Kappel-Grafenhausen "Natur kennt keine Grenzen"

Foto: Biechele Foto: Lahrer Zeitung

Der neue Umweltstaatssekretär Andre Baumann hat gestern im Rahmen seiner "Sommertour" die Naturschutzstation des Nabu beim Grenzübergang in Kappel besucht. Dabei wurden lobende Worte ausgetauscht, aber auch Kritik war zu vernehmen.

Kappel. Im ehemaligen Zollhäuschen ist in diesem Frühjahr die Nabu-Station eröffnet worden, wo Martin Neub, Vorsitzender des Nabu-Bezirksverbands Südbaden, den Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, Andre Baumann, begrüßte. Gekommen waren auch die Bürgermeister der an den Taubergießen anliegenden Gemeinden.

Bürgermeister fordern Institutionalisierung des Biotopmanagements

Neub fasste die Entstehungsgeschichte der Nabu-Station kurz zusammen und lobte die vielen freiwilligen und ehrenamtlichen Helfer. Weiterhin zeigte er sich erfreut über die Zusammenarbeit mit dem französischen Verein für Vogelschutz "LPO Alsace". Wichtigste Aufgabe der Station sei es, die Besucher des Taubergießengebiets zu informieren, so Neub.

Baumann war nicht zum ersten Mal im Taubergießen –­bisher allerdings in anderer Position. Bevor er Mitarbeiter des Landesministeriums wurde, war der gebürtige Heidelberger Vorsitzender des Nabu-Landesverbands. "Ich komme immer gerne hierher. Es ist wichtig, die Bevölkerung über Naturschutz zu informieren und sie für die Natur zu begeistern", so Baumann. Er hob die erfolgreiche Kooperation mit der Gemeinde Rhinau, deren stellvertretende Bürgermeisterin, Marianne Horny-Gonier, ebenfalls mit von der Partie war, hervor: "Natur kennt keine Grenzen. Deshalb ist es wichtig, grenzüberschreitend zu arbeiten."

Kappel-Grafenhausens Bürgermeister Jochen Paleit erläuterte bei einer Bildpräsentation die bisherige Arbeit und die Zukunftsvisionen für den Taubergießen. Wichtiges, bereits umgesetztes Projekt: die Salers-Rinder und die polnischen Wildpferde, die zur Beweidung angesiedelt wurden. Die großflächige Beweidung soll in Zukunft ausgebaut werden, da die Tiere für die neue Nahrungskette unerlässlich seien. Außerdem machten sie CO2-intensive Maßnahmen zur Freihaltung von Flächen überflüssig und sorgten für mehr Artenvielfalt und Dynamik im Naturschutzgebiet, so Paleit.

Sein Ruster Kollege Kai-Achim Klare erwähnte im Gespräch die große Vielfalt der Nutzung des Taubergießens. Vom Touristen, der sich Erholung verspricht, über den Naturschutz bis hin zur Landwirtschaft müsse man unterschiedliche Interessen unter einen Hut bringen. Ziel sei hierbei vor allem ein gutes Miteinander, weswegen man jemanden vor Ort brauche, "der den Hut auf hat". Mit diesen Worten appellierte an das Land für mehr Unterstützung.

Auch Paleit beharrte darauf, dass eine Institutionalisierung nötig sei: "Wir brauchen hier Biotopmanagement und zwar richtiges." Mahnend wandte er sich an Baumann. Der Kappel-Grafenhausener Rathauschef bedauerte, dass ein solches Management seit drei Jahren gefordert werde, bisher aber nichts geschehen sei. Der Staatssekretär erwiderte, dass ein Konzept in Arbeit sei und es beispielsweise Überlegungen zu mobilen Managementzentren gebe.

Im Anschluss an die Gespräche besichtigte die Gruppe den Vogelbeobachtungsturm, der etwas versteckt im Naturschutzgebiet liegt. Er wurde als Ausgleichsmaßnahme zum Kiesabbau errichtet und zeigt in Richtung Innenrhein. Dort sind Vögel zu sehen, die auf eigens angelegten Brutflößen nisten. Mit dem Fernglas können je nach Jahreszeit unterschiedliche Vogelarten beobachtet werden. Zurzeit leben dort zum Beispiel rund 80 Kormoranpaare. Die Flöße seien speziell für Flussseeschwalben angelegt worden, würden jedoch häufig auch von anderen Arten genutzt, erklärte Neub.

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