Lahr Mehr Blumen braucht die Stadt

Die Chrysanthema ist die bekannteste Veranstaltung in Lahr. Ein Institut für Marketing und Kommunalentwicklung empfiehlt nun, das Image als Blumenstadt weiter auszubauen. Foto: Stadt

Lahr - 117 Seiten dick ist das "Handlungskonzept Innenstadt Lahr", das Peter Markert von der Imakomm-Akademie im Gemeinderat auszugsweise vorgestellt hat. Es enthält konkrete Vorschläge, wie das Lahrer Zentrum attraktiver werden kann.

 

Der Gemeinderat hatte die Stuttgarter Agentur im April 2016 mit der Analyse beauftragt. Dabei geht’s darum, der Stadt ein langfristiges Vermarktungskonzept an die Hand zu geben. Gedacht ist die Studie als Leitfaden für Stadtverwaltung, Stadtmarketing, Gemeinderat und Einzelhandel, der ab 2019 greifen soll. Die Imakomm-Untersuchung ergänzt das Einzelhandelskonzept der Stadt, das das Lörracher Büro Acocella im Januar 2017 vorgestellt hatte.

Leerstände

Peter Markert, Geschäftsführer von Imakomm – der Name steht für Institut für Marketing und Kommunalentwicklung –­, war am Montagabend ein höflicher Gast, der viel Lob für Lahr hatte. "Sie sind stark unterwegs", sagte er zu der Ratsrunde, eine Aussage, die etwas in Widerspruch zu der von ihm vorgelegten Studie stand, weil die durchaus den Finger in die Wunde legt. Darin werden etwa verwinkelte Gassen moniert, rund 30 Leerstände vor allem in der östlichen Innenstadt sowie "teilweise sanierungsbedürftige Gebäude" am Marktplatz, in der Turm- und Kaiserstraße. Ein Problem sei auch die (zu) große Ausdehnung der Innenstadt.

Zur Besucherlenkung finden sich ebenfalls kritische Anmerkungen: Moniert werden mangelnde Hinweise darauf, wo es zur Innenstadt geht, deren Erreichbarkeit durch viele Einbahnstraßen erschwert werde. Außerdem vermisse man eine Wegeführung zwischen Innenstadt und Arena, und die Parkmöglichkeiten seien nicht gut ausgeschildert. "Ein durchgängiges und besucherfreundliches Leitsystem für Fußgänger fehlt", Ortsfremden falle die Orientierung schwer, hat Imakomm festgestellt. Positiv hervorgehoben werden unter anderem eine "schöne Altstadt mit Flair", ein "dichter Einzelhandelsbesatz" in der Marktstraße, der Mix aus inhabergeführten Fachgeschäften und Filialisten sowie die Freizeitmöglichkeiten und eine attraktive Gastronomie.

Das Platz-Problem

An der östlichen Innenstadt hat die Untersuchung einiges auszusetzen, dort werden "teilweise mangelnde Sauberkeit und eine wenig einladende Atmos­phäre" kritisiert. Abends gebe es wenige Aufenthaltsmöglichkeiten, vor allem für junge Leute, auch sonst sei die Innenstadt am Abend wenig belebt. Herzstück sei der Marktplatz, der dieser Funktion aber kaum gerecht werde. Durch seine Lage "in zweiter Reihe" abseits der Marktstraße sei der Platz "nicht präsent". Der Rathausplatz biete zwar eine ansprechende Kulisse, "Besuchsgründe zum Verweilen fehlen aber", heißt es in der Studie. Auch der Durchgangsverkehr mindere die Aufenthaltsqualität auf dem Rathausplatz. Es gebe aber ansprechende kleinere Plätze, zum Beispiel am Rosenbrunnen.

Sorgen des Handels

Lahr sei die Stadt mit der geringsten Kaufkraft pro Kopf in der gesamten Region südlicher Oberrhein und liege damit auch weit unter dem Landesdurchschnitt, wird in der Studie angemerkt. Die Anzahl der Einzelhandelsbetriebe in der Stadt sei seit 2008 um ein Viertel zurückgegangen.

Ernüchternd ist das Ergebnis der Befragung von 51 Einzelhändlern für die Imakomm-Studie. Demnach hat die Mehrheit der befragten Händler das Angebot an Parkplätzen, die Aufenthaltsqualität sowie die generelle Entwicklung der Innenstadt negativ bewertet. "Diese negative Selbstwahrnehmung schlägt sich auch auf das fehlende Wir-Gefühl und die mangelnde Zufriedenheit im Bereich ›Kooperation/Aktionen‹ nieder", wird in der Untersuchung konstatiert.

Die kritische Haltung vieler Einzelhändler der eigenen Stadt gegenüber ist kein geringes Problem, ist der Studie zu entnehmen. Eine erfolgreiche Vermarktung des "Einkaufs- und Erlebnisstandortes Lahr" könne nämlich nur von innen heraus gelingen –­ dafür müssten die "eigenen Leute" aber zu Botschaftern der Innenstadt werden. Ausbaufähig sei auch das Veranstaltungsangebot, das ein Übergewicht in der zweiten Jahreshälfte aufweise und Jugendliche sowie Senioren nicht genug berücksichtige. So bestehe die Gefahr, dass Lahr bei der Innenstadtvermarktung abgehängt wird, andere Kommunen hätten sich nämlich erfolgreich entwickelt – zum Beispiel Kehl.

Wie es besser wird

Für Lahr empfiehlt Imakomm unter anderem eine "funktionale Neuausrichtung der östlichen Innenstadt", die Erstellung eines Konzepts zur besseren Besucherlenkung, die Aufwertung von Marktplatz und Rathausplatz sowie vor allem auch die Stärkung der Identifikation der Lahrer Händler und Bürger mit ihrer Stadt. So werde Lahr dank der Chrysanthema zwar als Blumenstadt wahrgenommen, doch dieses Image werde "nicht gelebt". Es gehe darum, ein positives Stadtgefühl zu schaffen, das bei den Bürgern verankert ist und nach außen wirken kann. Dafür empfiehlt Markert der Stadt eine Dauer-Kampagne passend zu den Kernelementen "farbenfroh, lebendig, authentisch und unverwechselbar". Konkret schlägt er etwa eine kulinarische Blütenwoche im Frühjahr, die Fortführung der Blumenköpfe über die LGS hinaus und die Ernennung einer Blumenbotschafterin vor, die die Stadt und die Werbegemeinschaft bei Marketingaktionen begleitet. Außerdem würden "innovative Beleuchtungskonzepte sowie das Spiel mit Licht und Farben" an Gebäuden das "farbenfrohe" Image der Stadt stärken.

Reaktionen im Rat

Aus den Reihen des Gemeinderats gab’s durchweg Lob für die Arbeit von Imakomm, am deutlichsten von Roland Hirsch (SPD). Uneins waren sich die Mitglieder in der Frage, wie ernst die Lage vor Ort ist. So gab Hermann Burger (CDU) ein pessimistisches Statement ab: "Die Kernstädte bluten aus, Lahr ist da keine Ausnahme." Widerspruch kam von Eberhard Roth: "Die Innenstadt stirbt nicht." Mit der Imakomm-Studie habe man nun ein Konzept, das "nicht in den Schubladen verschwinden" dürfe, sagte der Sprecher der Freien Wähler. Claus Vollmer (Grüne) forderte, Rathausplatz, Marktplatz und Rossplatz aufzuwerten. In dieselbe Kerbe hieb Jörg Uffelmann (FDP), der den Rathausplatz als "misslungen" bezeichnete. Die Untersuchung von Imakomm sei zwar "nicht die Bibel, aber ein Leitfaden, wie es weitergehen kann."

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