Kippenheim 70 Kilometer zu jeder Probe

Musiker aus Leidenschaft: Matthias Schmidt spielt hauptberuflich im bayerischen Landespolizeiorchester. Foto: privat Foto: Lahrer Zeitung

Interessant und mit viel Potenzial – so beschreibt Matthias Schmidt seinen ersten Eindruck vom Orchester des Kippenheimer Musikvereins. Seit einigen Monaten ist der Rastatter dessen Leiter.

Kippenheim. Zum ersten Mal "reingehört" hatte Schmidt im Frühjahr, als der Musikverein einen Nachfolger für Johannes Kurz suchte, der nach 15 Jahren seinen Dirigentenstab in Kippenheim zur Seite gelegt hatte. Im Juni waren die ersten Proben und nun lobt Schmidt die Kippenheimer Musiker für ihr "hohes musikalisches Niveau und Können".

Als ausgebildeter Berufsmusiker weiß der 39-Jährige um die gute Arbeit seines Vorgängers; auf ihr möchte er aufbauen und natürlich eigene Akzente setzen. Was Kurz in Richtung sinfonisches Blasmusikorchester geleistet hat, will Schmidt weiterführen. Die Jugend will er noch stärker integrieren, sodass die Kapelle in den kommenden Jahren wächst. Welche Schwerpunkte Schmidt künftig setzen will, darüber hält er sich im Gespräch mit der Lahrer Zeitung noch bedeckt. Man soll es bald hören.

70 Kilometer fährt Schmidt jede Woche von Rastatt nach Kippenheim. Die sind für den Berufsmusiker im bayerischen Landespolizeiorchester in München im Vergleich dazu ein Klacks. 300 Kilometer weit ist ein einfacher Weg von daheim in Rastatt bis zur Arbeitsstelle in München, wo Schmidt von mittwochs bis zu Konzerttagen an Wochenenden arbeitet.

Er spricht mit bayerisch eingefärbtem Badisch

Warum er dann noch Vereine dirigiert? Schmidt versteht es als Unterstützung der ehrenamtlichen Kunst- und Kulturarbeit in Vereinen und die flexiblen Arbeitszeiten machen’s möglich. "Man muss a bissel was machen", sagt er im bayerisch eingefärbten Badisch. Der Ortenau bescheinigt er "gute Blasmusikstrukturen", die es zu unterstützen gelte. Das hat der Vollblutmusiker schon bei mehreren Vereinen getan. Kritik übt er da am Land, das müsse weiterhin Kulturarbeit leisten.

Der Nordbadener wuchs in Steinmauern bei Rastatt auf, als sechsjähriger Bub begann er mit dem Klavierspielen. Selbstredend war er in dem Dorf zwischen Murg und Rhein auch im Musikverein. In Karlsruhe hat Schmidt während des Studiums Posaune und Tenorhorn im Hauptfach belegt, Klavier als Nebenfach. Ensemble-Leitung war Teil des Studiums als Orchestermusiker und Musiklehrer, die sei in etwa vergleichbar mit dem C 2/C 3-Lehrgang, den die meisten Dirigenten absolvierten.

Doch Können ist für Schmidt nicht alles, das Bier im Kreis der Kippenheimer Musiker schmeckt. Zudem freut sich der Genussmensch über den Zusatz "Weindorf" Kippenheim – einen guten Tropfen weiß er gelegentlich zu schätzen. Den ersten Auftritt mit dem Kippenheimer Orchester im Dorf absolviert er am Volkstrauertag am morgigen Sonntag. Zum Gedenken der Kriegsopfer werden Musiker des Vereins zwei Stücke spielen. Mehr zu hören und zu sehen gibt’s am 1. Dezember, dem Weihnachtsmarkt-Sonntag. Da werden Schmidt und einzelne Musiker ihre Runden ziehen und hier und da spielen.

Matthias Schmidt hat Orchestermusik und Musikerlehrer in Karlsruhe studiert. Seit 2008 ist er Mitglied des bayerischen Landespolizeiorchesters. Schmidt hat bereits sechs Vereine dirigiert, unter anderem den Musikverein in Önsbach. Aktuell leitet er außer dem Kippenheimer Musikverein den in Kappelrodeck. Der gebürtige Rastatter ist 39 Jahre alt, verheiratet und Vater von drei Söhnen.

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