhaltung verkauft der Lindenhof an andere landwirtschaftliche Betriebe Silomais-Ballen. Auch Frenk beklagt das Graswachstum. Der erste Schnitt sei noch in Ordnung gewesen. Beim zweiten und dritten Schnitt sei der Aufwuchs zwischen 30 und 50 Prozent geringer ausgefallen.

Weiter verweist er auf fehlende Einnahmen aus dem Maisverkauf. An dieser Stelle fehlten ihm in diesem Jahr rund 16 000 Euro. "Die Defizite müssten wir eigentlich an die Verbraucher weitergeben. So müssten wir für den Liter Rohmilch anstatt 70 Cent rund 1,50 Euro verlangen", sagt er. Einige seiner Kunden würden das sogar mitmachen – andere würden dann allerdings lieber Milch im Supermarkt kaufen.

Grundsätzlich sind laut Armbruster vor allem Milchbauern von der Futterknappheit betroffen. Frenk, der auch Schweine hält, merkt jedoch an, dass auch der Preis für Schweinefutter gestiegen ist. Der Ferkelpreis sei hingegen von 75 Euro auf 35 Euro pro Tier gesunken.

Frenks Lindenhof: Eigentümer sind Reinhard Frenk und Sohn Thomas. Die Gesamtfläche beträgt 118 Hektar, davon sind 36 Hektar Wiesen, 82 Hektar Ackerland für Mais und Weizen. Gehalten werden Milchkühe, Jungtiere, Mastbullen und Schweine.

Milchbetrieb Haas und Zinsel: Die Betriebsfläche beträgt 1,5 Hektar. Neben den Kühen leben auf dem Hof auch Pferde, Esel, Zwergziegen, Hühner und Kaninchen. Diese sind jedoch keine Nutz tiere, sondern privates Hobby.

Zellers Bauernhof: Der Hof von Frank und Georg Zeller besteht seit über 200 Jahren. Er umfasst rund 45 Hektar, hauptsächlich Ackerfläche, da­von sind 2,5 Hektar Streu obstwiesen. Schwerpunkte liegen im Ackerbau und in der Legehennen-Haltung.

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