Ettenheim Günter Krieg kommt, Fridi Miller geht

Vor Monaten hat er es dementiert, kurz vor Torschluss tut er es doch: Günter Krieg bewirbt sich um das Amt des Ettenheimer Rathauschefs. Die Sindelfingerin Fridi Miller hingegen hat ihre Kandidatur zurückgezogen.

Ettenheim. Es ist eine Kandidatur, mit der man im Vorfeld hätte rechnen können. Bekanntermaßen liegen Krieg als Vorsitzender der Bürgerinitiative Altstadt und die Stadtverwaltung mit Metz an der Spitze seit Jahren über Kreuz. Die BI-Gemüter erhitzen sich regelmäßig an aus ihrer Sicht zu lautem Pflaster und zu vielen Festen in der Innenstadt. Die Querelen gipfelten in gegenseitigen Anzeigen. Doch statt mit der Bürgermeisterwahl eine Kurskorrektur in der Stadtpolitik anzustreben, erklärte Krieg im Januar: "Ich stehe für das Amt auf keinen Fall zur Verfügung."

Nun die Kehrtwende. Grund dafür sei die "überraschend breite Unterstützung", die die BI seit ihrer öffentlichen Kandidatensuche (wir berichteten) aus der Bevölkerung erfahren habe, ließ Krieg per Pressemitteilung wissen. Er habe gespürt: "Viele wünschen sich nach 24 Jahren wieder eine echte Alternative bei der Bürgermeisterwahl." Auf Nachfrage unserer Zeitungräumte der 42-Jährige zudem ein: "Natürlich hätte ich mir keine Gedanken darüber machen müssen zu kandidieren, wenn wir einen geeigneten Bewerber gefunden hätten." So habe er sich mit Familie und Freundeskreis "intensiv beraten" und kurz vor Bewerbungsschluss den Entschluss gefasst: "Ich kandiere für das Amt des Bürgermeisters in Ettenheim."

Der Gewerbeschullehrer, der sein gesamtes Leben in "dieser wunderbaren Stadt" (Krieg) verbracht hat, weiß, dass es mehr braucht, als über mangelnde Lebensqualität in Ettenheims Altstadt zu schimpfen, will er dem Amtsinhaber die Stirn bieten. Als junger Vater habe er sich unter anderem auf die Fahnen geschrieben, die Stadt familienfreundlicher zu machen: "Die vielen jungen Familien brauchen besser ausgestattete Spielplätze, Kindergärten und Schulen." Einen weiteren Schwerpunkt will Krieg auf den Ausbau des schnellen Internets legen. Eine Modernisierung sei nicht nur für die Bürger, sondern auch für den Wirtschaftsstandort Ettenheim von großer Bedeutung.

Und wie stellt er sich die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung vor, sollte er gewählt werden? Immerhin hat Krieg vor gar nicht langer Zeit einen Mitarbeiter wegen eidesstattlicher Falschaussage angezeigt: "Der hätte es unter mir definitiv schwer", sagt der Kandidat. "Ansonsten bin ich nicht nachtragend, ich muss keine alten Rechnungen begleichen." Auch mit dem Gemeinderat, dem er einst als Mitglied der SPD-Fraktion angehörte, sehe er "künftig keine Probleme, wenngleich es da durchaus Verbesserungspotenzial gibt". Das Gremium müsste aus seiner Sicht "viel mehr Einfluss auf die Politik in der Stadt nehmen".

Zu einer Schlammschlacht mit seinem langjährigen Widersacher Bruno Metz will es Krieg im Wahlkampf indes nicht kommen lassen: "Natürlich muss und werde ich Dinge, die es zu kritisieren gibt, ansprechen, aber nicht aufgehängt an einer Person."

Die städtische Wahlleiterin Beatrice Bürkle bestätigte am Montag auf Nachfrage der Lahrer Zeitung den Eingang einer entsprechenden E-Mail Millers, die auch der LZ vorliegt. Der Verwaltungsmitarbeiterin zufolge ist der Rückzug rechtmäßig, "weil er schriftlich und noch vor Ende der Bewerbungsfrist vorlag". Das Okay des Gemeindewahlausschusses vorausgesetzt (tagte bei Redaktionsschluss am Montagabend noch), stehen bei der Bürgermeisterwahl am 7. Oktober somit die Namen von Amtsinhaber Bruno Metz sowie den Herausforderern Michael Butt und Günter Krieg auf dem Stimmzettel. Denn bis zum Ende der Bewerbungsfrist am Montag um 18 Uhr wurde laut Bürkle keine weitere Kandidatur im Rathaus angezeigt.

Millers Rückzieher kommt nicht überraschend. Wie berichtet, hatte sie damit schon kurz nach ihrer Bewerbung in einer E-Mail an einen Ettenheimer Bürger geliebäugelt. Nun hat die 48-Jährige ernst gemacht – und ihren Schritt mit deutlichen Worten in Richtung Bürgerinitiative begründet.

"Dieses Kasperle-Theater der BI Altstadt mache ich nicht mit", schreibt Miller. Ihr stößt übel auf, dass deren Vertreter "hart mit mir ins Gericht gegangen" seien und sich dagegen ausgesprochen hätten, sie bei ihrer Kandidatur zu unterstützen, "obwohl sie mich nie kennengelernt haben".

Bekanntermaßen waren die "Altstädter" öffentlich auf die Suche nach einem Metz-Herausforderer gegangen. Weil sie keinen fanden, der ihren Geschmack traf, beziehungsweise einige Interessenten wieder absprangen, warf BI-Chef Krieg am Freitag selbst seinen Hut in den Ring.

Ein Schritt, den Miller "einerseits beachtlich" findet. Auf der anderen Seite nennt sie es "eine Frechheit", dass die Bürgerinitiative auch ihren bisherigen Mitbewerber Michael Butt nicht zu "ihrem" Kandidaten gemacht habe. Er sei selbst Betroffener von Missständen in der Stadt, die er auf seiner Homepage klar benenne. "Dafür sucht er Gehör, für mich ist er der perfekte Bürgermeister", schreibt Miller.

Die Sindelfingerin, die nach eigenen Angaben schon bei mehr als 100 (Ober-)Bürgermeisterwahlen im Rennen war, will sich "nun voll und ganz" auf die OB-Wahl in Villingen-Schwenningen konzentrieren und "dort jeden öffentlichen Termin wahrnehmen". Mit dem Überall-Bewerben soll indes nun endgültig Schluss sein, sagt Miller. So habe sie zuletzt auch auf eine entsprechende Anfrage aus Warthausen im Kreis Biberach abgesagt.

Den Bürgern der Rohan­stadt wünscht Miller, "dass sie bei der Wahl am 7. Oktober die richtige Entscheidung treffen: Ihr habt es in der Hand, es geht um euer eigenes Leben."

Die Bewerbungsfrist für die Bürgermeisterwahl in Ettenheim endet am kommenden Montag, 10. September, um 18 Uhr. Neben Bruno Metz und Günter Krieg haben sich bislang die Sindelfinger Dauerkandidatin Fridi Miller und Michael Butt, der im Ettenheimer Bürgerstift lebt, um den Chefposten im Ettenheimer Rathaus beworben. Die Bürgermeisterwahl findet am Sonntag, 7. Oktober, statt.

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