Kippenheim Im Kampf gegen das Vergessen

Jürgen Stude, Vorsitzender des Förderkreises der ehemaligen Synagoge Kippenheim, und viele andere Ehrenamtliche bieten regelmäßig Führungen über den jüdischen Friedhof in Schmieheim an. Foto: Göpfert

Kippenheim - Im 19. Jahrhundert war etwa jeder zweite Schmieheimer ein Jude – nach dem Zweiten Weltkrieg schien die Erinnerung an sie ausgelöscht. Der Förderkreis der ehemaligen Synagoge zeigt, wo man noch heute Spuren jüdischen Lebens findet.

Eines der wenigen übrig gebliebenen Zeugnisse ist der Schmieheimer Judenfriedhof. 1682 wurde er angelegt und ist der zweitgrößte jüdische Friedhof in Südbaden. Auf ihm sind Tote aus Ettenheim, Rust, Nonnenweier, Altdorf, Orschweier, Kippenheim, Friesenheim und Lahr bestattet.

Der Vorsitzende des Förderkreises Jürgen Stude sowie die beiden Lehrer Bernd Rottenecker, Dieter Petri und die Bibliothekarin Bärbel Heer bieten Rundgänge auf dem Friedhof an, auf denen sie erklären, welche Geschichten sich hinter den mehr als 2500 Grabsteinen verbergen und was die Zeichen auf ihnen zu bedeuten haben.

Neben Grab- gibt es in Schmieheim auch Gedenksteine, die für die ohne Grabstein Begrabenen, Ermordeten und Deportierten der NS-Zeit gesetzt wurden. Steine auf diesen Mahnmälern zeugen davon, dass auch heute noch um die Toten getrauert wird. Blumen hingegen findet man nicht. "Der Friedhof ist für die Juden ein Ort, der den Toten gehört, niemand darf aus ihm Gewinn ziehen – auch nicht optisch, indem er sich etwa an dem Anblick der Blumen erfreut", erklärt Stude. Aber die Begräbnisstätte ist nicht nur ein Ort der Trauer: Auf Jiddisch heißt der Friedhof auch der "gute Ort", es ist die Heimat der Juden, der Ort, an dem sie sich mit ihren Vorfahren verbunden fühlen. Mit ihrer Arbeit kümmern sich die Ehrenamtlichen des Förderkreises der ehemaligen Synagoge Kippenheim darum, dass die Geschichte der Juden nicht in Vergessenheit gerät – nicht nur auf den Friedhof.

Nachdem die Gemeinde Kippenheim 1987 dafür gesorgt hatte, dass die Außenfassade der in der Reichspogromnacht 1938 verwüsteten Kippenheimer Synagoge restauriert wurde, kümmerte sich der Förderkreis darum, dass die Synagoge wieder begehbar ist. Er ließ 2002 und 2003 das Innere renovieren. Metall macht auch heut noch deutlich, wo es einst Zerstörungen gab. Doch die Synagoge ist nicht nur ein Mahnmal, sondern auch ein Ort der neuen Begegnungen: So finden dort regelmäßig verschiedene Veranstaltungen des Förderkreises statt.