Kippenheim Die Suche nach einem neuen Heim

Die Zukunft des evangelischen Gemeindehauses in Kippenheim ist mehr denn je ungewiss. Foto: Archivfoto: Goltz

Kippenheim - Allein kann die evangelische Kirchengemeinde die Sanierung des Gemeindehauses nicht stemmen, weshalb Pfarrerin Henriette Gilbert nun bei einer Versammlung mitteilte: "Wir verlassen das Gemeindehaus und suchen uns eine neue Heimat."

Die Entscheidung ist auch ein Ergebnis aus der Diskussion mit der politischen Gemeinde. Die Hoffnung, dass diese sich am Umbau beteiligen würde, hat sich nicht erfüllt, wie Gilbert sagte. Jetzt wolle man abwarten, ob die Gemeinde das Haus übernimmt. Der Saal, drei weitere Räume und Nebenräume könnten der Kita dienen werden, so zum Beispiel könne man im Keller einen Turnraum einrichten.

Künftig weniger Geld von der Landeskirche

Was wohl letzten Endes den Ausschlag pro Auszug gegeben hat, ist das Liegenschaftsprojekt der Landessynode, laut dem die Landeskirche ab 2021 knapp ein Drittel weniger Geld für Unterhalt und Sanierung von Gemeindehäusern ausgeben will. Dafür wurden im vergangenen Jahr in der Ortenau die Häuser im Bestand und deren Auslastung erfasst. Auf der Basis der Gemeindemitgliederzahl von 2014 wurde ein Schlüssel ermittelt, laut dem jeder Gemeinde eine bestimmte Fläche zusteht, wie Dekan Rainer Becker informierte. Demzufolge hat das Kippenheimer Gemeindehaus 20 Prozent beziehungsweise 55 Quadratmeter Fläche "zu viel". Die Räume sind laut Erfassung zu 16 Prozent ausgelastet und liegen deutlich unter der durchschnittlichen Auslastung von 40 bis 50 Prozent.

Als Folge erhält die Kirchengemeinde künftig ein Fünftel weniger Zuschüsse für den Unterhalt. Das wirkt sich auch auf eine Sanierung aus. Da müsste die Kirchengemeinde ein Fünftel der Kosten schon von vornherein komplett aus eigener Tasche zahlen. Von den verbleibenden 80 Prozent, die zuschussfähig wären, müsste die Gemeinde ohnehin ein Fünftel der Kosten selbst zahlen.

Und sanieren muss man. Das Gemeindehaus hat einen Renovierungsstau, zudem besteht ein Wasserschaden. Die Kosten bezifferte Kirchengemeinderatsvorsitzender Hans Schillinger mit rund 400 000 Euro, zur Renovierung verfüge man über 290 000 Euro. Die Kosten seien auch deshalb so hoch, weil man bei einer Generalsanierung die neuen Bauvorschriften einhalten müsse – so zum Beispiel müsste man eine rollstuhlgerechte Rampe anlegen.

An den Zahlen gab es nichts zu rütteln, wie Gilbert, Becker und Mitglieder des Kirchengemeinderats auf mehrere Nachfragen antworteten. Lösungen, etwa die überzähligen 55 Quadratmeter einfach abzutrennen, seien nicht zu verwirklichen, weil Gemeindehaus und Kindertagesstätte im selben Gebäude untergebracht sind. Der Schritt sei "schmerzlich aber notwendig", hieß es.

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