Wegen Bahn-Ausbau Schuttern bangt um seinen Baggersee

Christine Bohnert-Seidel

Ausbau der Rheintalbahn gefährdet Naherholungsgebiet. Räte fordern Schadenersatz.

Schuttern - Der Ausbau der Rheintalbahn parallel zur Autobahn könnte dazu führen, dass ein Teil des Schutterner Baggersees zugeschüttet werden muss. Die Schutterner sind alamiert und setzen sich für ihr Naherholungsgebiet ein.

Das Naherholungsgebiet in Schuttern zieht jährlich Tausende von Campern und an manchen Sonntagen mehr als 3.000 Badegäste an den See. Planungen der Bahn zur Verlegung eines dritten und vierten Gleises entlang der Autobahn über die Westwiese am Baggersee verursachen in Friesenheim daher Bauchschmerzen. Heute misst bereits der kürzeste Abschnitt zwischen Autobahn und dem Nordufer des Badesees 40 Meter. "Wohin soll das Stück Ausbaustrecke?", fragen sich die Ortschafts- und Gemeinderäte.

Für sie ist die Existenz des Baggersees als Naherholungsort für die Menschen ein unverzichtbares Gut. Sie fordern heute schon einen Schadenersatz, sollte es zur Umsetzung kommen. Umso wichtiger ist für sie, diese Problematik offenzulegen, wenn Menschen aus der Politik in der Region unterwegs sind, wie Thorsten Frei, Bundestagsabgeordneter und stellvertretender Vorsitzender der CDU-/CSU-Fraktion, der mit dem Bundestagskandidaten Yannick Bury nach Schuttern gekommen ist.

"Ich bin mir sicher da wird ein Teil des Sees zugeschüttet", sagt Jürgen Silberer, Ortschaftsrat, gegenüber der Lahrer Zeitung. Dieses "Worst Case Scenario" sei nicht von der Hand zu weisen. "Wir wissen, dass ein Stück vom Baggersee weggenommen wird", betont Gemeinderat Ewald Schaubrenner. Die Schienen werden ostwärts der Autobahn verlegt, eine Verbreiterung der A 5 werde auch kommen, ergo fahre der Zug künftig durch die Wiese am Baggersee, so Schaubrenner.

Campingplatz muss vielleicht verkleinert werden

Erste Überlegungen zum dritten und vierten Gleis an die bestehende Trasse der Rheintalbahn zwischen Hohberg und Riegel hätten 172. 000 Einwendungen gebracht. Alternativ wurde jene Autobahnparallele mit der Güterumfahrung gefordert, die so mehr Rücksicht auf Mensch und Umwelt nähme. Mehrjährige Beteiligungsprozesse folgten und Offenburg erhalte einen Güterzugtunnel mit geschätzten Mehrkosten von zwei Milliarden Euro vom Bund getragen. Die Bestandsstrecke soll für den schnellen Personenfernverkehr ertüchtigt werden. Vorarbeiten für die Planung der Güterumfahrung und der Ertüchtigung hätten begonnen. Mit einem voraussichtlichen Projektende wird 2035 gerechnet. Die Ertüchtigungsstrecke Offenburg-Riegel soll erst 2041 fertiggestellt sein.

Ganz gleich wann die Bahn ihre Pläne entwickelt: In Schuttern steht ein wichtiger Wirtschaftsfaktor auf dem Spiel. Der Campingplatz müsste verkleinert werden oder gar komplett wegfallen. Ein Schadenersatz müsste zwangsläufig kommen, so die Räte. Schließlich werde deutlich in die Vegetation eingegriffen. Alternativ müsste eine Verlegung des Campingplatzes Richtung Uhl Kieswerk am Moränesee folgen.

Dass die Einflussnahme von Bundespolitikern nur sehr begrenzt in kommunalpolitische Themen hineinwirke, machte Frei deutlich. Dennoch seien die Berührungspunkte zur Bundespolitik, gerade zum Thema Eisenbahn und Verkehrswege, nicht von der Hand zu weisen. Jetzt gehe es um Lösungen, die wenig in bestehende Strukturen eingreifen, die das Leben der Menschen nicht über Gebühr in Anspruch nehmen, so Frei.

Mehr als 500 Campingplätze

Der Baggersee in Schuttern erstreckt sich auf einer Fläche von zwölf Hektar. 420 Dauerstellplätze und 115 Kurzzeitcampingplätze stehen zur Verfügung. 2020 wurde das Mehrzweckgebäude am See eingeweiht. Die Kosten lagen bei einer Million Euro.

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