Mahlberg Musik bleibt seine große Leidenschaft

Die Posaune hält Pfarrer Bernd Walter nicht nur gerne in den Händen, er spielt sie nach wie vor mit viel Hingabe. Dazu kommt seine Leidenschaft für den Gesang. Foto: Masson

Mahlberg - Er kann und will es nicht lassen: Pfarrer Bernd Walter trat vor zwei Jahren in den Ruhestand, seine Leidenschaft für Musik hat er nicht verloren - und teilt sie weiter mit seinen Gemeindemitgliedern.

Walter, 1950 in Öhringen geboren, studierte einst in Heidelberg Biologie. Als erste Stufe für eine geplante Doktorarbeit isolierte er im Labor ein Enzym, das für erblich bedingten Muskelschwund mitverantwortlich ist. Das ging an dem jungen Naturwissenschaftler nicht spurlos vorüber, erfuhr er bei dieser Gelegenheit doch von vielen menschlichen Schicksalsschlägen. So studierte Walter ab 1975 Theologie. Nach der zweiten theologischen Prüfung 1984 landete er als Pfarrvikar zuerst in Kippenherim und Titisee/Hinterzarten. Drei Jahre später übernahm der dreifache Familienvater die Pfarrstelle in Mahlberg (mit Kappel-Grafen-hausen und Rust), wo er letztlich 29 Jahre bis Ende 2016 blieb.

Als Kind bringt er sich das Posaunenspiel bei

Doch seine Leidenschaft gilt seit jeher nicht allein der Seelsorge, sondern auch der Musik. In Mahlberg hatte Walter nicht nur einen Kinderchor, später noch ein Blechbläserensemble, ein Junges Orchester und ein Vokalistenensemble ins Leben gerufen, sondern auch die renommierten Schlosskirchen-Konzerte aus der Taufe gehoben. "Nebenbei" durfte Walter dank unermüdlichem Spendensammeln 1999 im barocken Gotteshaus die mittlerweile weit gerühmte Ahrend-Orgel in Betrieb nehmen.

Wie erklärt sich Walters musikalischer Tatendrang über seine seelsorgerischen Aufgaben hinaus? Die Wurzeln liegen schon in seiner Kindheit. Da sei er von den Eltern reformpädagogisch "aufs Gleis gesetzt worden". Und: "Alles wurde besungen." Schon als Neunjähriger hatte sich Walter das bis heute geliebte Posaunenspiel selbst beigebracht. Schon mit elf war der begeisterte Musiker-Knabe dann vollwertiges Mitglied im Posaunenchor. Zudem sang Walter etwa zwei Jahre später schon als Solist bei einem Oratorium in der Öhringer Stiftskirche. Walter im Rückblick: "Ich hatte das Glück, mich jung entwickeln und alles mögliche ausprobieren zu können."

Als fertig studierter Biologe wollte der heute 68-Jährige erst mal herausfinden, was er eigentlich "als musikalischer Mensch" so alles kann. Folgerichtig studierte er sechs Semester in Heidelberg und Mannheim. Hauptfächer natürlich: Posaune und Gesang. Öffentliche musikalische Auftritte waren damit verbunden, etwa beim Mannheimer Nationaltheater. Walter ließ sich vom renommierten Posaunenlehrer Paul Schreckenberger weiter ausbilden. Dennoch merkte er schon damals für sich: "Singen bringt mir mehr." Der künftige Theologiestudent hatte schon 180 Fachkantaten drauf, zumeist Oratorien.

In dieser Zeit galt Gesangs- Solist Walter, wie die Presse vermeldete, als "aufsteigender Stern am Mannheimer Himmel". Walter: "Das war eine schöne Zeit, da hatte ich viele Freunde mit Musikleidenschaft kennengelernt." Kirchenmusik, so Walters Überzeugung, wirke und rühre die Menschen – aber nur, wenn bei Interpreten ein Glaube dahinter steckt. Diese Erkenntnis führte schließlich 1978 zum Theologie-Studium

Der Pfarrer im Ruhestand verfügt nach wie vor über ein dichtes Netzwerk an Musikerfreunden, darunter hochkarätige Solisten. Deshalb sind die Mahlberger Schlosskirchen- Konzerte seit Jahrzehnten überregional bekannt. Ohne seine Beziehungen hätte Walter diese niemals organisieren können. Denn: Die Künstler arbeiteten stets eher für einen Gotteslohn als für nennenswerte Gagen.

Schlosskirche bietet das perfekte Ambiente

Die jährlichen Konzertprogramme sprechen für sich. Stets werden anspruchsvolle klassische Werke in der kleinen, feinen Schlosskirche aufgeführt, ob das Bach’sche Weihnachtsoratorium, die Händel’sche Johannespassion oder Werke anderer Komponisten aus der Barockzeit, die dann auch zeitlich zum Kirchenraum passen. Das Ambiente in Mahlberg hat schon viele namhafte Musiker angelockt – und dürfte es auch künftig tun.

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