Meißenheim Sommerreisewetter lässt Kunden noch kalt

Hunderte Busfahrer gingen in Berlin auf die Straße. Allerdings nicht für Rundfahrten, sondern um für mehr Unterstützung und bessere Reisebedingungen zu demonstrieren. Ob die geforderten und inzwischen bewilligten Hilfen ihre Wirkung zeigen werden, bleibt jedoch abzuwarten. Foto: Heinl

Meißenheim/Schwanau - Die Busunternehmer der Region haben mit großen Einbußen aufgrund der Pandemie zu kämpfen. Finanzielle Unterstützung des Landes soll das Defizit der Pandemie lindern. Ob und wie dieses Geld beim Einzelnen ankommt, sei bislang unklar.

170 Millionen Euro Zuschüsse für Busunternehmer 

"Uns wurden in der Vergangenheit schon viel versprochen, was nachher aber nicht wie geplant umgesetzt oder gar eingehalten wurde. Daher bin ich umso froher, dass das mit den Zuschüssen tatsächlich geklappt hat", sagt Reisebusunternehmer Schoor. Im Raum steht ein Betrag von insgesamt 170 Millionen Euro im Raum, der zuvor vom BDO gefordert und vom Bund schließlich bewilligt wurde. Und diese Gelder sind auch dringend nötig, denn wie kürzlich der Wolfacher Busunternehmer Heizmann monierte: "Unsere Buchungen sind von 100 Prozent auf 10 Prozent gesunken. Bei anderen Unternehmen geht es sogar gegen Null".

Doch bis die beantragten Geldern sich auf den Konten der Busunternehmen befinden, wird noch etwas Zeit ins Land gehen. Bis dahin müssen sich die Unternehmen selbst zu helfen wissen. "Auslandsreisen stehen bei uns in diesem Jahr weniger auf dem Programm". erzählt der Meißenheimer Schoor. "Sehr beliebt sind in diesem Jahr nach wie vor die Reisen innerhalb Deutschlands."

Was die Planung nach wie vor erschwere sei die Tatsache, dass nicht ganz klar sei, welche Bestimmungen für die Reisenden gelten.

Kleiner, aber spürbarer Aufschwung 

So sei innerhalb Deutschlands eine Maskenpflicht zwar klar vorgegeben, jedoch nicht in anderen Ländern wie beispielsweise Österreich oder Spanien. Dennoch habe man alle nötigen Sicherheitsmaßnahmen getroffen, um den Reisemutigen die Fahrt so sicher und angenehm wie möglich zu gestalten. So zum Beispiel durch Desinfektionsmittelspender im Eingangsbereich der Busse. Sollte ein Gast keine Maske haben, haben die Fahrer immer noch eine in Reserve "Wir erleben derzeit einen kleinen aber dennoch spürbaren Aufschwung und hoffen, dass sich das auch weiterhin so halten wird.", sagt der Busunternehmer.

Seit dem 1. Juli gelten für Reisebusse neue Sicherheitsregeln. So müssen beispielsweise, ähnlich wie beim Restaurantbesuch, Kontaktformulare ausgefüllt werden. Doch trotz aller Mühen bleibt die Reiselust gering und damit auch die Umsätze der Unternehmer.

Kredite müssen abbezahlt werden

"Kredite sind eine gut gemeinte Maßnahme", sagt Schwanauer Busunternehmerin Ute Wirth. "Aber um die irgendwann wieder abzubezahlen, müssen wir fahren." Finanzielle Zuwendungen des Staates bekämpften ein Symptom, allerdings nicht die Ursache der Krankheit. Bis zu einer eventuellen Besserung der Lage wolle man weiter versuchen, auf aktuelle Gegebenheiten zu reagieren und das Unternehmen durch die Krise zu manövrieren. Dazu gehört auch das konsequente Einhalten von Sicherheitsbestimmungen. "Die Maskenpflicht gilt weiterhin – selbst dann, wenn sich nur zwei Passagiere im Bus befinden. Da sind wir ganz konsequent." Insbesondere für die älteren Reisegäste sei dies unabdingbar. "Gerade alte Menschen reisen gerne mit Reisebussen. Es ist daher besonders wichtig, Angehörige der Risikogruppe ordnungsgemäß zu schützen."

Dieser Sommer nicht mit den anderen vergleichbar

Ein Auftauen der erkalteten Reiselust vieler Leute sei bislang noch nicht spürbar, so die Busunternehmerin. Der Sommer sei bei weitem nicht mit denen, der vergangenen Jahre zu vergleichen. Die Nachfrage nach einst beliebten Reisezielen wie Italien oder Südfrankreich sei inzwischen weggebrochen. Stattdessen florierten innerdeutsche Reisefahrten zur Ostsee, einzelne Tagesfahrten und Ausflüge ins nahegelegene Tirol. Treue Stammgäste seien ein weiterer Pfeiler, auf den man sich in Krisenzeiten stützen könne. Doch dies reiche natürlich nicht aus, um verlorene Einnahmen wieder wett zu machen. "Die verlorenen Fahrzeiten aus dem Frühjahr können wir unmöglich wieder reinholen", sagt Wirth. . Man hoffe daher auf eine Entspannung der Lage im Herbst.

"Ob und wann sich die Lage tatsächlich wieder bessern wird oder ob das Hilfspaket des Landes die gewünschte lindernde Wirkung erzielen wird, kann ich noch nicht sagen. Das wäre der sprichwörtliche Blick in die Glaskugel", so Wirth.

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