Wolf in Mühlenbach DNA-Probe ist von schlechter Qualität

Beim Fund dieser Spur waren sich Experten schon sicher, dass ein Wolf in Mühlenbach unterwegs gewesen ist. Eine DNA-Untersuchung hat dies nun bestätigt. Foto: privat

Ein bisher noch nicht von der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg erfasster Wolf hat vier Schafe in Mühlenbach gerissen. Das ergab eine DNA-Untersuchung. Doch mehr Informationen haben die Experten der Probe nicht entnehmen können.

Mühlenbach - Experten hatten es schon geahnt, nun bestätigte das Umweltministerium gestern, dass die am 23. April in Mühlenbach tot aufgefunden Schafe wurden von eienm Wolf gerissen. Die Überraschung: Nicht der in der Region bereits bekannte Wolf "GW852m", auf dessen Konto ein Riss in Kirnbach geht, war der Täter. Sondern ein bisher unbekanntes Tier des Haplotyps HW22, das damit zur sogenannten Alpenpopulation gehört.

Was weiß man über diese Population?

"Die Population ist durch Zuwanderung aus dem Apennin entstanden und ist eng mit der italienischen Population verbunden", so die FVA. Die Alpenpopulation habe ihren Schwerpunkt in den Seealpen aber auch die Rudel in der Schweiz zählen hierzu, zum Beispiel das Calandarudel in Graubünden. Zahlreiche Wölfe aus dieser Population seien bereits nach Deutschland eingewandert.

Was kann man über das Individuum sagen?

Nicht viel, außer dass es ein Wolf ist. "Nur der erste Schritt der genetischen Analyse, die Artidentifizierung über DNA aus den Mitochondrien (mtDNA), war erfolgreich. Es war also keine Kern-DNA nachzuweisen. Nur über diese ist aber eine Individualisierung möglich. Das bedeutet: Weder das Individuum konnte bestimmt werden noch dessen Geschlecht. Für diesen Schritt war die Probenqualität nicht ausreichend.

Warum war die Probenqualität so schlecht?

Laut FVA kann das verschiedene Gründe haben, wie die Witterung, das Alter der Probe oder Verunreinigungen. UV-Licht zerstört beispielsweise Kern-DNA, wenn sie dieser längere Zeit ausgesetzt ist. Die mitochondriale DNA ist zwar auch nicht unzerstörbar, aber robuster als die aus dem Zellkern.

Was für Folgen hat es, dass nur die Art bestimmt werden konnte?

Ist von einem Wolf ausreichend gutes DNA-Material aus dem Zellkern vorhanden, kann er genetisch erfasst werden. Das war bei dem bereits bekannten Rüden "GW852m" der Fall. Seine Bewegungen in der Region können recht gut nachvollzogen werden. Beim dem Individuum in Mühlenbach wird das in der Form nicht möglich sein. Wird ein weiteres Nutztier im Kinzigtal gerissen und ergibt die DNA-Probe, dass es von einem Wolf der Alpenpopulation getötet wurde, ist es nur möglich, dass es der gleiche Wolf wie in Mühlenbach war. Sicher sagen lässt sich das nicht. Ein anderes Tier aus der Alpenpopulation könnte ebenfalls der Täter sein.

Der Mühlenbacher Wolf war anscheinend alleine unterwegs. Ziehen Einzelwölfe eher weiter und besetzen erst bei einer Rudelbildung ein Territorium oder bleiben auch einzelne Tiere einer Region treu?

Junge Wölfe wandern in der Regel in den ersten zwei Lebensjahren von dem elterlichen Territorium ab und begeben sich auf die Suche nach einem eigenen Territorium. Treffen sie während dieser Zeit auf einen andersgeschlechtlichen Wolf, der sich bereits etabliert hat, dann ist es wahrscheinlich, dass es zur Verpaarung und anschließend zur Rudelbildung kommt. Treffen sie nicht auf ein solches Tier, so lassen sie sich aber selbst irgendwann nieder. Wie lange und wie weit sie hierfür umherziehen ist individuell sehr unterschiedlich und kann nicht vorhergesagt werden. Damit ist auch schwer zu sagen, ob der in Mühlenbach nachgewiesene Wolf noch einmal in unsere Region zurückkehrt.

Die FVA und das Umweltministerium bitten darum, Wolfssichtungen und Risse von Nutztieren zu melden, um das Monitoring, also das Nachvollziehen der Wolfsbewegungen, sicher stellen zu können. Hinweise per E-Mail an info@wildtiermonitoring.de oder unter Telefon 0761/4 01 82 74.