Ettenheim Der Flüster-Lüfter-Tüftler

Ein Mann, eine Idee und der daraus entwickelte Lüfter: Tobias Obert hat drei Jahre an dem Gerät getüftelt, mit dem sich die Neu-Ansammlung von Schimmel verhindern lässt. Foto: Obert

Ettenheim - Das beste Mittel gegen die Bildung von Schimmel wäre eine sorgsame Bauweise von Häusern, bei denen die Feuchtigkeit langsam entweicht, bevor Putz und Tapete draufkommen. Da dies selten so ist, muss das zweibeste Mittel her, sagt Tobias Obert: Lüften.

Es ist ein metallener Kasten mit vier schön gestalteten Auslässen – einer nach oben, drei strahlen nach vorn und jeweils seitlich ab. Ein bisschen wirkt er wie eine Lautsprecherbox. Im Inneren des fast würfelähnlichen Objekts befinden sich allerdings keine Lautsprecher, sondern zwei Lüfter. "Das sind Flüster-Lüfter", sagt Obert. Er hat den Kasten erfunden.

Drei Jahre, etliche Versuche und mehr als 35 000 Euro hat er in die Box investiert. Vor wenigen Tagen ist die erste Serie montiert worden und wartet auf Abnehmer. "Wir stehen da noch am Anfang", sagt der 53-Jährige. Mit im Boot ist sein jüngerer Bruder Dietmar.

Obert arbeitet als selbstständiger Bautrockner. Doch er wird nicht nur gerufen, um auf Baustellen für weniger Feuchtigkeit zu sorgen, sondern auch, um bestehenden Schimmel zu beseitigen. "Und das immer häufiger", berichtet der gebürtige Wallburger.

Das Problem: "Wenn der Schimmel lokalisiert, entfernt und die Stelle überpinselt wurde, kommt es in wenigen Jahren am gleichen Fleck erneut zu einer Schimmelbildung." Für den Handwerker sei das ein einträgliches Geschäft, da er im Turnus von vier bis sechs Jahren dort aktiv werden kann. "Denn, um die Neu-Bildung von Schimmel zu unterbinden, müsste viel gelüftet werden – vor allem in den Ecken und Bereichen, in denen die Luft steht." Der Versuch, das Problem mit Luftentfeuchtern zu lösen, stößt bei Obert auf ein trauriges Lächeln. "Das geht vielleicht in einem Wohnwagen mit zwei, drei dieser Plastikbecher, aber nicht im Wohn- oder Schlafzimmer."

Kein Zug und ein besseres Raumklima

Tägliches Lüften ist wichtig, noch wichtiger ist aber der permanente Luftaustausch in den Problemecken. Daher ist der Antischimmellüfter so konzipiert, dass er die Luft leise nach oben und zur Seite leitet. Damit sorgt er für einen steten Luftaustausch und ein gesünderes Raumklima. So unterstützt er mit der steten Luftumwälzung eine gleichmäßige Wärmeverteilung im gesamten Raum – ohne unangenehmen Zug.

Mit einem Lüfter gegen Schimmelbildung? Das ist so simpel, dass sich auch Obert fragt, warum da nicht längst jemand anderes auf die Idee gekommen ist. "Wahrscheinlich hat sich einfach niemand darüber Gedanken gemacht", sagt er. Drei Jahre hat Obert neben seiner normalen Arbeit getüftelt, um das perfekte Gerät zu schaffen. Es sollte als Teil einer Wohnung formschön sein, leise arbeiten und keinen Zug verursachen. Spezielle Flüster-Lüster, deren die richtige Anordnung im Inneren sowie eine abgestimmte Leistung hinsichtlich Luftstrom und Energieverbrauch bilden das Erfolgsrezept. Der durchgängige Betrieb – "dafür ist er ausgelegt" – soll pro Jahr bei etwa fünf Euro Stromkosten liegen. Betrieben wird das Gerät mit seiner Gesamtleistung von 1,8 Watt über eine ganz normale Steckdose.

Jetzt gehe es an die Vermarktung des patentierten ASL 100 Antischimmellüfters. Interessenten könnten "Hausverwalter und Bauherren sein", weiß Obert. Weniger Hilfe erwartet er von Handwerkern, die mit der Schimmelproblematik Geld verdienen. "Warum sollten sie etwas empfehlen, was ihnen auf lange Sicht Aufträge wegnimmt", sagt Obert lächelnd.

Weitere Informationen: www.mould-ex.de

Schimmelpilze sind Mikroorganismen, die sehr anpassungsfähig sind. Schon bei geringer Feuchtigkeit finden sie in bewohnten Gebäuden gute Lebensbedingungen. Allein in Deutschland stehen rund zehn Prozent der Bauschadensfälle in Zusammenhang mit einem Befall von Schimmelpilzen.

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