Wolfach Corona-Ambulanz bleibt im Bahnhof

Wolfach/Mittleres Kinzigtal - Die Corona-Ambulanz bleibt im Alten Bahnhof: Diese Nachricht hatte Wolfachs Bürgermeister Thomas Geppert für die Verantwortlichen im Gepäck. Im Vorfeld hatte sich Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) über die Einrichtung informiert.

Der Besuch war die zweite Station des Ministers in Wolfach. Zuvor hatte er das Ortenau-Klinikum besucht (wir berichteten).

Als die Corona-Krise anzog, entstand Ende März im Alten Bahnhof innerhalb von nur drei Tagen eine Abstrichstelle. Über die Notfallpraxis und Corona-Ambulanz informierten am Freitag Vertreter von "Gesundes Kinzigtal", des Ärztenetzwerks und der Kassenärztlichen Vereinigung.

Infrastruktur vor Ort innerhalb weniger Tage umgesetzt

Christoph Löschmann, Geschäftsführer von "Gesundes Kinzigtal", war sicher, dass der schnelle Aufbau nur durch die gute Vernetzung vor Ort möglich gewesen sei. Aber auch die Stadt und die Musikschule, die den Alten Bahnhof normalerweise nutzt, hätten dem Netzwerk stark unter die Arme gegriffen, richtete er seinen Dank an Bürgermeister Geppert.

Der Wolfacher Arzt und Beauftragter für die Notfallpraxis, Christoph Brunner, ergänzte, dass die Praxis innerhalb von 24 Stunden in die Räume eingezogen sei.

Anfangs seien täglich Abstriche genommen worden – insgesamt waren es bis Freitag 733, ergänzten Susanne Halsinger und Janina Stunder von "Gesundes Kinzigtal" später. 43 davon wurden positiv auf das Coronavirus getestet.

Lucha lobte die Ärzte vor Ort, die mit ihrem Engagement die Grundlage dafür gelegt hätten, "dass wir gut durch diese erste Belastungsprobe gekommen sind". Er erinnerte an den Beginn der Krise, als Schutzausrüstung und Ressourcen knapp waren – "das waren belastende Zeiten". Die Verantwortlichen vor Ort betonten, dass sie durch regionale Unternehmen unkompliziert und schnell unterstützt wurden. Ob Schutzmasken oder Desinfektionsmittel: Die Unterstützung war enorm, betonten Brunner und Löschmann.

"Wir haben die Herausforderung nur so gut gemeistert, weil wir auch zum ersten Mal systematische Patientensteuerung betrieben haben", blickte Lucha zurück und befand: "›Gesundes Kinzigtal‹ hat damit bereits Erfahrung, was in dieser schwierigen Situation sicher von Vorteil war."

Nach der ersten Belastungsprobe sei es einfacher, den nächsten Anstieg als Verantwortungsgemeinschaft zu begleiten. Denn: "Wir müssen uns wieder auf steigende Zahlen einrichten", blieb der Minister realistisch.

Stephan Ziehms, Brunners Stellvertreter, sparte allerdings nicht mit Kritik. Die Ärzte würden schlecht über die Schritte der Landesregierung informiert, meinte er. Beispielsweise habe es bereits Anfragen von Lehrern gegeben, die sich testen lassen dürfen – "und wir wissen von nichts", machte er deutlich. Lucha bat um Verständnis: "Wir haben im Moment 69 verschiedene Verordnungen, das ist brutal." Allerdings nehme er die Kritik gerne mit und wolle mit der Kassenärztlichen Vereinigung besprechen, dass diese einen besseren Informationsfluss gewährleisten solle. Zudem empfahl er, regelmäßig auf der Internetseite des Ministeriums nachzusehen, wo aktuell informiert werde.

Schleppender Informationsfluss steht in der Kritik

Auch Doris Reinhardt (Pandemiebeauftragte, Kassenärztliche Vereinigung) verdeutlichte, vor welchen Herausforderungen alle standen: Im Kreis seien seit März rund 20 000 Abstriche genommen worden, stellte sie die "enorme Leistung" aller Beteiligten heraus. Sandra Boser betonte, es sei schwierig, wenn die neuen Verordnungen teils erst am Abend kämen.

"Ich bin fassungslos, dass die Kassenärztliche Vereinigung die Zeit hatte, eine unserer Arzthelferinnen abzumahnen", meinte Ziehms und schob nach: "Wenn es dafür Zeit gibt, dann auch, um uns zu informieren." Lucha betonte, dass die Zeit ohne die KV nicht zu bewältigen gewesen wäre, er nehme die Kritik jedoch auf.

Bei einem Rundgang erklärten Brunner und seine Kollegen den Aufbau der Praxis. Der Hornberger Arzt Martin Wetzel betonte, dass die zentrale Struktur der hiesigen Stelle ideal sei, während es mit Schwerpunktpraxen schwierig wäre. "Wir wollen Corona ja aus unseren Praxen halten", sagte er.

Als die Corona-Krise im März ihren Höhepunkt erreichte, wurden im Ortenaukreis Abstrichstellen und Ambulanzen eingerichtet, die sich speziell mit der Corona-Thematik befassten. In kürzester Zeit wurde eine solche im Alten Bahnhof Wolfach eingerichtet. Abstriche wurden (und werden) übrigens am Fenster vorgenommen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Zudem gibt es in der Fieberambulanz zwei Behandlungsplätze.

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