Wolfach Ausgerechnet im 50. Jahr war Schluss

2016 wurde die Halbmeiler Schule geschlossen. Jetzt nutzen Vereine die Räume. Foto: Jehle Foto: Schwarzwälder Bote

Die Anfänge der allgemeinen Schulpflicht sind 300 Jahre alt. Im Wolfacher Ortsteil Halbmeil wurden erstmals 1784 die Schulverhältnisse durch die "hochfürstlich Fürstenbergische Verordnung" über die Stadt- und Landschulen hoheitsrechtlich geregelt.

Wolfach-Halbmeil. Zu jener Zeit war der Lehrerberuf überwiegend eine Nebentätigkeit, die miserabel bezahlt wurde. In den ersten Jahren unterrichteten meist Tagelöhner die Bauernkinder in dem heute noch existierenden früheren "Weberhaus" an der Kreuzbrücke.

Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. missfiel die "große Unwissenheit, sowohl was das Lesen, Schreiben und Rechnen der Jugend vor allem auf dem Lande", anging. Mit der königlichen Anordnung 1717 sollte jedes Kind zwischen fünf und zwölf Jahren unterrichtet werden.

Der Preußenkönig hatte weder die Mittel noch das Personal, um das Unterfangen wirklich umzusetzen. Die Einhaltung der Unterrichtspflicht wurde zum einen den Eltern, hauptsächlich aber der jeweiligen auf dem Land regierenden Obrigkeit überlassen.

Erst 1829 wurde in Halbmeil über den Bau eines Schulhauses verhandelt und drei Jahre später auch verwirklicht. Im Pflaster des Vorplatzes des 2006 erbauten Dorfgemeinschaftshauses ist der Erdgeschossumriss des alten Hauses originalgetreu eingelassen.

Gemäß dem königlichen Edikt sollten die Kinder von November bis Mai unterrichtet werden, damit sie im Sommer auf den heimischen Höfen mitarbeiten konnten. In dem von Hobbyhistoriker Hermann Schneider Strittmatter Anfang der 1960er-Jahre verfassten Buch "Die Stabsgemeinde Kinzigtal" ist ein Kapitel dem Thema gewidmet.

Mädchen wurden oft vom Unterricht befreit

Außerordentlich unregelmäßig sei Schule gehalten worden, schreibt der Autor. Manchmal hätten dies widrige Wetterverhältnisse wie viel Schnee verursacht. Doch vor allem leuchtete die Unterrichtung von Mädchen der Bevölkerung kaum ein. Vielfach traten die Bauern an die Lehrer heran, um eine ständige oder wenigstens zeitweise Befreiung der Töchter vom Unterricht zu erreichen.

Wer nicht ganz mittellos war, hatte jährlich für die Knaben ein Schulgeld von zwei und für die Mädchen 48 Kreuzer zu bezahlen, schreibt Schneider Strittmatter. In der badischen Zeit nach 1835 habe für beide Geschlechter das Entgelt ein Gulden und 24 Kreuzer im Jahr betragen.

Erst in der Zeit der Weimarer Republik 1919 wurden die bis heute unveränderten Vorgaben einer Schulpflicht formuliert, die anstelle der vom Preußenkönig verordneten Unterrichtspflicht trat.

Zu Beginn der 1960er-Jahre beschloss der damalige Halbmeiler Gemeinderat aufgrund steigender Schülerzahlen und der daraus resultierenden Raumknappheit sowie Entwicklungen im Schulverwaltungsgesetz den Neubau einer Schule. Der erste Spatenstich erfolgte 1964 und zwei Jahre später die Einweihung. Mit dem Bau dieser Schule wurde das bisher größte Bauwerk der damals noch eigenständigen Gemeinde erstellt. Mehr als eine Million D-Mark betrugen die Kosten, wovon rund 800 000 D-Mark vom Land zugeschossen wurden.

Vor acht Jahren stellte die Stadt Wolfach den Antrag auf Zusammenlegung der Grundschule Wolfach mit der bislang selbstständigen Grundschule Halbmeil, die zur Außenstelle der Wolfacher Herlinsbachschule wurde. Ausgerechnet im 50. Jahr ihres Bestehens wurde 2016 die Schule aufgrund niedriger Schülerzahlen geschlossen.

Im Sommer 2017 feierte die Dorfgemeinschaft zusammen mit Vertretern der Stadt und der Herlinsbachschule mit einem großen Fest das Jubiläum.

In der ehemaligen Halbmeiler Schule haben mehrere örtliche Vereine wie die Narrenzunft und Bläserjugend ein Heim gefunden. Auch die Kleintierzüchter und der Patenverein Kinderlachen freuen sich über den lang ersehnten Vereinsraum. Der Turnraum kann über die Stadt angemietet werden. Dort sind auch Informationen über den Belegungsplan erhältlich.

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