Wolfach Das Wirken des findigen "Geißehaas"

Der "Geißehaas" startete seine Tour mit dem Webewagen vor dem Gasthaus "Zähringer Hof" in Wolfach. Foto: Haas Foto: Schwarzwälder Bote

Vor 100 Jahren ist Eduard Haas aus Wolfach, der "Geißehaas", unterwegs gewesen. Als origineller Schwarzwald-Werbewanderer unternahm er einige Reisen und pries in der Fremde die Vorzüge seiner Heimat an.

Wolfach/Oberwolfach /Haslach . Durch Zufall wurde beim Blättern im Tagebuch eines um die Mitte des vorigen Jahrhunderts verstorbenen alteingesessenen Wolfachers über Neujahr unter dem Datum 11. August 1946 die kurze stichwortartige Notiz gefunden: "Es starb der Gaißenhaas – ein Original – dichterisch!"

Nähere Auskunft über Eduard Haas, wie er mit richtigem Namen hieß, gibt ein Artikel aus einer Beilage des Schwarzwälder Boten aus den 1930er-Jahren. Mit Blick auf den nahenden Frühling wird im damaligen Schreibstil verkündet: "Wenn es wieder Frühling wird im schönen Kinzigtal und die Schwarzwaldtannen ihre schönen Spitzen aufsetzen, denn leidet es Eduard Haas nicht mehr in seiner Heimat Wolfach".

Die Ursache seines Aufbruchs? "Nicht, dass er ihr überdrüssig geworden wäre, o nein. Er liebt seine Heimat wie jeder Schwarzwälder. Er liebt sie so sehr, dass es ihn hinaustreibt und er es anderen auch sagen muss, wie schön es eigentlich im Schwarzwald ist. Und dass sie auch kommen sollen, um sich dieses gottbegnadete Stück Deutschland auch anzusehen", wird im Artikel begründet.

So zieht Haas in seiner schmucken Tracht mit dem hochbepackten Werbewagen hinaus. Im ganzen Reich sei er schon eine ziemlich bekannte Persönlichkeit geworden, teilt der Schwabo zu jener Zeit mit. "Vor allem ist es der Norden Deutschlands, dem seine Besuche gelten. Bei seinen Rundreisen gibt er auch seine selbst verfassten Gedichte zum Besten", heißt es in dem Bericht abschließend.

Wilhelm II. begegnet

Wer in den 1960er-Jahren mit den älteren Wanderern des Schwarzwaldvereins unterwegs war, konnte ebenfalls etwas über dieses "Original", erfahren. Diese Menschen wussten noch so einiges vom urigen "Geißehaas" zu erzählen. So auch, dass er einmal dem deutschen Kaiser Wilhelm II. begegnet ist und diesem die Hand schütteln durfte.

Selbstverständlich zitierte er dabei aus seinen selbstverfassten Gedichten, die er auf den Rückseiten von Ansichtskarten abdrucken ließ. "Vom schönen Schwarzwald komm’ ich her. Will wandern über Land und Meer. Und will noch in meinen alten Tagen des Schwarzwalds Rum in die fremden Lande tragen. Oh Schwarzwald, du schönster Fleck in Deutschlands Gauen! Geht nur hin, könnt selber schauen", stand dort geschrieben.

Witziger Zeitgenosse

In seinen Gedichten hat er sich allen Situationen gewidmet. Überschrieben sind sie mit "Lebensbetrachtung, Lebensherbst, Heimkehr, mein Kinzigthal, Feldkreuz, mein letzter Wunsch und Abschied vom Muttergrab". Aber auch den Humor des Schwarzwälders hat er in seinen Versen angepriesen: "Lustig bin ich allewiel, und mi Muul stoht nicht oft still!"

Ledig und kinderlos

Sehr ausführlich hat sich 1931 mit seinen Versen zu Wort gemeldet, als unweit von seiner Heimstätte im Herlinsbach der Dohlenbacherhof auf dem Hapbach wieder aufgerichtet wurde. So stammt offensichtlich der Richtspruch aus seiner Feder. Darin geht er auf die Geschichte des Gehöfts und das Leben der Familie ein: "Der alte Grundstein vom Jahr ›fünfzehnhundertsiebzigundzwei‹ (1572) zeigt sich erneut mit der Zahl ›neunzehnhunderteindunddreißig‹ (1931) auf’s Neu!"

Nur wenig konnte über sein privates Leben erkundet werden. Er selbst schreibt, dass er ledig und kinderlos gewesen sei.

Für knapp sieben Jahre war er Inhaber der 1897 von ihm gegründeten Lokalzeitung "Schwarzwälder Volksstimme" mit Sitz in Haslach. Er verkaufte den Zeitungsverlag samt Buchdruckerei zum 1. Juli 1904 an Wilhelm Engelberg. Überliefert ist auch, dass er in seiner bewährten Art 1937 Werbung – insbesondere für die Stadt Haslach – in Bad Seegeberg gemacht hat.

Erhalten ist noch eine ganze Serie von schwarz-weißen Ansichtskarten, bunte waren damals noch nicht im Umlauf. Haas verkaufte sie einst mithilfe eines großen Werbewagens – und im Alter wohl durch eine Art Brieftasche. Geschickt wählte er bekannte Motive, wie das Oberwolfacher "Staighäusle", das Wegkreuz an der Landstraße mit dem Venturhof und malerischen Schwarzwaldhäusern samt Strohdächern, aus.

Speziell zu den Geißen ist nichts überliefert. So schlussfolgert der Autor dieses Textes: "Vielleicht hatten die Eltern die Geißen, waren gewiss arme Tröpfe?"