Kippenheim Im Exil machte sie Karriere

Pia Gilbert (†) Foto: privat Foto: Lahrer Zeitung

Kippenheim/New York. Sie war eine bekannte Komponistin und eine der letzten Jüdinnen in Kippenheim: Am Montag ist Pia Gilbert im Alter von 97 Jahren in ihrem New Yorker Exil gestorben. 2003 hatte sie dem vom Förderverein Ehemalige Synagoge Kippenheim veröffentlichtem Buch "Gedächtnis aus Stein" einen biografischen Text beigesteuert, 2010 besuchte ein Vorstandsmitglied die Hochbetagte in New York und überbrachte ihr Grüße aus ihrem Heimatort.

 

Pia Gilbert wurde am 1. Juni 1921 in Kippenheim als Tochter des Händlers Richard Wertheimer und seiner Frau Berta geboren. Sie sei bereits als Kind "süchtig" nach Musik gewesen, schrieb die New York Times am Dienstag in einem Nachruf auf die Künstlerin. Ein weiterer besonderer Zug an Pia Gilbert war ihre Willensstärke und Beharrlichkeit, der sicher zu ihrer Karriere beigetragen hat. Sie war von Geburt an kurzsichtig und es wurde befürchtet, dass ihr Sehvermögen aufgrund einer leichten spastischen Lähmung schwinden würde. Sie berichtete später, dass sie als Kind beschlossen hatte, "sehen zu können, weil ich es wollte. Ich überwand auch die Lähmung, weil ich es wollte."

Im Alter von neun Jahren spielte Gilbert im katholischen Gottesdienst in der Kippenheimer Kirche Orgel, als 13-Jährige übernahm sie die Leitung des Synagogen-Chors. Gilbert war das einzige jüdische Kind in ihrer Klasse im Ettenheimer Realgymnasium. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 musste sie sich nach hinten setzen und durfte nicht mehr aktiv am Unterricht teilnehmen. Die einzige Freundin, die ihr geblieben war, war Annemarie Kaiser, Tochter des evangelischen Pfarrers von Kippenheim, ein überzeugter Nazi-Gegner.

1937 emigrierte die Familie Wertheimer in die USA. Letztlich war New York der richtige Ort für die angehende Künstlerin. Sie holte den unterbrochenen Schulbesuch nach, arbeitete als Kindermädchen und erteilte nebenbei Klavierunterricht. Dank eines Stipendiums konnte sie das New York College of Music besuchen und mit einem pädagogischen Diplom abschließen. 1943 heiratete sie Philipp Gilbert, 1953 kam ihre gemeinsame Tochter Vivian zur Welt. Pia Gilbert legte eine beachtliche Hochschulkarriere hin, neben ihrem Lehramt betätigte sie sich als Komponistin und Dirigentin. Sie pflegte unter anderem eine Bekanntschaft zu John Cage, einem der weltweit einflussreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts.

  • Bewertung
    0