Ettenheim Im DIA herrscht große Unruhe

Der deutsch-israelische Arbeitskreis wird derzeit auf eine harte Probe gestellt. Symbolfoto: dpa Foto: Lahrer Zeitung

Der Deutsch-Israelische Arbeitskreis, kurz DIA, hat in den vergangenen Monaten einige Mitglieder verloren. Das liegt auch an der neuen Vorsitzenden Simone Schermann, die kurzzeitig im Vorstand der Vereinigung Juden in der AfD saß.

Ettenheim. Schon vor Schermanns Wahl zur neuen DIA-Chefin im Mai vergangenen Jahres waren deutliche Misstöne im Verein zu vernehmen. Bei der Hauptversammlung ließ Schermanns Vorgänger Martin Groß, immerhin seit 1999 im Amt, seinen Rücktritt und gleichzeitig seinen Austritt aus dem DIA erklären. Seine Begründung wurde damals verlesen: "Bei der nun schon lange anhaltenden politischen Situation in Israel und in den von Israel besetzten Gebieten sehe ich persönlich keine Möglichkeit, den Staat in irgendeiner Weise freundschaftlich zu unterstützen."

Seitdem haben es Groß einige Mitglieder gleichgetan und dem DIA, der in Ettenheim sitzt, den Rücken gekehrt. Darunter der ehemalige Schulamtsdirektor Achim Schwab, der zeitweise auch Vorstandsmitglied war. Ihn habe schon länger "die Überloyalität zum Staat Israel" beim DIA gestört. "Man hatte das Gefühl, kritische Worte wären verboten." Schermann habe "diese Linie von Anfang an in aggressiver Weise weitergeführt", sagt Schwab. Ihr Auftreten hätte dazu geführt, dass Ettenheims Ehrenbürgerin Margret Oelhoff die Hauptversammlung verließ und ihre Mitgliedschaft beendete. Schwab tat es ihr kurze Zeit später gleich.

Robert Krais, Mitgründer, stellvertretender Vorsitzender und für viele das Gesicht des DIA, bestätigt auf LZ-Nachfrage, dass es zu "einigen Austritten" gekommen sei, seit Schermann den DIA-Vorsitz übernommen hat. Ihren Kurs stellt er deshalb aber nicht infrage: "Man kann über die Regierung Israels diskutieren, wer aber den Staat als solchen in Zweifel zieht, für den ist der DIA nicht der richtige Verein." Krais verweist darauf, dass der Arbeitskreis 1974 "auf zwei Säulen gegründet wurde": die Erinnerungsarbeit und die Begegnungen mit Israel. Letzteres sei in den vergangenen Jahren in den Hintergrund gerückt. "Das wollen wir künftig ändern", sagt Krais, "und auch die Belange der Juden in Deutschland wieder mehr in den Fokus unserer Arbeit rücken." Schermann wird noch deutlicher: Wer Israel als Staat per se kritisiere, "begibt sich ganz vehement in Richtung des klassischen Antisemitismus". Und: "Als DIA stehen wir natürlich uneingeschränkt zum Staat Israel."

Indes: Schermanns stringente Ansichten sind nicht das Einzige, an dem sich (ehemalige) Mitglieder stören. Was bei ihrer Wahl zur Vorsitzenden noch niemand ahnte: Die Freiburgerin sollte fünf Monate später, im Oktober 2018, Vorstandsmitglied der damals neugegründeten JAfD werden – der Jüdischen Bundesvereinigung in der AfD. "Als ich das mitbekommen habe, konnte ich es nicht glauben", sagt Schwab. "Diese Verquickung ist furchtbar."

"Ich wollte mir ein eigenes Bild machen"

Auch Norbert Klein "wollte gleich aus dem DIA austreten", als er von Schermanns Engagement in der JAfD hörte. "Die AfD hat im Bundestagswahlkampf dafür plädiert, die Erinnerungsarbeit an die Opfer des Nationalsozialismus einzustellen. Wie soll das mit den Werten des DIA zusammengehen?", fragt der Vorsitzende des Historischen Vereins Geroldsecker Land.

Allerdings hat Klein seinen ersten Impuls unterdrückt, um sich bei der nächsten Hauptversammlung Schermanns Motivation für ihren Eintritt bei der JAfD und auch die Meinung der anderen DIA-Mitglieder dazu anzuhören. Für ihn steht fest: "Sollte Frau Schermann bei ihrer Wahl gewusst haben, dass sie der JAfD beitreten wird, hätte sie das nicht verschweigen dürfen." Er hätte sie dann nicht gewählt, sagt Klein.

Krais hingegen steht zu Schermann: "Auch wenn ich nicht auf derselben Linie bin, muss ich eine Partei, die nicht verboten ist, respektieren." Schermann selbst erklärt: "Als Historikerin, politisch interessierter Bürger und vor allem als in Deutschland lebende Jüdin mit zwei Pässen, wollte ich mir ein eigenes Bild machen." Sie habe selbst Antisemitismus erfahren, auch in Freiburg – "und das nicht zu knapp". Ihr Wirken in der JAfD habe sie nach rund zwei Monaten wieder beendet.

Die Juden in der AfD sind eine parteinahe politische Vereinigung, die am 7. Oktober 2018 von 24 jüdischen Mitgliedern der AfD gegründet wurde. Ein Hauptmotiv für die Gründung ist nach eigenen Angaben die "unkontrollierte Masseneinwanderung" junger Männer aus dem islamischen Kulturkreis mit "einer antisemitschen Sozialisation". Der Zentralrat der Juden und andere jüdische Vereinigungen kritisierten die JAfD-Gründung.

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