Wohnungs-Eigentümer halten sich zurück Stadt Lahr hat nur zwei Leerstände vermittelt

Nach den Zahlen aus dem Zensus 2011 stehen in Lahr 755 Wohnungen leer. Möglichst viele Wohnungen wieder zu vermieten, ist das Ziel eines Programms der Stadt. Foto: Bildstein

Lahr - Anfang des Jahres hat die Stadt ihr Programm zur Vermittlung von leerstehendem Wohnraum gestartet – doch die Resonanz ist bisher bescheiden: Bisher hat die Stadtverwaltung nur zwei Vereinbarungen abschließen können.

Das Problem ist bekannt: In Lahr gibt es zuwenig Wohnraum, und die Mieten sind für viele zu hoch. Auf der anderen Seite gibt es in der Stadt viele leerstehende Wohnungen. Eine aktuelle Zahl der ungenutzten Wohnungen hat die Stadtverwaltung zwar nicht, aber es gibt eine exakte Zahl aus dem Zensus 2011: Danach stehen in Lahr 755 Wohnungen leer. "Daran hat sich bis heute nichts Grundlegendes verändert", so die Verwaltung.

Vor diesem Hintergrund hat die Stadt ein Projekt initiiert, bei dem ein neuer Weg zur Wohnraumgewinnung eingeschlagen wird. Durch "umfangreiche Anreize" sollen Haus- und Wohnungseigentümer für eine Wiedervermietung motiviert werden.

Was bietet die Stadt Wohnungseigentümern an?

Zum einen gibt es einen Sanierungszuschuss bis maximal 7000 Euro, außerdem eine Wiedervermietungsprämie in Höhe von zwei Monatskaltmieten. Die Kaution kann vorfinanziert werden. Eine "sorgfältige Mieterauswahl", eine Mietausfallgarantie für zwei Jahre und eine Mieterschulung bei der Wohnungsübergabe sind weitere Stichworte. Das Ganze wird in einem Kooperationsvertrag geregelt.

Wie groß ist die Resonanz bei Lahrer Haus- und Wohnungseigentümern?

"Bei uns haben sich bislang circa 60 Interessenten nach dem Programm ›Wohnraumaktivierung‹ erkundigt", sagte Stadt-Sprecher Nicolas Scherger auf Anfrage unserer Zeitung. Darunter seien allerdings viele, die unterschiedliche Optionen prüfen, wie sie ihren Wohnraum nutzen könnten – ob sie ihn beispielsweise vermieten, verkaufen oder Ferienwohnungen einrichten möchten. Bislang gebe es zwei Vereinbarungen zwischen Stadt und Vermietern. "Zu drei weiteren sind wir in Gesprächen, der Ausgang ist noch offen", so Scherger.

Nach welchen Kriterien schlägt die Stadt Eigentümern Mieter vor?

"Wir führen eine Liste mit allen, die sich bei uns melden und ihr Interesse bekunden, eine Wohnung zu mieten. Dieses Angebot steht allen offen und wird von Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund genutzt – etwa hinsichtlich Alter, Geschlecht, Einkommen, Nationalität oder Familienstand", so Scherger. Die Kriterien für die Vermittlung gebe allerdings der Vermieter vor, das heißt, er könne individuell festlegen, welches Profil er sich für seine Mieter wünscht. Scherger: "Wir können daher keine klassische Warteliste führen, sondern versuchen, Vermieter und Mieter möglichst passgenau zusammenzubringen."

Das Vorbild

Die Stadt Lahr orientiert sich bei ihrem Programm zur Vermittlung von leerstehenden Wohnungen am "Karlsruher Modell". Schon seit 2005 betreibt die nordbadische Stadt eine erfolgreiche Wohnungsakquise. Durch finanzielle Anreize für Vermieter, eine enge Kooperation und eine Begleitung der Mietverhältnisse durch die Stadt sollen Leerstände verringert werden. Das Lahrer Programm zur Wohnraumaktivierung betreut Karen Wurth von der "Servicestelle Wohnen" beim Stadtplanungsamt. Wer interessiert ist, kann sich unter Telefon 07821/9 10 06 84 oder per E-Mail an die Adresse karen.wurth@lahr.de bei ihr melden.

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