37 Jahre bei der Tourist-Info "Die Reise im Inland wird seltener"

Gerhard Maier war das Urgestein der Wolfacher Verwaltung. Nun geht der Leiter der Tourist-Info nach 37 Jahren in den Ruhestand. Foto: Fischer

Wolfach - Seit 37 Jahren war er das Gesicht der Wolfacher Tourist-Info und Ansprechpartner für alle Urlauber, Wanderer und Kulturliebhaber. Nun geht Gerhard Maier in den Ruhestand und möchte selbst noch etwas von der Welt sehen. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzäht er, wie sich Wolfach im Laufe der Jahre verändert hat und was die Stadt für Urlauber zu bieten hat.

Herr Maier, wie hat sich der Tourismus in Wolfach in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

Nicht nur in Wolfach hat sich der Tourismus ganz stark gewandelt. Wir brauchen heute mehr Gäste, um die gleiche Übernachtungszahl zu halten. Auch das Reiseverhalten hat sich geändert: Der Schwarzwald und das Inland werden immer mehr zum Zweit- und Dritturlaubsziel. Der Haupturlaub wird im Ausland verbracht, die kürzeren Urlaube dann im Inland mit weniger Übernachtungen. Auch die Altersstruktur hat sich gewandelt: Früher gab es viele ältere Gäste über 60 Jahre, die mit Reisebussen stark in Wolfach vertreten waren. Zeitweise sind die durch Corona ganz weggebrochen. Heute haben wir in Wolfach mehr Ferienwohnungen und dadurch mehr Familien mit Kindern. Insgesamt haben wir eine gewaltige Qualitätssteigerung im Angebot, die Hotels haben viel in ihre Zimmer investiert, auch die Ferienwohnungen haben sich in den letzten 20 bis 25 Jahren qualitativ stark verbessert, heute sind sehr viele im vier Sterne-Bereich.

Welche Ereignisse sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Mein Einstieg 1984 war ja gleich das riesengroße Stadtfest zum 900-Jährigen, bei dem über drei Wochenenden in Wolfach gefeiert wurde im Sommer. Das war natürlich ein gigantisches Fest, das ich direkt mitmachen und genießen durfte. Das zweite große Ereignis für mich war die Begründung der Städtepartnerschaft in Cavalaire sur Mer in Frankreich. Eine große Delegation aus Wolfach ist 1984 mit fünf oder sechs Reisebussen dorthin gefahren, um dort die Partnerschaft offiziell zu besiegeln. Das Thema Städtepartnerschaft hat mich über die Jahrzehnte bis heute immer wieder begleitet und macht auch viel Spaß. Ansonsten hatten wir in den 90er-Jahren ein starkes Kulturprogramm mit Gastspielen von Tourneetheatern, ein eigenes Kinderprogramm und Musicals aufgeführt.

Wieso kommen Urlauber nach Wolfach?

Wolfach hat eine ganz hervorragende Lage, nämlich mitten im Schwarzwald. Der Werbeslogan "Wolfach im Herzen des Schwarzwaldes" stimmt auch bildlich gesprochen. Wenn man zwei Linien kreuz und quer über den Schwarzwald legen, treffen die sich in Wolfach. Wir sind mittendrin, man hat von hier aus viele Freizeiteinrichtungen wie die Glashütte, die Mineralienhalde und das Museum. Auch die Vogtsbauernhöfe, Triberger Wasserfälle und der Freudenstädter Marktplatz sind beliebte Ziele. Die KONUS-Gästekarte ist ebenfalls ein starkes Argument, weil wir gute und regelmäßige Verbindungen haben, aus denen man viel machen kann.

Wie sehen Ihre Pläne im Ruhestand aus?

Ich möchte von der Welt noch ein bisschen was sehen. Ich beschränke mich aber auf Europa und alles, was man auf dem Landweg erreichen kann. Auf das Flugzeug oder Kreuzfahrtschiff werde ich eher nicht umsteigen, das ist nicht mein Ding. Aber es gibt hier in Deutschland und im angrenzenden Ausland noch so viel zu entdecken. Dann möchte ich auch meine jahrelangen Freundschaften einfach auch besser pflegen, das kam oft zu kurz.

Fragen von Aline Fischer

Gerhard Maier ist im Juli 1957 in Lahr geboren und in Schuttertal aufgewachsen. Er besuchte die Realschule Seelbach und das Technische Gymnasium in Lahr. Bei der Stadt Wolfach begann er im Januar 1984 als Leiter des damaligen Kur- und Verkehrsamts. Maier lebt mit seinem Partner seit 2013 in Gutach.

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