Lahr »Rassistisch, sich darüber aufzuregen«

Ein Plätzchen im Lahrer Terrassenbad, hier am vergangenen Samstag, ist in diesem Sommer besonders begehrt, da andere Freibäder entweder geschlossen sind oder ihre Besucherzahlen wegen der Corona-Auflagen reglementieren müssen. Foto: Schabel

Lahr - Unsere Berichterstattung über den großen Anteil französischer Gäste im Terrassenbad hat hohe Wellen geschlagen. Im Internet wird darüber rege debattiert, wobei nur wenige dafür sind, Franzosen den Zutritt zu verweigern. 

Mitglieder der Facebook-Gruppe »Du bist aus Lahr, wenn...« haben den Artikel »Franzosen bevölkern Freibad« (Lahrer Zeitung vom 5. August) 74 Mal kommentiert. Ein Beleg, dass das Thema vielen unter den Nägeln brennt – zumal die Kapazität des Terrassenbads wegen der Corona-Verordnung in diesem Sommer bekanntlich auf 1000 Besucher täglich gedeckelt ist. An heißen Tagen kann also nicht jeder rein, der sich abkühlen will. »Die Logik sollte klar sein: wenn die Stadt den Betrieb finanziell unterstützt, sollten Lahrer bevorzugt werden«, schreibt deshalb ein Nutzer, eine Meinung, mit der er nicht allein steht. »Ich kann den Unmut von einigen Lahrern verstehen. Man will nach der Arbeit schwimmen gehen und kommt nicht mehr rein«, meint ein anderes Mitglied der Facebook-Gruppe.

Ein weiterer Kommentator äußert Verständnis für die Franzosen, die das Terrassenbad zuletzt in großer Zahl aufsuchten: »Da drüben gibt’s halt nix, nix zum Einkaufen, keine Bäder, keine Thermen, keine Arbeitsplätze, keine Elsässerbeizen, keine gute medizinische Versorgung zu Coronazeiten.« In die gleiche Kerbe schlägt ein anderes Mitglied der Facebook-Gruppe: »In Frankreich gibt es tolle Seen und Campingplätze, verstehe nicht, dass die keine Freibäder haben.«

Tatsächlich stehen im Ballungsraum Straßburg, in dem rund 650 000 Menschen leben, lediglich zwei Freibäder zur Verfügung. Das größere davon, im Stadtteil Wacken gelegen, hat vier Pools, von denen aber nur zwei im Freien liegen. Ihre Wasserfläche ist nur halb so groß wie die im Terrassenbad. Einen Sprungturm hat das »Piscine du Wacken« nicht – dafür stehen junge französische Gäste dann am Sprungturm im Terrassenbad Schlange

. Deshalb aber Franzosen den Zutritt zu verweigern? Hinter diesem Ansinnen wittert ein Kommentator eine zweifelhafte Gesinnung: »Das ist einfach nur rassistisch, wenn man sich über Badegäste beschwert, die aus anderen Ländern kommen!񛡉Ich schäme mich für diese Lahrer.« Ein anderes Mitglied weist darauf hin, dass es für die Menschen in der Grenzregion ein Geben und Nehmen sei: »Am letzten Wochenende waren wir auf dem Seecampingplatz in Rhinau. Da waren lauter Deutsche. Ist halt eine Region. Elsässer kommen, wir fahren rüber.«

Ein anderer Kommentator greift die Kritiker des hohen Franzosenanteils unter den Badbesuchern mit drastischen Worten an: »Sich über Franzosen im Terrassenbad aufregen, aber auf Malle am Strand kotzen.« »Wer zuerst kommt, mahlt zuerst«, kommentiert ein Mitglied der Facebook-Gruppe die Praxis, dass nach dem 1000. Besucher kein weiterer Badegast mehr hereingelassen wird. Jedoch: Einige sehen es anders und fordern eine veränderte Ticketvergabe: »Meiner Meinung nach sollte man online sein Ticket kaufen können, sodass auch für Arbeiter die Chance besteht, an einem Samstag oder Sonntag ins Schwimmbad zu können«, schlägt zum Beispiel ein Mitglied vor.

Andere nennen ähnliche Argumente und verweisen dabei auf die Freibäder in Ettenheim und Seelbach, wo es täglich zwei Zeiträume gibt, für die sich die Besucher im Internet Eintrittskarten sichern können. Dazwischen werden die Anlagen geschlossen und gereinigt. So schreibt ein Mitglied der Facebook-Gruppe: »Die Unterteilung in Morgens und Abends ist gut. Gerade Rentner, die bevorzugt morgens reinwollen, kommen somit zum Zug. Denn Leute mit Kindern kommen nicht gleich in der Frühe. Außerdem, wenn man online eine Karte holt, tingelt man nicht extra hin und muss dann wieder heim, weil man nicht reindarf.«

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