»Marathon« zieht 724 Fahrer an Münchweier wird zum Moped-Mekka

Michael Masson

Nicht Geschwindigkeit, sondern Konstanz war Trumpf beim Moped-Marathon in Münchweier. 724 Mopeds knatterten am Samstag zeitversetzt in fünf Gruppen von Münchweier aus durch das Rheintal, den Schwarzwald und zurück.

Münchweier - Nach einem Jahr Vorbereitungszeit des "Schwarzwald-Moped-Marathon"-Vereins war es am Samstag so weit. Um 6 Uhr machten sich die ersten Fahrer vom Startpunkt an der Münchweierer Winzerhalle auf den Weg auf die 230 Kilometer lange, aussichtsreiche Strecke. Diese führte auf Nebenwegen über den Kaiserstuhl mit den ersten von einigen folgenden Steigungen und Abfahrten, über Freiamt, das Simonswälder, Gutacher und Waldauer Tal, schließlich über Furtwangen, Triberg und Elzach zurück nach Münchweier.

Aus dem niedersächsischen Seedorf bei Zeven war dazu erstmals Florian Guth mit Bekannten angereist. Sie zeigten sich allesamt völlig begeistert von der ihnen bislang ungewohnten "Landschaft mit aufregenden Bergen". Neben Teilnehmern auch aus Frankreich, der Schweiz und Österreich hatte eine Moped-Gruppe aus Estland die weiteste Anreise vorzuweisen, die sie komplett auf eigenen Zweirädern bewältigt hatten. Münchweier war für sie die erste wichtige Station auf ihrer kompletten Europa-Rundfahrt.

Veranstalter setzte eine Teilnehmergrenze

Bereits am Freitag trafen die Mopedler zur Start-Registrierung und der obligatorischen Fahrerbesprechung bei der Winzergenossenschaft ein. Der jüngste war 16, der älteste 82 Jahre alt. Auf sie warteten zwei extra eingerichtete nahegelegene Wiesen-Campingplätze zum naturnahen Übernachten. Vorab gab es Infos über die drei Kontrollstationen, die anzulaufen waren und an denen es Verpflegung gab. Doch zuvor wurde noch eine stimmungsvolle nächtliche Fahrerparty mit der Coverband Mojo gestartet, nachdem gleich drei Näherinnen mitgeholfen hatten, die Teilnehmer-Plaketten-Pads an den Mofa-Klamotten und Rocker-Kutten anzubringen.

Ursprünglich hatten sich rund 2700 Mopedler aus der Ferne anmelden wollen, doch der organisierende Verein "Schwarzwald Moped Marathon" hatte zu seiner nun dritten Veranstaltung dieser Art nach längerer Corona-Pause ein Limit gesetzt: "Viel mehr als 700 Leute verkraftet Münchweier nun mal nicht", erklärten Schriftführer Dieter Volk und Rechner Markus Kirner vor Ort.

Seit der Gründung vor vier Jahren besteht der Verein aus sieben Mitgliedern aus Münchweier und Ettenheimmünster. Sie freuten sich beim Event über breite Vereinsunterstützung. So hatten Musik- und Sportverein, Latschary-Club, Motosportclub, Wellebengel und der Kindergarten die komplette Bewirtung mit Zelten und Ständen auf eigene Rechnung übernommen – etwa von Flammkuchen über Spießbraten bis zu Kaffee und Kuchen, Getränke jeder Art bis hin zum "Kopfgetriebeöl", einem beliebten Likör. DRK und Feuerwehr hatten die örtliche Verkehrssteuerung in die Hand genommen.

Der Platz füllte sich am Samstag zur Mittagszeit nicht nur mit Mopedfahrern. Denn wo gefeiert wird, sind Münchweierer und Ettenheimmünsterer gerne mit dabei. Sie und auch Auswärtige bewunderten die teils sehr betagten Mofas, darunter alte Kreidler, Zündapp, NSU, Hercules, Puch, Vespa oder DDR-Simson.

608 von den 724 Mopedfahrern waren aus eigener Kraft wieder in Münchweier angekommen. Die anderen wurden mit einem vorsorglich eingesetzten "Besenwagen", eingesammelt. Die meisten Teilnehmer, oft mit ganzer Familie gleich zu einem Kurzurlaub angereist, übernachteten dann nochmals und trafen sich zum gemeinsamen Abschieds-Frühstück am Sonntagmorgen wieder.

Organisatoren und Vereine zeigten sich gleichermaßen glücklich über den gesamten Ablauf der Veranstaltung ohne Zwischenfälle. In zwei Jahren soll turnusgemäß der nächste Moped-Marathon stattfinden.

Ergebnisse

Bei den Preisen ging es nicht um Geschwindigkeit, sondern darum, möglichst nahe an das Durchschnittstempo zu kommen. "Rasen" mit Vollgas war nicht gefragt. Dennoch: Als erster war erstaunlicherweise schon um 12.55 Uhr Jan Viebrock auf einer "Rabeneick" wieder eingetroffen, als letzter fuhr um 18 Uhr Achim Baum auf einer "Simson Star" ein. Sieger mit größter Annäherung an das errechnete Durchschnittstempo waren schließlich Richard Breitkopf aus Lauchringen (neun Stunden 20 Minuten mit einer Kreidler TM), Marcell Ade aus Nagold (Kreidler Florett) und auf ebensolcher Christian Hannemann aus Zell. Die Mopedfreunde aus Estland erhielten einen Sonderpreis für die weiteste Anreise.

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