Wolfach Evangelische Stadtkirche wird 125

Pfarrer Stefan Voß (links) und Kirchengemeinderatsvorsitzender Markus Harter neben dem Altarmonument mit den wichtigen Daten in der evangelischen Stadtkirche Wolfach. Foto: Jehle Foto: Schwarzwälder Bote

Die evangelische Stadtkirche Wolfach feiert am kommenden Montag, 3. September, das 125-jährige Bestehen. Die hiesige Kirchengemeinde lädt aus diesem Anlass an dem Tag zu einem festlichen Abendgottesdienst um 19 Uhr ein.

Wolfach . Das Gotteshaus hat zwei Weltkriege und zwei Jahrhundertwenden erlebt. In der Kirche haben Generationen von Gläubigen ihre Kinder getauft und Ehen segnen lassen, aber auch trauernd Verstorbener gedacht und Trost im Leid gesucht.

Die lokale Kirchengeschichte spiegelt die dynastischen Entwicklungen der Fürstenhäuser der Region wider. Nachdem Wolfach im Jahr 1540 evangelisch geworden war, wurde die Stadt durch das Fürstenberger Adelsgeschlecht wieder rekatholisiert. Der Erlass von 1575 forderte alle Protestanten auf, ihr Hab und Gut zu verkaufen und die Region zu verlassen.

Freie Wahl genutzt

Erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts kamen wieder vermehrt evangelische Handwerker und Kaufleute in die Stadt, weil das "Gesetz zur Freizügigkeit" von 1867 den Christen beider Konfessionen freie Wahl des Wohnsitzes gewährte.

Unter den Diasporagemeinden des mittleren Kinzigtals waren die Wolfacher die ersten, die 1893 ihre eigene evangelische Kirche einweihten. Nur 13 Jahre zuvor fanden sich 138 evangelische Wolfacher auf Veranlassung des Gutacher Pfarrers Zimmermann, der damals die verwaiste Pfarrei Kirnbach verwaltete, zur organisierten "Diaspora-Genossenschaft" zusammen.

Sachlotterie initiiert

Die ersten drei Kirchengemeinderäte waren Amtsrichter Mündel, Schmiedemeister Breithaupt und Stadtmüller Schmidt. Die Gründung eines Kirchenfonds zur Errichtung einer eigenen Kirche wurde 1886 von damals 210 Evangelischen beschlossen.

Drei Jahre später veranstalteten die Wolfacher eine Sachlotterie, die einen für die damalige Zeit unglaublichen Reinerlös von insgesamt 10 450 Mark erzielte.

Zuschüsse gab es auch vom Gustav-Adolf-Werk, dem Oberkirchenrat und dem großherzoglichen Haus.

Das Chorfenster "Einladender Christus" war eine Spende des Stadtmüllers Wilhelm Schmidt. Der größte Teil der Finanzierung der Gesamtkosten in Höhe von 30 000 Mark allerdings wurde durch die Aufnahme von Krediten gedeckt. Nach der Grundsteinlegung im Mai 1892 wurde im September des darauffolgenden Jahres die Stadtkirche feierlich eingeweiht.

Im Stil der Neugotik

Die Gesamtkonzeption des Gotteshauses orientierte sich am damals favorisierten Stil der Neugotik und bot den Gläubigen 200 Sitzplätze.

Bereits 20 Jahre später war ein Umbau erforderlich, wie der Inschrift unter der Kanzel zu entnehmen ist. In beiden Weltkriegen mussten die Glocken demontiert werden. Nur 23 Jahre läuteten sie bis 1916 und das nach dem Ersten Weltkrieg erneut eingeweihte Geläut verstummte abermals 1942.

Der Wolfacher Pfarrer Stefan Voß ist der nunmehr achter evangelischer Geistlicher, der in der Stadtkirche predigt. Kurz vor Weihnachten 1973 erfolgte die Einweihung des an die Kirche angebauten Gemeindezentrums, das nun durch einen Neubau ersetzt wird.

Die evangelische Kirchengemeinde plant, das Jubiläum voraussichtlich im kommenden Jahr, zusammen mit der Einweihung des neuen Gemeindehauses, angemessen zu feiern. Eigentlich waren die Wochen im September schon als Bauzeit des Neubaus vorgesehen, doch laut Pfarrer Stefan Voß liegt noch keine Genehmigung des Landratsamts (LRA) vor. Da aus diesem Grund die Kirche jetzt noch für Gottesdienste zur Verfügung steht, lädt die evangelische Gemeinde zum festlichen Abendgottesdienst am kommenden Montag, 3. September, um 19 Uhr ein. Nach dem Gottesdienst gibt es laut dem Pfarrer einen Stehempfang ohne Reden und mit einer Überraschung in Form von Bildern.

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