Wolfach Zäher "Rennfahrer" wird runde 80

Glücklich und immer noch mit dem Mountainbike unterwegs: Der Wolfacher Erwin Schmider, neben einer Fotowand, die an seine lange, erfolgreiche Karriere im Enduro-Sport erinnert. Foto: Haas Foto: Schwarzwälder Bote

Wenn der fitte "Rennfahrer" Erwin Schmider morgen, 26. August, seinen 80. Geburtstag feiert, freut sich nicht nur seine Familie. Auch eine ganze Generation sportlich Interessierter aus der Region ist entzückt.

 

Wolfach . Über viele Jahre haben die Kinzigtäler Erwin Schmiders sportliche Erfolge begleiten können: In den 60ern und 70ern reihte sich eine Erfolgsmeldung an die andere. Nicht nur wegen seiner Begeisterung für den Winter- und Ausdauersport ist ein Vergleich mit der Schwarzwälder Sportlegende Jörgle Thoma naheliegend. Es sind vor allem die bescheidene Wesensart, gepaart mit beharrlicher Schwarzwälder Zähigkeit, und das sich Durchbeißen aus einfachsten Verhältnissen heraus, das Schmider wie Thoma ausmacht.

Zwei Wurzeln ebneten den Weg des Jubilars: Zum einen die Gelegenheit, sich in jungen Jahren erfolgreich an Seifenkistenrennen zu beteiligen. Zum anderen war es die Chance, mit dem Motorrad auf schmalen Waldwegen die Forst- und Landwirte aufzusuchen. Sein Vater gründete einen Handel für Waldprodukte. In Zeiten ohne Telefon galt es, den ständigen Kontakt zu den Kunden zu pflegen.

Frühestmöglich stieg Schmider vom Mofa auf eine "NSU-Max" um, für die er sich mühsam das Geld zusammengespart hatte. Als 18-Jähriger beteiligte er sich erstmals am Geländerennen in Künzelsau, heute Enduro genannt. Damals fielen von 187 Startern 108 aus. Schmider, dessen Beine kaum vom Sattel bis zum Boden reichten, konnte daraufhin stolz eine Lizenz statt des simplen Fahrer-Ausweises in Empfang nehmen.

Bald hatte der schmächtige Wolfacher den Titel des Deutschen Meisters "abonniert". Während seiner langen Laufbahn erlangte er 21 Gelände-Titel – bis 1977 sogar 20 Mal in ununterbrochener Reihenfolge. All das erreichte Schmider in jeder Hubraumklasse und Marke: dem damals bekannten NSU-Max, Maico, CZ, Jawa, Hercules, BSA, Zündapp, Honda oder KTM. Ein Höhepunkt war der elfmalige Gewinn der Gelände-Europameisterschaft von 1968 bis 1978. Viele internationale Erfolge kamen hinzu, bis er 1980 die Karriere beendete. "Ich habe ganz leise angefangen, und nach 33 Jahren ganz leise wieder aufgehört", sagte er damals dem Schwabo.

An seinem 80. Geburtstag ist Schmider glücklich, dass seine Erfolgs-NSU-Max wieder in seiner Garage steht. Über Umwege gelangte sie von einem Fan wieder in seinen Besitz. Schmider freut sich, dass er bei diesen sportlichen Herausforderungen unversehrt geblieben ist und noch aktiv mit dem Mountainbike, auf Skiern oder laufend unterwegs sein kann. Mit seiner Familie, die aus Ehefrau Martha sowie den Kindern Christoph, Sabine und Patrick mit deren Familien besteht, feiert der Jubilar morgen.

Das Bundesverdienstkreuz am Bande erhielt Erwin Schmider 1980 vom Bundespräsidenten Karl Carstens überreicht. Dessen Vorgänger Walter Scheel ehrte Schmider bereits 1976 mit dem Silbernen Lorbeerblatt, die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland für Sportler.

Großer Ruhm: "Für den erfolgreichsten Geländefahrer der Welt" gab es 1977 die Große Silbervase des ADAC. Fachjournalisten haben Schmider Bücher gewidmet: "Sieger in allen Sätteln" und "Der Erwin fährt nicht mehr".

Die Straße, in der der Jubilar wohnt, erhielt durch die Stadtverwaltung seinen Namen: Aus "Unter der Gumm" wurde die "Erwin-Schmider-Straße". Zuvor hatte er schon den Silberteller von Wolfach erhalten.

In Journalen hervorgehoben: Als Auszeichnung empfindet es Schmider auch, dass noch immer – vor allem in französischen Fachzeitschriften – seine einzigartige Karriere und sein Talent im Geländesport eine besondere Würdigung erfährt.

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