Wolfach Kalauer, Kunstlieder und Klavierspiel

Julia Hagemann unterhielt mit einer Mischung aus Liedern, Gedichten und Witzen das Publikum im "Blauen Salon". Foto: digitalefotokunst.de Foto: Schwarzwälder Bote

Für ein volles Haus im "Blauen Salon" in Wolfach hat die Klavierkabarettistin Julia Hagemann mit ihrem pädagogischen Spaßprogramm "Fort, Bildung!" am Sonntagabend gesorgt. Dabei gab es den einen anderen Seitenhieb auf die Musikszene.

Wolfach. Es gelang ihr dabei, als "Quasselstrippe" in einer gewagten Mischung aus Gisela Schlüter und Georg Kreisler das hiesige Publikum mit mehr oder weniger niveauvollen Liedern, Gedichten und Witzen zu amüsieren, wobei sie auch nicht vor dem einen oder anderen Kalauer zurückschreckte.

Zur Einstimmung begann sie mit selbstgedichteten Limericks, die einst Schobert & Black in deutschen Humorkreisen erfolgreich etablierten. Mit Reimen auf Wolfach, Baiersbronn, Triberg und Saulgau bewies sie dabei durchaus geografische Detailkenntnisse der näheren und weiteren Umgebung.

Allein ihr hohes Sprechtempo und die nicht ganz tonreine Mikrofonverstärkung behinderte vor allem im hinteren Bereich des Rathaussaales gelegentlich eine noch größere Wirkung ihrer mitunter verwickelten Gedankengänge zum ewig aktuellen Kampf der Geschlechter.

Dabei scheute sie sich als Frau auch nicht vor augenzwinkernder Kritik am eigenen Geschlecht, sodass am Ende offen blieb, wer denn nun die Oberhand behielt in dieser bipolar geprägten Welt.

Auch auf die Musikszene gab es den einen oder anderen Seitenhieb, den sie mit ihrer säuselnden Gesangstimme, die eine Florence Foster Jenkins vor Neid hätte erblassen lassen, ins weite Rund erschallen ließ, recht passabel begleitet von ihrem zarten Klavierspiel.

Lacher dank passenden Altersdurchschnitts

Nachdem sie in der Pause bemerkt hatte, dass die 18-Jährigen nicht sehr zahlreich erschienen waren, traute sie sich an einen Witz aus den 1980er-Jahren, in dem Helmut Kohl versuchte, mit zwei Groschen zu telefonieren, wie es sein Postminister Schwarz-Schilling zuvor in einer Bundestagsrede den Bürgern versprochen hatte. Sie hatte damit dank des dazu passenden Altersdurchschnitts der Anwesenden die Lacher auf ihrer Seite.

Ihr Referat über die Wahrnehmung von Musik und Text in Opernarien war sehr aufschlussreich, half dies doch zu verstehen, warum entweder die Melodie oder der Text beachtenswert sei. Dabei wagte sie sich sogar an eine neutönige Arie von "Aribert Lachenhausen", wohl als eine Reminiszenz an die drei Altmeister der zeitgenössischen Opernszene Aribert Reimann, Helmut Lachenmann und Karlheinz Stockhausen gedacht, sodass schlussendlich auch noch die intellektuellen Musikkenner im Saal auf ihre Humor-Kosten kamen.

Als Zugabe erklatschte sich das Publikum ein hintersinniges "Kunstlied" über einen Bühnentraum.

Julia Hagemann ist ausgebildete Mezzosopranistin mit besonderer Vorliebe für Bach und wohnt in Hamburg. Mit ihrem Musikkabarett "Fort, Bildung", ihrem Solomusical "Hotel zentral" und ihren Märchenparodien ist sie regelmäßig auf Tour. Zudem hat sie das Buch "Von Nebelhorn bis Nachtigall. Flexibles Muskelspiel im Gesang" verfasst. Zusätzlich zur staatlich geprüften Rhythmik-Lehrerin und Diplom-Sängerin ist sie unter anderem Reiki-Meisterin und Lachyoga-Lehrerin. Weitere Infos gibt es unter www.juliahagemann.de.

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