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Wolfach "Da krankt etwas in der Gesellschaft"

Bürgermeister Thomas Geppert (Mitte) hielt bei der Vereinsvertreter-Versammlung im Feuerwehrgerätehaus zunächst eine Rede. Dann wurden die Termine des Veranstaltungsjahrs 2018 abgesprochen und von einigen die geringe Beteiligung kritisiert. Foto: Steitz

40 von 85 Vereinen haben an der gemeinsamen Vertreterversammlung am Dienstagabend teilgenommen. In den Reihen der Akteure wurde diese geringe Präsenz – vom "kleinen Haufen" war die Rede – heftig kritisiert.

 

Wolfach . Selbst die Organisatoren waren von der dürftigen Resonanz einigermaßen verblüfft, auch wenn die Beteiligung bereits über die Jahre sukzessive geschrumpft war. Wie Gerhard Maier, Chef der Tourist-Information Wolfach, bekannt gab, sind es in den Vorjahren immerhin um die 60 Teilnehmer gewesen. Mit den vier Akteuren der Stadtverwaltung und den 40 Vereinsvertretern waren diesmal aber noch weniger anwesend. Einige Vertreter stammten teilweise sogar von derselben Einrichtung, sodass faktisch noch weniger Vereine anwesend waren.

Bürgermeister Thomas Geppert drückte es so aus: In den Tischreihen sehe es "luftig" aus. Er betonte gegen Ende der Veranstaltung, dass es aber kein so schlechter Abend gewesen sei, auf diejenigen Vertreter, "die da sind, kommt es an", ermutigte er.

Und diese Anwesenden tauschten fleißig Termine aus, ergänzten neue und besprachen die Überschneidungen. Da einige Akteure fehlten, konnte nicht alles abschließend geklärt werden.

Deadline ist hierbei aber erst in zwei Wochen, am 24. Oktober, teilte Maier mit. Alle Organisationen, die in den Veranstaltungskalender 2018 involviert seien, könnten sich noch bei der Tourist-Info melden. "Da passen wir auf. Die Spielregel ist allgemein bekannt", verneinte Maier eine Frage aus dem Publikum, ob die neuen Anfragen gegenüber den am Abend getroffenen Vereinbarungen bevorzugt würden.

Neben der Resonanz war auch der neue Veranstaltungsort der traditionellen "After-Work-Party", die zum Abschluss des Kuchenmarkts stattfindet, ein kleiner Aufreger. Die Feier zieht vom Schlosshof in die Festhalle um, weil die Schlosshalle umgebaut wird (wir haben berichtet). Ein Akteur kritisierte, dass die Festhalle den Gästen nicht genügend Platz biete. Geppert war das Problem bekannt und er hatte schon zuvor betont, dass dies nicht voll und ganz auf Begeisterung gestoßen sei.

Ferner teilte der Bürgermeister mit, dass er sich von jedem Verein einen Ansprechpartner wünsche, den die Stadt kontaktieren könnte, dies könne auch in einem dreiköpfigen Team erfolgen. "Es ist immer schwierig, zu wissen, wer das Heft in der Hand hält", bekräftigte er. Zudem sollten diese Vereinssprecher als "Sprachrohr in der Vereinslandschaft gegenüber der Stadt und anderen Kommunen" dienen.

Geppert plädierte zudem dafür, nach dem Bretzelfenstertreffen der VW-Veteranen, das vom 14. bis 17. Juni 2018 vorgesehen ist, eine "Verschnaufpause" einzulegen, um über ein Stadtfest nachzudenken, das die vielen Veranstaltungen bündeln kann.

Die Frage der Vorsitzenden der Landfrauen, Judith Jörke, bezüglich der Teilnehmerresonanz des Abends, "An was liegt es denn?", konnte abschließend nicht beantwortet werden. Gewerbevereinschef Reinhold Waidele vermutete, dass einige Fördervereine nicht präsent seien, weil deren Sinn nur die finanzielle Unterstützung ist, nicht aber das Veranstalten von Festen.

Manfred Schafheutle, Vorsitzender des Fördervereins Alter Bahnhof und Schlosshalle, hatte die Debatte ins Rollen gebracht und hatte an dem Abend nur eine Handvoll Teilnehmer ausgemacht.

Ihn bedrücke diese geringe Präsenz. "Da läuft etwas schief", betonte er. Wenn die Stadt einlade, gebiete es der Anstand und die Aufgeschlossenheit, daran teilzunehmen. "Da krankt etwas in der Gesellschaft", beklagte Schafheutle. Auch Thomas Kiefer vom Kleintierzuchtverein C216 war der Ansicht, wie sich die Vereine gegenüber der Stadt aufführten, sei "sehr belämmernd". "Es tut keinem weh, man kriegt sogar sein Essen", hob er hervor.

Maier fand, dass die Beteiligung auch in der Vereinslandschaft anderer Kommunen sinke. Er wies darauf hin, dass das Problem vielleicht die sogenannten künftigen Vereinssprecher, wie es Geppert vorschlug, lösen könnten. So ein Sprecher fühle sich verantwortlich, habe ein besseres Gewicht in der Organisation und könne die Mitglieder anders motivieren.

u Kommentar

Dass Frust in den Reihen der Vereinsvertreter-Versammlung am Dienstagabend aufkam, ist verständlich. Er entlud sich schnörkellos und war durchaus angebracht.

Nur die Hälfte – wenn überhaupt – der Vereine war anwesend. Da ist guter Rat teuer. Denn letztendlich wissen nur die Betroffenen, warum sie nicht teilgenommen haben. Ob es die terminliche Unvereinbarkeit, das Vertrauen in die bewährte Planung oder schlichtweg – wie vorgeworfen – Desinteresse ist, kann nur im Dialog geklärt werden.

Es darf nicht vergessen werden, dass das Vereinsleben auf Freiwilligkeit beruht. Nun mit Zwang zu reagieren, wäre fatal. Vielmehr sollten die Verantwortlichen nie müde sein, die Vorteile des Formats immer wieder zu betonen.

Diese liegen ganz klar auf der Hand: Nirgendwo kommen 85 Akteure schneller an einen "gemeinsamen" Tisch wie dort. Sie werden kostenlos bewirtet, treten in Kontakt mit Gleichgesinnten, haben die ungeteilte Aufmerksamkeit der Stadtverwaltung und können diese Plattform nutzen, um Probleme anzusprechen. Denn eines eint alle gemeinsam: Das Vereinssterben und der Nachwuchsmangel.

Insofern sollte die Kritik des Abends ein Weckruf an alle sein. Sonst ist die Terminabsprache bei der geringen Resonanz bald witzlos. Die Vereinsgemeinschaft schwächt sich dadurch auf Dauer nur selbst.

INFO

Bauhofleistung

Wenn Vereine die Leistungen des städtischen Bauhofs bestellen, muss dies acht Wochen vor Festbeginn schriftlich sein. Vor allem bei Parkplatzsperrungen oder Beanspruchung von öffentlichen Flächen benötige die Stadt zeitlichen Vorlauf, um zu organisieren. Bestellformulare sind auf der Homepage unter www.wolfach.de zu finden.

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