Wolfach Die Arche "Narrida" rettet die Fasnet

Wolfach - Auch wenn sich die Wolfacher Fasnet in diesem Jahr auf Reisen begeben hat – spätestens zum großen Festumzug sind alle Urlauber wieder da gewesen. Ob mit und ohne Handtuch oder als Samba-Kaffeetanten – die Teilnehmer präsnetierten sich in bester Laune.

Und weil sich das auf einer Urlaubsreise so gehört, kam auch pünktlich zu den drei eröffnenden Böllerschüssen die Sonne hervor. Der Tambourmajor hatte seine liebe Not, die eine schier unendliche Schar gut gelaunter Hansele zu bändigen, die am Schellemendig nochmal alles gaben und im Takt der Narrenkapelle hopsten. Dem Narrenrat folgten zahlreiche Urlauber – ob am Flughafen, als rassige Samba-Kaffeetanten und Trommler oder als Stau in den Urlaub.

Die Umzugsteilnehmer setzten das Motto kreativ um. Die "Expedition Staufenkopf" machte sich auf den Weg, den Gipfel zu suchen, und die "Gondoliere vom Vitusplatz" schipperten durch die Hauptstraße. Auch die "AhDIDA" stach in See, dicht hinter dem Orient-Express, der ein Fuhre reicher Urlauber nach Wolfach brachte. Auch die Gäste aus Cavalaire hatten ihren Auftritt.

Den Reisenden folgten die Halbmeiler Narrenzunft und die Schiltacher Narrenzunft, die eine große Schar Teufel, Teufelsmägde, Schuhu-Hexen, Egehaddel und Fiechtewaldthexen im Schlepptau hatte. Allesamt wollten sie das Ablegen der "Narrida" nicht verpassen – diesmal war die Festspielbühne im Schlosshof aufgebaut.

Diese führte die Narren ins Jahr 2065. Die "Blaue Partei" mit brauner Seele hat die Macht im Land ergriffen und aufgrund des gestiegenen Meeresspiegels ist Wolfach nun Hafenstadt. Natürlich handelt es sich laut Machthaber dabei um ein rein natürliches Phänomen. Von den Nachbarn in Hausach schaut nur noch die Kirchturmspitze aus den Fluten (aber die See-Festspiele sind Publikumsmagnet) und ein ortsbekannter Bus- und Bestattungsunternehmer bietet See-Reisen und See-Bestattungen an. Die Wolfacher Fasnet ist nach einem Dekret des Ministerium für Volkssicherheit (VoSi) verboten, da die blauen Machthaber den Spott der Wolfacher Narren fürchten. Vom Narrenvater im Himmel wird der Bau einer "Arche Narro" beauftragt, auf dass von jeder Narro-Gattung ein Pärchen in Sicherheit gebracht werde. Auch die Halbmeiler und die Narren aus Endingen dürfen mit. Die haben schließlich einen Rückzugsort für die Fasnet in Venezuela entdeckt.

Gesagt, getan – Narrenvater Theodor macht sich ans Werk. Gut, dass bei Gebrauchtschiffe24.de noch eines zum Kauf inseriert ist. "Ha, umso besser, dann kannsch des jo dirt kaufe", rät der himmlische Narrenvater.

"Ä Päärle" von jeder Narro-Gattung an Bord

Nur ein paar Schönheitsreparaturen braucht’s noch. Unter anderem sind die Schotten hinüber – und stolpern immer wieder über die Festspielbühne. Zeit, um von jeder Fasnetsfigur "ä Päärle" an Bord zu holen. Als sich aber auch die Narrenräte an Bord schleichen, bekommt die Arche "Narrida" Übergewicht – und bleibt prompt am Hausacher Narrenbaum hängen.

Die Schotten sind defekt (und stolpern über die Bühne), Rettungsboote gibt es nicht und die Rettungswesten sind marode. Frauen und Kinder zuerst, ertönte es. "Aber mir sin doch alte Wieber", rufen die Rungunkeln. Als Kapitän Herbert das versagt, fragt Theodor, was mit diversen sei. "Mir sin divers", rufen die schlotternden Rungunkeln. "Nun geht die Wolfacher Fasnet am Narrenbaum der Hausacher zu Grunde, welch Schicksal", ruft Narrenvater Theodor aus. Ist das Ende der Wolfacher Fasnet besiegelt?

Narrenvater Theodor schreckt in seinem Bett hoch – alles nur ein böser Alptraum. "Dass das auch so bleibt, liegt an euch allen. Ihr habt es in der Hand, mit dem was ihr wählt und was ihr tut", schlägt Festspielleiter Bernd Schillinger zum Ende ungewohnt ernste Töne an. Ein gelungenes Festspiel geht zuende. Anschließend feierten die Zuschauer und Darsteller gemeinsam in der Schlosshalle und im -Hof weiter.

Dem bunten Tross folgten neben den einzelnen Gruppen auch die Hansele, Rungunkeln und Landsknechte sowie die Langenbacher Tiere. Mit dabei war auch die Schiltacher Narrenzunft, Schuhu-Hexen, Egehaddel und Fiechtewaldthexen. Die Musiker der Stadtkapelle unterhielten vor dem Festspiel das Publikum im Schlosshof.