Widersprüchliche Aussagen Teststationen-Zoff in Altdorf geht weiter

Felix Bender
Eingeschlagene Fensterscheiben an einem Container: der unrühmliche Höhepunkt des Testcenter-Streits in Altdorf. Foto: Bender

Den Streit unter zwei Altdorfer Testcenter-Betreibern will der Grundstücksbesitzer schnell beilegen: Der Zustand sei "unhaltbar", sagt Thomas Hoffmann der LZ. Im Zweifel müssten beide gehen.

Der Chef des Family-Centers war am Tag nach der Eskalation darum bemüht, die Wogen zu glätten. "Es kann nicht sein, dass da Menschen aufeinander losgehen und sich am Ende womöglich verletzen", sagt Thomas Hoffmann im Gespräch mit der LZ. Das muss aufhören." Eine schnelle Lösung gibt es indes nicht, die Beteiligten waren für Hoffmann nicht zu erreichen. Er will nächste Woche persönlich nach Altdorf kommen – in der Hoffnung, für die dringend gewünschte Ruhe sorgen zu können.

Plötzlich buhlten zwei Firmen um Kunden

Wie berichtet, war es am Donnerstagvormittag zu tumultartigen Szenen vor dem Einkaufskomplex an der Altdorfer B 3 gekommen. Zwei Gruppen mit insgesamt rund zehn Personen waren aneinandergeraten – Angehörige zweier konkurrierender Corona-Teststationen. Die Polizei musste mit einem Großaufgebot ausrücken, um die Situation zu befrieden. Die Bilanz des Einsatzes liest sich am Ende unspektakulär – lediglich eine Anzeige wegen Sachbeschädigung nahmen die Beamten auf. Doch der Fall sorgt für viel Wirbel. Was steckt dahinter? Die LZ hat mit den Streitparteien gesprochen. Ein Versuch, Licht in den Tester-Zoff zu bringen.

Die Geschichte beginnt im Frühjahr 2021. Damals schloss Hoffmann einen Mietvertrag mit einer Firma ab, die auf dem Parkplatz des Family-Centers Corona-Tests anbieten soll. "Als Service für die Kunden", wie er sagt. Das Ganze sei – abgesehen von "einigen Rucklern" – nach Plan gelaufen. Solange bis die Bundesregierung die kostenlosen Bürgertests strich. Ab da gehen die Versionen auseinander.

Hoffmann sagt, die Vereinbarung wurde Mitte Oktober im gegenseitigen Einvernehmen beendet, die Betreiber der Teststation beharren indes "auf einem nach wie vor gültigen Vertrag". Darauf vertrauend hätten sie ihr Geschäft wieder aufnehmen wollen, als die Gratis-Schnelltests schon einen Monat später zurückkehrten. Das Problem: Hoffmann hatte in der Zwischenzeit ein zweites Unternehmen ins Boot geholt, sodass von nun an zwei Test-Container um Testwillige buhlten, nur wenige Meter voneinander entfernt.

Der Family-Center-Chef spricht von einer "unguten Situation", die er in der Folge zu lösen versuchte. Doch Behörden und Polizei, an die er sich hilfesuchend gewandt hatte, verwiesen ihn auf den zivilrechtlichen Weg – der sich als "höchst schwierig" erwies, wie der Investor, der mit seiner Immobilien-Firma ICC im schwäbischen Uhingen sitzt, berichtet.

Den zwischenzeitlichen Höhepunkt erreichte der Zwist rund um den Jahreswechsel: Der Unternehmer wollte den unerwünschten Test-Container von seinem Gelände entfernen lassen, was die Betreiber jedoch zu verhindern wussten: "Wir stellten für die Nacht Sicherheitspersonal ab. Wir fühlen uns im Recht und wollten uns nicht einfach wegkarren lassen", sagen sie deutlich. Menschen im Container – das machte einen Abtransport unmöglich.

Wer hat die Scheiben eingeschlagen?

Es folgte das bis dato letzte Ärger-Kapitel: Ein dritter Container wurde angefahren und direkt vor dem des ursprünglichen Betreibers platziert, was diesem die Arbeit freilich erheblich erschwerte. Die Frage, wer den Auftrag dazu gab, beantwortet Hoffmann ausweichend: "Ich muss mir jedenfalls den Schuh anziehen, dass ich es nicht verhindert habe." Fakt ist: In der Nacht auf Donnerstag wurden die Fenster des "Blockade-Containers" eingeschlagen, was in besagtem aufsehenerregendem Polizeieinsatz gipfelte. Die "alten" Tester weisen die Schuld von sich. Der Mitbewerber sah das offenbar etwas anders.

Hoffmann, das wird im Gespräch deutlich, kann nicht nachvollziehen, warum ein "mehrfach gekündigter, gewerblicher Mietvertrag" nicht ausreicht, um die Firma des Feldes zu verweisen. "Aber so sind nun mal unsere Gesetze, das muss man akzeptieren." Sein Augenmerk, betont der Geschäftsmann, liege aktuell ohnehin weniger auf der Frage, wer Recht hat, sondern darauf, die Situation zu entschärfen, eine weitere Eskalation zu verhindern. "Wenn es nicht anders geht, müssen eben beide Teststationen weg. Auch das ist für mich mittlerweile eine Option."

Family-Center

Das Family-Center in der Ettenheimer Gutenbergstraße wurde im Jahr 2010 eröffnet. Der dreiteilige Gebäudekomplex beheimatet Bekleidungs- und Lebensmittelgeschäfte, Gastronomie sowie Dienstleister. Die Gesamtverkaufsfläche des Family-Centers beträgt 4.400 Quadratmeter, das Areal ist mit Parkplätzen rund 11. 000 Quadratmeter groß.


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