Kippenheim Kriminalität: Überfall auf "Netto"? Es gibt Zweifel

Die Kippenheimer Netto-Filiale in der Bahnhofstraße. Hier sollen am Samstagabend vier maskierte Männer einen Angestellten überfallen haben. Foto: Decoux-Kone

Kippenheim - Wirklich passiert oder nur vorgetäuscht? Der Netto-Markt in Kippenheim soll am Samstag von vier Männern überfallen worden sein. Die Polizei ist nicht restlos überzeugt von der Darstellung eines Mitarbeiters. Tatsache ist: Mehrere Tausend Euro sind weg.

Samstagabend gegen 21.30 Uhr, der Netto-Markt in der Bahnhofstraße: Ein Angestellter hat vor wenigen Minuten den Laden abgesperrt, wartet auf dem Parkplatz auf einen Bekannten. Plötzlich tauchen zwei Maskierte auf. Sie zwingen den Mann, das Gebäude wieder aufzuschließen. Im Innern wird er mit einem Messer bedroht. Und: Es warten dort zwei Komplizen des Duos, die ihn mit einem Schlag niederstrecken. Anschließend fixieren die Räuber den Markt-Mitarbeiter auf dem Boden und halten ihm eine Schusswaffe vor. Mit einem Schlüssel öffnen die Unbekannten einen Tresor, nehmen das darin deponierte Bargeld an sich und verschwinden.

So soll es sich am Wochenende nach Ladenschluss vor und in der Kippenheimer Netto-Filiale zugetragen haben, sagt das angebliche Opfer. Die Ermittler sind von den Einlassungen des Angestellten nicht gänzlich überzeugt.

Medien erst Montag über Überfall informiert

Erst am Montagnachmittag wurden die Medien über den Vorfall informiert. Angesichts der brutalen Tat und vier offensichtlich hochgefährlichen Tätern auf der Flucht recht spät. Zudem ist die Verlautbarung gespickt mit Konjunktiven: "sei", "habe", "soll". Pressesprecher Wolfgang Kramer, der die Mitteilung verfasst hat, bestätigte auf Nachfrage der Lahrer Zeitung: "Der wiedergegebene Sachverhalt basiert auf den Angaben, die der mutmaßlich Überfallene gemacht hat. Wir halten zumindest einige Aspekte für klärungsbedürftig." Etwa die Behauptung des Mitarbeiters, er soll genötigt worden sein, die Tür des Supermarkts aufzuschließen, obwohl sich zwei Täter bereits im Innern des Gebäudes befunden hätten.

Ob der Mitarbeiter gelogen hat und ob er möglicherweise sogar etwas mit dem Verschwinden des Geldes zu tun haben könnte, dazu wollte sich Kramer nicht äußern. "Nach aktuellem Stand müssen wir davon ausgehen, dass alles wie dargestellt passiert ist." Heißt: Die Beamten der Kripo ermitteln wegen schweren Raubs.

Netto: Angestellten geht es "soweit gut"

In ihrer Mitteilung schreibt die Polizei, der Angestellte habe bei dem Überfall leichte Verletzungen davongetragen und dass er sich in einem Krankenhaus habe untersuchen lassen. Netto teilte am Montag auf LZ-Nachfrage mit, "dass es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der betroffenen Filiale soweit gut geht". Bei Überfällen werde Angestellten "grundsätzlich psychologische Unterstützung angeboten, sofern sie diese wünschen".

Angaben zur Höhe der Beute, des Schadens oder zu Sicherheitsmaßnahmen, etwa einer Videoüberwachung, die Aufschluss über den Tathergang geben könnte, würden "grundsätzlich nicht kommuniziert, um Nachahmeffekte zu vermeiden und unsere Mitarbeiter zu schützen", so das Unternehmen. Laut Polizeisprecher Kramer wurden aus dem Tresor die Tageseinnahmen in Höhe von mehreren Tausend Euro entwendet. Von wem – das sollen nun die Ermittlungen zeigen.

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