Ettenheim Virtuos und ausdrucksstark

Anspruchsvolle Unterhaltung: Urte Lucht und Markus Märkl mit "Sprüngen zwischen Barock und Avantgarde" Foto: Decoux-Kone Foto: Lahrer Zeitung

Altdorf (mm). Der zwölfte Ettenheimer Musiksommer mit vier Konzerten steht bekanntlich unter dem Motto "Raritäten". Dem wurden die Musikfreunde als Veranstalter gleich zum Auftakt am vorigen Mittwoch in der Kunsthalle Altdorf gerecht. Urte Lucht und Markus Märkl präsentierten dort abwechselnd Cembalo- Werke aus Klassik und Moderne – laut Untertitel "Sprünge zwischen Barock und Avantgarde".

Die beiden renommierten Cembalisten brachten im Duett und als Solisten mit Kompositionen der barocken Altmeister Padre Antonio Soler und Domenico Scarlatti das 18. Jahrhundert zurück, im Kontrast dazu zeitgenössische Werke von Erhan Sanri. Dabei tauschten sie gelegentlich "fliegend" ihre Plätze an den Cembalos. Andante und Minué aus Solers Concerto C-Dur ließen schon eingangs die verspielte, muntere Hochbarockzeit wieder auferstehen. Da, wie auch später bei Scarlatti, meisterten die Interpreten große technische Herausforderungen. Ob Sonate D-Moll oder G-Dur des barocken Italo-Spaniers: Lucht und Märkl brillierten als Solisten gleichermaßen kraftvoll in teils atemberaubenden Tempi, nicht minder später zum krönenden Konzertabschluss im Duett mit einem auch technisch höchst anspruchsvollen fünfsätzigen Concerto D-Dur des spanischen Paters Soler.

Längst zuvor hatten zwei frühere Werke des damals jungen Komponisten Sanri einen gehörigen musikalischen Kontrast zum gewohnten Barock gebildet. Der mittlerweile 60-jährige türkischstämmige, in Hamburg lebende Komponist hatte es sich nicht nehmen lassen, selbst zum Altdorfer Konzert anzureisen. Lucht kennt ihn schon seit Studienzeiten. Sein vor 30 Jahren geschaffenes "Tongebilde" mit "Spiel der Bausteine, Zerlegung und Linien" entlockte den Cembalos völlig andere Wirkungen. Mit immer neuen Tonfolgen, Intervallen und Mehrklängen wurden Stimmungen geschaffen, abseits gewohnter Harmonielehre oder konventionellem Tonsystem.

Bei den rund 60 Zuhörern in der Altdorfer Kunsthalle kamen Sanris fantasieanregende Werke blendend an. Zwischendurch entlockte Lucht dem befreundeten Hamburger im Kurzgespräch, dass der schon als 14-Jähriger das Komponieren begonnen hatte, inspiriert von einstigen Jazz-Improvisationen. Mit Begeisterung hörte nun Sanri zum ersten Mal konzertant selbst seine erst vor fünf Jahren entstandenen "Kunstsprünge dressierter Flöhe" in fünf Sätzen, von "Cowboys und Indianern" bis zum "Pyrrhus-Sieg beim Lösen des gordischen Knotens". Das Publikum quittierte nicht nur die dargebotenen Werke zwischen Barock und Neuzeit durchgehend mit Applaus, sondern natürlich auch die trefflich unter Beweis gestellte hohe Virtuosität und Ausdruckskraft der beiden studierten Meister-Cembalisten.

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