Ichenheim Tieren ein sicheres Zuhause bieten

Tierpfleger Dennis sorgt sich neben weiteren Angestellten um das Wohl der Tiere auf dem Hof in Ichenheim. Die Tierhilfs- und Rettungsorganisation sucht dringend nach weiteren Helfern. Vor allem über eine tiermedizinische Fachangestellte würde sich das Team freuen. Foto: Goltz

Ichenheim - Rund 150 Tiere sind auf dem Gnadenhof in Ichenheim untergebracht. Warum diese nicht vermittelt werden, erzählt die stellvertretende Vorsitzende der Tierhilfs- und Rettungsorganisation, Monika Ehrlacher.

 

Heute vor genau 30 Jahren ist die Tierhilfs- und Rettungsorganisation von Ehrlacher und Karlheinz Meier ins Leben gerufen worden. Seither setzen sich die beiden Tag und Nacht für Tiere in Not ein. Das Jubiläum wird jedoch nicht gefeiert. Die Frage nach dem "warum" wird einem nach einem Rundgang durch die 30 Ar große Anlage bewusst: Auf dem Hof sind rund 150 Tiere untergebracht, die alle schwere Zeiten hinter sich haben. Der Gnadenhof in Ichenheim bietet ihnen nun ein artgerechtes, sicheres Zuhause. Es ist kein Ort für heitere und ausgelassene Feiereien, eher ein Ort der Ruhe und Gelassenheit, wo mit viel Herzblut den Tieren ein würdevolles Leben geboten wird.

Das langjährige Bestehen der Hilfsorganisation ist nicht unbedingt ein Grund zur Freude: Es bedeutet nämlich, dass sich die Mitglieder seit 30 Jahren um ausgesetzte, misshandelte und kranke Tiere kümmern müssen. "Gefeiert wird nicht. Interessierte sind dennoch jederzeit eingeladen sich die Anlage und die Tiere anzusehen", sagt Ehrlacher. Ein kurzer Anruf vorher würde genügen.

Der große Bauernhof in Ichenheim ist das Ziel einer langen Reise. Ehrlacher erinnert sich noch genau an die Anfänge: "Ich wollte mir einen zweiten Hund zulegen und bin hierfür in ein Tierheim in der Ortenau gefahren. Die Haltung der Tiere war katastrophal", erzählt sie. Dies war der Punkt, an dem sie sich dafür entschied, Tieren in Notlagen soweit es ihr möglich war zu helfen. "Glücklicherweise war ich mit meinem Vorhaben nicht alleine, schnell hatten Meier und ich eine ordentliche Anzahl an Mitgliedern gewonnen und konnten so mit der praktischen Arbeit beginnen."

Dreimal musste der Verein mit seinen Tieren umziehen

Nachdem der Verein mit seinen Tieren von Kehl, nach Ohlsbach und schließlich nach Wittenweier umziehen musste – die beiden letzten Umzüge aufgrund Eigenbedarfs-Kündigungen – hatten sich Ehrlacher und Meier dazu entschieden, einen Hof zu kaufen und sind so 1999 in Ichenheim gelandet. "Wir mussten hier einiges umbauen und das allein mit Hilfe von Spenden und Mitgliedsbeiträgen", sagt die gelernte Friseurin.

Die finanzielle Lage macht Ehrlacher immer größere Sorgen. "Wir tun alles für das Wohl der Tiere: von ausreichend Futter bis hin zu Tierarztuntersuchungen. Das alles muss bezahlt sein. Dass wir diese Kosten womöglich bald nicht mehr ausgleichen können, bereitet mir großes Kopfzerbrechen", sagt die sonst so taffe Frau leise und macht deutlich, dass sie mit Leib und Seele für die Tiere lebt. "Wir sind immer hier, Urlaub gibt es nicht. Wir wollen schließlich zu jeder Zeit da sein, falls unsere Hilfe benötigt wird."

Wie sie das ganze Leid, das sie die Jahre über sehen musste, aushält? "Ich kann abschalten. Das muss ein Mensch können, der sich für den Tierschutz einsetzt. Nur wenn man die emotionale Seite nach hinten anstellen kann, gelingt es mit einem klaren Kopf zu helfen", so die Expertin. Mit Mitleid allein sei dem Tier nicht geholfen, es müsse überlegt werden, wie man es aus der katastrophalen Situation bekommt.

Auf dem Hof in Ichenheim werden die Tiere wieder liebevoll aufgepäppelt, können neue Kraft schöpfen und vergessen hoffentlich irgendwann die schlimmen Erlebnisse der Vergangenheit.

  • Bewertung
    2