Wolfach Herb gewürzte Luft bringt Erholung

Ein Prospekt aus vergangener Zeit zeigt, wie früher Werbung für Wolfach als Luftkurort gemacht wurde. Geworben wurde mit idyllischen Fotografien und einem Stadtbild ohne Autos.

 

Wolfach/Kirnbach/Halbmeil/Oberwolfach. In einem Prospekt mit Darstellung der Bahnverbindung von Amsterdam, Brüssel, Paris, Zürich, Dresden und Hamburg ins Kinzigtal ist vor einem knappen dreiviertel Jahrhundert in schwülstigem Sprachstil für einen Urlaubsaufenthalt im Luftkurort Wolfach geworben worden.

Gerade mal 95 Mark musste man berappen, um sich einschließlich Bedienung und Kurtaxe 21 Tage in einem Hotel einzuquartieren. Versprochen wurde ein "in seiner Milde anregendes Klima im Herzen des Schwarzwalds".

Reichhaltiges Bildmaterial informierte in dem Prospekt über die Stadt Wolfach mit den umliegenden Gemeinden Oberwolfach, Halbmeil und Kirnbach. In großen Lettern wurde das Wichtigste gleich vorweg in einem langen Einführungssatz zusammengefasst: "Die durch einen Kranz von Bergen geschützte Lage im Talkessel und die Kühle der Wolfach schaffen eine geminderte Wärme an heißen Sommertagen und kühle Nächte, und bringen – verbunden mit der durch den Waldreichtum herb gewürzten Reinheit der Luft – Erholung und Heilung"

"Mit verträumten Wäldern, sprudelnden Bächen und blumigen Auen zeigt das Landschaftsbild um Wolfach Wucht und Größe. Romantische Berghänge mit zerrissenen Felspartien wechseln mit Höhen, von deren steil abfallenden Graten das Auge weite und tiefe Fernen schaut. Reine, ozonreiche Luft und die günstigen Bestrahlungsverhältnisse schonen den Organismus." Weiter heißt es: "Gute und reiche Verpflegung sorgen für Kräftigung und Wohlbehagen. Ein öffentliches Lese- und Billardzimmer bringt Gemütlichkeit und Ausspannung. Für Abendunterhaltung und Abwechslung sorgen Tanzabende, Strand- und Waldkonzerte, sowie Waldfeste. Eine unerschöpfliche Menge lohnender Spazierwege führt in die Dome der Wälder, durch Tannenschneisen und an Felspartien vorbei bis hinauf zu den Gipfeln – ein Gesundheittrinken für Leib und Seele."

Geworben wurde mit idyllischen Fotografien und einem Stadtbild ganz ohne Autos, sogar vom Hechten mit Gastwirt Julius Sattler bis hinauf zum Hotel Krone von Hans Allgeier oder hinüber zum Hotel Salmen von Leo Krug. Angeführt wurden auch das Bad-Hotel von Karl Lorenz, der Grüne Baum von Klara Endres, das Kreuz von Friedbert Schrempp, die Fortuna mit Wirt Emil Heim, der von Hermann Heinz geführten Adler und draußen vor dem Tor die Bahnhofwirtschaft von Albert Schmider.

Eingeladen wurde beispielsweise auch von Karl Stöhr im gleichnamigen Kaffee oder vom Ochsen mit Rudolf Straub in der Vorstadt bis zum Gasthaus Zähringer Hof des Max Schillinger an der Straße nach Oberwolfach. Sie alle boten zwischen zwei und 25 Betten zum Preis von 4,50 Mark bis fünf Mark pro Nacht an. Vier davon hatten fließend Wasser in den Zimmern und Krone und Salmen sogar boten den Luxus einer Zentralheizung. Ein Bad und auch eine Garage waren fast überall im Angebot. Auch eine Bank und eine Bezirkssparkasse befanden sich "am Platze". Vom Stadttor bis zum Stadtbrunnen ist übrigens kein einziges Auto zu sehen, so ruhig ging es im Städtle damals noch zu.

Für Wolfach sollte das Schwimmbad mit großzügigen Liegewiesen und der Mündungstrichter der Wolf in die Kinzig werben, für Kirnbach erachtete man mit Stroh gedeckte Bauerhäuser und für Oberwolfach das legendäre Steighäusle, das 1951 niederbrannte, für werbewirksam. Eine Kinzigpartie und Mädchen in Bollenhuttracht durften selbstverständlich nicht fehlen.

Wer wollte da nicht Urlaub machen, wenn er auch gleich noch von drei Ärzten, einer Ärztin, einem Zahnarzt und einem Dentisten ebenso wie von einer Medizinal-Drogerie eine Notfallhilfe angeboten bekam, ganz abgesehen vom modernen Krankenhaus?