Willstätt Vorerst keine schlaflosen Nächte mehr

Seit einer Woche trainiert der SC Sand wieder – natürlich unter Auflagen. Beim Bundesligisten hofft man, bald wieder spielen zu können. Foto: Caldwell Foto: Lahrer Zeitung

Der SC Sand kann erst mal aufatmen: Dank der Solidaritätszahlung der DFL können Liquiditätsprobleme erst mal behoben werden. Am kleinsten deutschen Profistandort freut man sich und hofft, bald wieder den Spielbetrieb aufnehmen zu können.

Es ist kurz nach halb zwölf am Freitag – dem Tag eins nach der frohen Botschaft für den SC Sand. Klaus Drengwitz, Vorstandssprecher beim Frauen-Bundesligist, ist voller Tatendrang. "Nach den neuesten Nachrichten geht’s mir richtig gut", sagt er. Gemeint ist der Beschluss des DFL-Präsidiums, die dritte Liga der Männer sowie die Frauen-Bundesliga mit insgesamt 7,5 Millionen Euro aus dem Solidarfonds zu unterstützen. Dieser wurde von den vier Champions-League-Teilnehmern Bayern München, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen bereitgestellt. Insgesamt 25 Teams werden mit der gleichen Summe unterstützt. Die zweite Mannschaft der Bayern sowie die Frauen-Teams von Männer-Bundesligisten wie Freiburg, Wolfsburg, den Bayern oder Hoffenheim sind davon ausgenommen.

Auch wenn Drengwitz am Freitag noch keine offizielle Bestätigung über die Summe und die Auszahlungsmodalitäten vorlagen, kann davon ausgegangen werden, dass die Sander insgesamt 300 000 Euro bekommen werden. "Es ist eine erhebliche Summe, die der SC Sand bekommen wird", sagte Drengwitz am Freitag. Es ist eine Zahlung, die dringend notwendig ist, durch die Corona-Krise gab es beim Verein eine "große Liquiditätslücke", wie der Vorstandssprecher sagt.

Einnahmen aus dem Spielbetrieb fehlen

Seit Mitte März kamen keine Einnahmen aus Heimspielen mehr rein – im Schnitt kommen rund 800 Zuschauer nach Sand. Auch die Gelder aus dem DFB-Pokal, wo die Ortenauer im Viertelfinale stehen und am 22. März auf den Zweitligisten Bielefeld treffen sollten, fehlen. "Die Situation hat uns schon manche Nacht gekostet", gibt Drengwitz offen zu.

Durch die Solidaritätszahlung, die laut DFL an "keine weiteren Bedingungen geknüpft" ist, dürfte die Schlaflosigkeit der Sander Verantwortlichen vorerst vorbei sein. "Heilfroh" sei er darüber, sagt Drengwitz. Viele Fragen bleiben für ihn und seine Kollegen allerdings noch offen, Antworten haben sie auf die wenigsten. "Die Frage ist immer noch, wann die Bundesliga wieder spielt."

Ob – und wenn ja, wann – das der Fall sein wird, ist offen. Ende der vergangenen Woche hat sich das DFB-Präsidium für die Einberufung eines Außerordentlichen DFB-Bundestags ausgesprochen. Die formelle Einberufung des Gremiums ist allerdings noch nicht erfolgt. Nur ein solcher Bundestag könnte über den Abbruch dieser Ligen entscheiden. Medienberichten zufolge ist ein Abbruch aber noch kein Thema.

Gesucht: Namenspartner fürs Stadion in Sand

Genau wie die Männer-Bundesliga soll auch die der Frauen bis zum 30. Juni beendet werden. Wenn, dann wird das nur mit Spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit klappen. Für Drengwitz und den SC Sand kein Problem. Zur Not könne man die Saison mit Partien unter der Woche in zwei bis drei Wochen zu Ende bringen, glaubt Drengwitz. "Wichtig ist, dass es am 30. Juni abgeschlossen ist."

Von den TV-Geldern, die natürlich nur ein Bruchteil von denen sind, die bei der Männer-Bundesliga gezahlt werden, würden dann alle Teams gleichermaßen profitieren. Auch für die Fans, die nicht in die Stadien dürften, hat Drengwitz eine Idee. "Die Spiele sollen dann in allen Autokinos in Deutschland gezeigt werden. Wenn der SC Sand spielt, kann ich mir vorstellen, dass ein paar Hundert nach Offenburg fahren werden", sagt Drengwitz.

Wie es dann in der kommenden Saison weitergehen wird, ist noch nicht klar. Dass es in Sand weiterlaufen wird, daran hat Drengwitz keinen Zweifel. Einen großen Aderlass bei den Sponsoren befürchtet er nicht, derzeit sei man noch auf der Suche nach einem neuen Namensgeber für das Stadion. Die Partnerschaft mit "Orsay" endet im Sommer. Auch wenn es sicher bessere Zeiten gibt, um große Sponsoren zu akquirieren, ist Drengwitz positiv gestimmt.

"Ich bin ein realistischer Optimist", sagt er mit einem Lachen, an dem auch die Solidaritätszahlung ihren Anteil haben dürfte. Direkt am Freitag hat er schriftliche Dankesworte an die vier Champions-League-Teilnehmer verfasst, die Briefe sind an die Vorstände der Vereine adressiert. Oliver Kahn und Co. dürften also in dieser Woche Post vom kleinsten deutschen Profistandort bekommen.

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