Wohnraum für Flüchtlinge Martinshof-Besitzer setzt ein Zeichen

Janosch Lübke

Das Dach des Martinshofs in Fischerbach muss noch etwas länger auf seine neuen Ziegel warten. Hofbesitzer Michael Reimold setzt erst einmal andere Prioritäten – und renoviert ein Haus für Ukraine-Flüchtlinge in Schenkenzell.

Fischerbach. Die Einfahrt des Martinshofs in Fischerbach steht voller Dachziegel. Alles ist vorbereitet, um das Dach neu einzudecken. "Alles ist da. 1000 Quadratmeter müssen noch gedeckt werden. Aber das Dach gibt es seit 70 Jahren, da kann es auch noch ein Jahr länger warten", sagt Michael Reimold, der zusammen mit seiner Frau den ältesten Hof im Kinzigtal betreibt und renoviert. Er hat zunächst ein anderes Ziel im Blick. "Wohnraum für Flüchtlinge aus der Ukraine zu schaffen, geht jetzt vor. Wir werden unsere Arbeitskraft hier am Hof drosseln und dafür ein Haus in Schenkenzell renovieren und es der Gemeinde zur Verfügung stellen", kündigt Reimold an. Im Obergeschoss des Hauses können dann drei Familien in bis zu 18 Betten Platz haben.

Auf dem Martinshof geht es also erst einmal langsamer voran. Trotzdem soll Einiges geboten sein, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind. Besucher können dann ein "Trecker-Diplom" machen, sprich unter Anleitung von Reimold den Hof-Trecker fahren. Zudem sieht Reimolds Plan (siehe Bild) drei Ferienwohnungen und vier Veranstaltungsräume, zum Beispiel für kleine Hochzeiten, vor. Auch ein Inhaber-Zimmer für ihn und seine Frau Regina Schlindwein-Reimold ist in der Mache. "Wir greifen mit allem was wir hier tun nur wenig in den Grundbau ein. Klassischerweise würde man analysieren, von welcher Epoche in der Bausubstanz am meisten vorhanden ist – und dann alles in dem Stil umbauen. Das machen wir aber nicht. Bei uns ist am und im Haus ein Mix aus allen Epochen in 900 Jahren zu sehen", beschreibt Reimold. "Wir wollen nicht alles schnell fertig machen und mit Gewinn verkaufen, sondern hier daheim sein."

Alte Apfelsorten sollen gesetzt werden

Auch für den Bereich vor dem Hof an der Hasenfeldstraße gibt es Pläne. "Wir werden hier im Frühjahr alte Apfelsorten setzen. Also solche Sorten, die es sonst nur noch beim Spezial-Händler gibt. Das passt, denn ein Bauernhof braucht Apfelbäume", erklärt Reimold und erzählt im selben Atemzug schon von seiner nächsten Idee: "Wir wollen noch dieses Jahr eine Weihrauch-Essenz rausbringen. Die wird im Labor entwickelt und soll bei uns verkauft werden."

Eine Weihrauch-Essenz, so heißt es in Produktbeschreibungen, soll "nicht nur die körperliche sondern auch die geistige und seelische Ebene" des Menschen positiv beeinflussen. Für die seelische Ebene gibt es aber auch die Kapelle auf dem Martinshof. "Gerade bei der derzeitigen Kriegslage ist es mir wichtig, dass unsere Kapelle für alle offen steht, die hier meditieren oder beten möchten. Jeder kann den Schlüssel von mir haben", betont Reimold, als er unser Redaktion, zusammen mit seinem Geschäftspartner Arnold Schmid, den Gottesraum zeigt. Schmid habe mit seiner Firma "innovativ Schmid" in Haslach schon vielen Hofbesitzern in Fischerbach geholfen, ihre Höfe zu restaurieren. "Beim Martinshof hat man jahrelang den Wert des Gebäudes nicht gesehen. Es gibt nicht mehr viele von solch alten Höfen. Den Bestand sollte man sichern und so viel wie möglich so erhalten lassen", erklärt Schmid.

Seit dem 1. September sind Michael Reimold und seine Frau auf dem Martinshof in Fischerbach. Dass er den Hof mitten in der Corona-Zeit übernommen hat, stört Michael Reimold nicht. "Hier habe ich meine Ruhe und bekomme von der Pandemie nicht viel mit. Wir haben hier auch nicht viel Kontakt zu anderen."

Während Michael Reimold ursprünglich aus Schenkenzell kommt, stammt Regina Reimold aus Karlsruhe. Momentan leben beide noch in Schenkenzell. Sie sind Inhaber der Firma GFT Prisma in Schenkenzell. Diese macht unter anderem Seo-Optimierung, erstellt Podcasts und Betriebsanleitungen.