Wolfach "Noch weit von Normalität entfernt"

Geschäftsführer Markus Harter (von links), Abteilungsleitung Betreuung, Melanie Sum, Pflegedienstleiter für die Tagespflege, Michael Thau und Pflegedienstleitung Sabine Schott erzählen von der Lage im Brenz-Heim während des Corona-Ausbruchs. Foto: Fischer Foto: Schwarzwälder Bote

Am 19. Februar hatte es auch im Johannes-Brenz-Heim den ersten Corona-Fall gegeben. Die traurige Bilanz: Rund 20 Bewohner waren dort nach einer Corona-Infektion gestorben. Nun erzählt das Pflegeheim nach dem Ausbruch, wie die Lage damals war.

Wolfach. "Wir haben keine groben Fehler gemacht und waren so gut es geht auf einen Ausbruch vorbereitet", erklärt Pflegedienstleitung Sabine Schott. Im Februar – genau eine Woche vor dem Besuch des mobilen Impfteams – waren die meisten Bewohner des Heims und auch einige Mitarbeiter an Corona erkrankt, innerhalb von sechs Wochen starben rund 20 Heimbewohner. Wie das Virus ins Haus kommen konnte, sei laut Geschäftsführer Markus Harter nicht bekannt und könne auch nicht geklärt werden.

Zu Beginn der Pandemie habe das Heim alle Vorschriften streng eingehalten und die Bewohner in ihren Zimmern nahezu isoliert. "Die Speiseräume sind bis jetzt geschlossen und Gemeinschaftsaktivitäten sind immer noch nur eingeschränkt oder draußen im Freien möglich. Von Normalität sind wir immer noch weit entfernt", berichtet Harter.

Allerdings habe das Heim dank der vielen Testmöglichkeiten, die es inzwischen gibt und nach mehreren deutschlandweiten Studien die Regeln wieder lockern dürfen. "Den Bewohnern ging es alleine in ihren Zimmern zunehmend schlechter, sie haben auch weniger gegessen und litten unter Appetitlosigkeit. Auch ihr kognitiver oder psyicher Zustand ist wegen der Vereinsamung schlechter geworden", berichtet Melanie Sum, Abteilungsleiterin für die Betreuung.

Während der Zeit des Corona-Ausbruchs mussten die Bewohner ebenfalls isoliert werden, die Pfleger durften nur in voller Schutzmontur die Zimmer betreten. "Gerade am Anfang waren der Druck und die Unsicherheit bei den Mitarbeitern hoch, ob denn auch die Schutzkleidung richtig angelegt und man selbst geschützt ist. Auch die Angst, was einen hinter der verschlossenen Tür erwartet, war da", so Michael Thau, der für die Tagespflege zuständig ist.

Harter fühlt sich nach dieser schweren Zeit im Nachhinein von der Politik im Stich gelassen. "Für uns als Pflegeheim war es eine Gratwanderung zwischen den Schutzmaßnahmen und dem Freiheitsdrang. Hier soll das Leben noch lebenswert sein und die Menschen auch am Ende in Würde sterben können. Das war wegen Corona in letzter Zeit aber nicht mehr möglich", so der Geschäftsführer. Umso dankbarer sei er für die schnelle und unbürokratische Hilfe in der Krise, als Apotheken, Ärzte und auch Mitarbeiter aus anderen Pflegeheimen bereit standen und teilweise sogar ihren Urlaub geopfert haben, um im Brenz-Heim einspringen zu können.

Auch die Aufklärung der Regierung sei mangelhaft gewesen, im Gegenteil: Im Spätsommer lieferte die Regierung zwei Mal kostenlose Schutzausrüstung, die jedoch nach eigens veranlasster Prüfung in einem Labor teilweise von mangelhafter Qualität waren. "Wir haben uns zu Beginn der Pandemie stundenlang mit dem Thema sicherere Schutzkleidung befasst und haben die Masken deshalb erst gar nicht in Umlauf gebracht", sagt Schott.

Stattdessen habe das Brenz-Heim innerhalb von sechs Wochen nach dem Corona-Ausbruch zertifizierte Schutzkleidung für 50 000 Euro gekauft. Die Kosten dafür übernimmt der Schutzschirm des Bundes.

Inzwischen sind im Heim wieder fast alle der 65 Pflegeplätze vergeben und auch die meisten möglichen Mitarbeiter geimpft. Die Tagespflege öffnet wieder eingeschränkt und Besuche sind ebenfalls möglich (siehe Info). Harter und seine Kollegen hoffen nun auf weitere Lockerungen, damit die Bewohner des Brenz-Heims in Würde und vor allem in Kontakt mit anderen altern können.

Seit der neuen Corona-Verordnung ist auch ein Besuch im Wolfacher Brenz-Heim wieder möglich. Bewohner des Altenpflegeheims dürfen am Tag bis zu zwei Besucher empfangen. Diese müssen entweder geimpft, genesen oder getestet sein. Als Nachweis gilt ein Zertifikat eines Schnelltests, das nicht älter als 48 Stunden sein darf. Zu den Öffnungszeiten des Heims gibt es Testkorridore. Da der Besuch im Heim zu jeder Uhrzeit möglich ist, müssen die Angehörigen,die zu Besuch kommen, beispielsweise nachts einen eigenen Nachweis mitbringen. Der Besucherkreis sei zwar groß, aber meist gleich, so Geschäftsführer Markus Harter.

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