Wolfach Kurgäste baden 1930 in Oberwolfach

Historie: Unterschiede zwischen Einheimischen und Wolfachern / Bikini war damals noch tabu

Offiziell ist die durchwachsene Badesaison 2021 bereits zu Ende. Aber in Gemeinden wie beispielsweise Oberwolfach mit keinem öffentlichen Badeangebot ist noch im Jahr 1930 lediglich die Witterung entscheidender Faktor für den Badespaß.

Oberwolfach. Hier hat man noch in der frühen Touristikphase um die Mitte des vorigen Jahrhunderts das Baden in der Wolf als offizielles Freizeitangebot publiziert.

Dabei war dies gar nicht so ohne, wurde doch der Bachlauf ungeniert zur Müllentsorgung missbraucht. "Wirf’s in’ Bach", hieß es, wenn irgendein Gerät nicht mehr nutzbar war. Auch zerborstene Flaschen und Glasgegenstände wurden so entsorgt. Nicht selten holten sich die Kinder beim Spielen am und beim Plantschen im Bach grässliche Schnittwunden. So mancher der Älteren hat noch deutlich sichtbare Narben, die ihn ein Leben lang daran erinnern.

Einige tiefere Stellen in der Wolf eigneten sich besonders gut zum Baden. Sie werden teilweise heute noch an heißen Tagen genutzt. Spezielle Badeplätze waren die Lai an der Walke und die beiden Hofgumpen im Bereich des heutigen Sportplatzes. Mitunter wurden dort sogar Sprungbretter angebracht. Zu gefährlich schien seitens des ortspolizeilich zuständigen Bürgermeisters das Hineinspringen vom Ufer oder von den bergseitigen Felsvorsprüngen. So mancher Wagemutige hat dabei schwere Blessuren davongetragen.

Gar nicht gern gesehen wurde das Baden in der Öffentlichkeit von Generationen von Dorfpfarrern. Da war immer wieder von "Unsittlichkeit" die Rede, allein schon wegen des Tragens von Badehose oder Badeanzug der Frauen. Ein Bikini war sowieso tabu. Lange Zeit gab es in Oberwolfach im Kanal bei der Grünmühle einen Badebereich ausdrücklich nur für das weibliche Geschlecht.

Kontrollen durch den Dorfpolizisten wurden am Hofgumpen auch von der Kirchengemeinde unterstützt, weil des Badens wegen oft die sogenannte "Christenlehre" nach dem Hauptgottesdienst, der "Spotkirch", oder die Vesper am frühen Sonntagnachmittag geschwänzt wurde.

Wiederholt findet man auch im Archiv der Gemeinde Erlasse und Beschwerden bezüglich des Badens.

Beschwerden der Gemeinde dokumentiert

Aber auch das unerlaubte Fangen von Krebsen etwa im Burggraben oder im Frohnbach oder das Fischen der "Halbstarken" wurde beim sonntäglichen Verkünden durch Alfons Scherer Junior und Senior vom Lindenfenster aus durch die Gemeindeverwaltung angeprangert.

Delikat wurde der "Problemfall Baden in der Wolf", als offiziell Unterschiede zwischen Einheimischen aus Oberwolfach und Wolfachern oder den Urlaubsgästen gemacht wurden. Die Wolfacher sprachen zwar etwas hochnäsig vom Rossgumpen, in dem die Oberwolfacher badeten, haben aber offensichtlich auch immer mal wieder einen Abstecher in die "Alte Wolfe" gemacht. Davon zeugt das folgende gemeindliche Schriftstück, das am 26. Juni 1930 vom Oberwolfacher Rathaus an das Bezirksamt in Wolfach gesandt wurde.

Darin heißt es: "In den letzten Jahren wird dieser Badeplatz (der Hofgumpen) fast ausschließlich von Kurgästen, Sportsfreunden und auch von der Bevölkerung Wolfachs benützt. Dabei leiden die angrenzenden Äcker und Wiesen Schaden. Es wird auf den Parzellen Fußball gespielt, Ringkämpfe werden ausgetragen und Sonnenbäder genommen. Auch wird sonstiger Unfug getrieben, der in sittlicher Hinsicht anstößig ist und von der Bevölkerung missbilligt wird. Autos fahren an den Badeplatz und drehen ohne Rücksicht auf die Früchte um. Vorstellungen seitens der Pächter werden meistens mit Hohngelächter und Drohungen beantwortet."

In Oberwolfach gib es zwar kein Schwimmabd, dafür aber zwei Wassertretstellen – eine an der Walke gegenüber der "Schwarzwaldstube" und die zweite am Frohnbach. Beim Wassertreten auf die kneippsche Art sollte laut Gemeinde bei jedem Schritt ein Bein aus dem Wasser gehoben und die Fußspitzen etwas nach unten gebeugt werden.

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